Von Valentin Kressler

In Baselland ist der Wahlkampf für die kantonalen Erneuerungswahlen im Februar 2015 noch nicht richtig angelaufen. In Basel-Stadt dagegen rüsten sich die Parteien schon für die nationalen Wahlen im Oktober 2015. Als erste grosse Partei wird die FDP ihre Nationalratskandidaten am 12. Januar nominieren.

Das Vorpreschen hat seinen Grund. Eine der Hauptfragen ist, ob die FDP den Sitz von Parteipräsident Daniel Stolz halten kann. In der Einladung zum Nominations-Parteitag wirbt Stolz denn auch dafür, eine möglichst starke Fünferliste mit bekannten Freisinnigen aufzustellen. Bei den letzten Wahlen 2011 hatte die FDP eine vergleichsweise schwache Liste ins Rennen geschickt. Mit Sarah Wenger und Luca Urgese waren auch zwei damals noch weitgehend unbekannte Jungpolitiker auf dem Ticket, die bei den Wahlen mit Abstand die beiden hintersten Plätze belegten.

Die Parteispitze hat aus dem Fehler gelernt. Gemäss Recherchen der «Schweiz am Sonntag» ist sie daran, eine prominente Liste zusammenzustellen. Neben Stolz scheinen drei weitere Plätze schon vergeben. Auch Grossratspräsident Christian Egeler, Grossrat und Novartis-Chefökonom Stephan Mumenthaler sowie BVB-Verwaltungsrätin Nadine Gautschi werden aller Voraussicht nach auf dem Ticket sein. Alle drei bestätigen gegenüber der «Schweiz am Sonntag» ein Interesse an einer Kandidatur.

Gautschi, die auch der Geschäftsleitung der Basler FDP angehört, sagt: «Ich möchte, dass wir eine gute Liste haben. Dazu gehört für mich auch eine gewisse Ausgewogenheit der Geschlechter.» Die Ökonomin hatte sich Anfang Jahr bei der Volksabstimmung über eine Frauenquote in den Verwaltungsräten der staatsnahen Betriebe für ein Ja engagiert. Gemäss Stolz will die Parteispitze bei der Nomination für die Nationalratswahlen aber von einer parteiinternen Frauenquote absehen. Er sei überzeugt, dass die Basis mindestens eine Frau auf der Liste haben wolle.

Bewerben wird sich auch Grossrat und TCS-Präsident Christophe Haller. «Ich bin ein Parteisoldat. Ich stehe zur Verfügung, wenn es der Partei dient», sagt er. Er gehe davon aus, dass er der FDP zusätzliche Stimmen bringen könne. Und um den Sitz zu verteidigen, sei die Partei auf jede Stimme angewiesen. Der rechtsfreisinnige Haller hatte sich bereits 2011 für einen Platz auf dem Nationalrats-Ticket beworben, musste aber eine empfindliche Niederlage einstecken. Der damalige Fraktionspräsident unterlag am Nominations-Parteitag im dritten Wahlgang gegen Urgese und wurde nicht aufgestellt. Noch offen ist, ob auch Grossrat David Jenny antreten wird. Er habe der Parteispitze bis jetzt weder zu- noch abgesagt, sagt er. Um den Sitz zu sichern, müssten die stärksten Kräfte mobilisiert werden.

Die Parteispitze musste aber auch Absagen hinnehmen. Nicht kandidieren wollen Fraktionspräsident Andreas Zappalà und Grossrat Mark Eichner. Kein Interesse hat auch Simone Wyss, Präsidentin der Vereinigung Basler Ökonomen. Wyss, die von Nationalrat Markus Lehmann (CVP) eine von zwei Zutrittsberechtigungen ins Bundeshaus erhalten hat, sagt aber: «Ich finde es grundsätzlich wichtig, dass es Leute aus der Wirtschaft in der Politik hat.»

Die FDP lässt nichts unversucht, um den Nationalratssitz zu sichern. Die Partei will mit insgesamt vier Listen antreten. Neben der Hauptliste lanciert sie drei Unterlisten: eine Liste der Jungfreisinnigen, eine Liste der Freisinnigen Frauen und eine Liste «55+» um die Grossräte Erich Bucher (63) und Ernst Mutschler (72). Stolz sagt: «Wir hoffen, dass wir dadurch zusätzliche Themen in den Vordergrund rücken können.»

Einen Vorteil bringen soll der FDP auch eine geschickte Listenverbindung mit anderen Parteien. In dieser Frage konnten die Bürgerlichen jedoch noch immer keine Einigung erzielen. Die Diskussionen über eine grosse Mitte-Allianz mit FDP, LDP, CVP, BDP, EVP und GLP, von denen die «Schweiz am Sonntag» im Oktober berichtet hatte, ziehen sich in die Länge. Stolz bezeichnet diese Variante nach wie vor als «interessant». Kein Wunder: So hätte die FDP wohl die grössten Chancen, den Sitz zu verteidigen. Für die CVP dagegen besteht das nicht unerhebliche Risiko, dass sie innerhalb eines solchen Verbunds hinter FDP und LDP liegen und damit den Sitz von Lehmann verlieren würde. Stolz macht sich deshalb keine Illusionen: «Ich wage die Prognose, dass ich auch am Parteitag im Januar noch keinen Antrag zum Thema Listenverbindung stellen kann.»

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