Die dicken Fische sind der Polizei nach den Krawallen vom 10. April nicht in die Maschen gegangen. Von den meisten Vermummten, die nach dem Heimspiel des FC Basel gegen den FC Zürich Polizisten attackierten, fehlt jede Spur. Die wenigen, die auf den Bildern identifiziert werden konnten, hat es umso härter erwischt. Fünf der acht Personen, über die das Zwangsmassnahmengericht Untersuchungshaft verhängt hat, sitzen noch immer hinter Gittern – mittlerweile seit einem Monat.

In Einzelfällen spielen sich Dramen ab. So zum Beispiel bei den Mandanten der Pflichtverteidiger Alain Joset und Christian von Wartburg. Joset vertritt einen Studenten, der demnächst einen Prüfungstermin hat. Er ist der Meinung, dass der Justizdirektor Baschi Dürr «Symbolpolitik» betreibt, um vordergründig Härte gegenüber den Fussballfans zu markieren.

Lehrling bangt um Abschluss
Gegen Josets Mandanten stand anfänglich der Verdacht verschiedenster Delikte im Raum – unter anderem der Gewalt und Drohung gegen Beamte. Die Haftrichterin habe jedoch nur dem Tatverdacht des Landfriedensbruchs stattgegeben. «Mein Mandant war möglicherweise zur falschen Zeit am falschen Ort – und nicht vermummt», sagt Joset. Viel mehr habe er sich nicht zuschulden kommen lassen. Gegen die verhängte sechswöchige Untersuchungshaft hat Joset eine Haftbeschwerde eingelegt, die beim Appellationsgericht hängig ist. Er macht geltend, dass eine derart lange Untersuchungshaft übertrieben sei. Spätestens nach dem Europa-League-Final vom vergangenen Mittwoch habe er mit einer Entlassung gerechnet, sagt Joset. Die Gefahr der Kollusion erachtet er als gering, zumal das Datenmaterial auf Bildern festgehalten sei. Für ihn ist klar: «Was hier passiert, hat mit Strafprozessrecht nichts mehr zu tun.»

Auch Christian von Wartburg, der für die SP im Basler Grossen Rat politisiert, wehrt sich gegen die «unverhältnismässig» lange Untersuchungshaft. Er hat für seinen Mandanten ein Haftentlassungsgesuch eingereicht, dem bisher nicht nachgekommen wurde. Von Wartburg vertritt einen Lehrling, der kurz vor den Abschlussprüfungen steht. Auch gegen ihn stünde nach anfänglich schweren Vorwürfen lediglich derjenige des Landfriedensbruchs im Raum.

Von Wartburg bezeichnet die Dauer der U-Haft deshalb als «unverhältnismässige Maximalvariante, da weniger einschneidende Ersatzmassnahmen wie beispielsweise ein Rayonverbot zum gleichen Ziel führen». Die Basler Staatsanwaltschaft sieht das anders. Sprecher Peter Gill macht auf Anfrage eine «sehr aufwendige Auswertung von Bildmaterial» geltend. Er sagt, es werde noch «einige Zeit» dauern, bis die Verfahren abgeschlossen seien. Je nach Entwicklung der Ermittlungen behalte sich die Staatsanwaltschaft eine Öffentlichkeitsfahndung vor.

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