Im Eingangsbereich steht breitbeinig ein Sicherheitsmann, bewaffnet mit Maschinengewehr, geschützt mit schwerer Schutzweste. Hinter sich, im Rund unter der Markthallenkuppel sind vierzig Messestände aufgebaut. Einer wie der andere ist in nüchternem Weiss gehalten. Gläserne Vitrinen bilden die Auslagen, darin liegen die Diamanten. Kleinere wie grössere, weisse, farbige. Einige sind wenige tausend Dollar wert, andere Millionen. Der Warenwert dürfte die hundert Millionen Franken weit übertreffen. Kameras registrieren jede Bewegung.

Schilder verweisen auf die Herkunft der Aussteller, die sich mit Lupe über die Ware beugen oder sich mit gedämpfter Stimme unterhalten: Belgien, USA, Israel, Indien. Eine Mehrheit ist jüdisch. Es ist eine Versammlung der Eingeweihten, man gehört dazu oder eben nicht. Während im Messe-Zentrum mit Glamour die Uhren- und Schmuckmesse Baselworld gefeiert wird, ist die Diamond-Show in der Markthalle eine stille Veranstaltung. Die Besucherschar ist überschaubar. Doch Direktorin Alissa Goren sagt: «Wichtig ist, wer kommt.» Und wer sich im Diamantenhandel bewegt, kommt am Veranstalter der Diamond-Show, der Rapaport Group, nicht vorbei.

Am Freitag hat Martin Rapaport, der Chef persönlich, ausgewählte Finanzinvestoren und Vermögensverwalter zur Präsentation in die Markthalle geladen. Die «Schweiz am Sonntag» ist als Zuhörerin dabei. Rapaport, ein agiler Entertainer, weiss um seine Bedeutung im Diamantengeschäft: Seine Preislisten sind seit den 1970er-Jahren weltweit massgebend. Er sagt, er bilde nur ab, wie viel für welche Diamantenqualität bezahlt werde. Kritiker sagen, der Markt richte sich nach seinen Listenpreisen. Rapaport führt die Zuhörer auf eine rasante Reise durch die Diamantenbranche. Beschreibt, wie die Förderung zu 85 Prozent bei zwei Gesellschaften liege, beim südafrikanisch-luxemburgischen Konzern De Beers und der russischen Alrosa. Dass der Diamantenabbau stagniere, sich die Bankenwelt aus dem Minengeschäft zurückgezogen habe. Dass die neue chinesische Mittelschicht jedoch zu einer anhaltend grossen Nachfrage nach Diamanten führen werde. Dass mit Zuwachsraten von fünf Prozent jährlich gerechnet werden könne. Dass die Aussichten hervorragend seien.

«Bin ich zu schnell?», fragt Rapaport in die Runde, um in unvermindertem Tempo weiterzufahren. Ob die Preise steigen oder fallen, interessiere ihn eigentlich nicht. Nur «fair» müsse der Handel sein. Jedermann sei klar, dass es im Winter kalt und im Sommer warm sei und doch wundere man sich über das Auf und Ab der Märkte. Weshalb eigentlich? Nur die Nachfrage bestimme den Markt. Und jeder Stein sei verkäuflich, frage sich bloss, zu welchem Preis.

Was er anstrebe, sei ein transparenter Markt, auf dem jeder erfahren könne, was welcher Diamant koste. Dies fördere den Wettbewerb. Und Wettbewerb bringe effiziente Märkte hervor. Rapaport weiss, dass er damit alte Kartelle sprengt, dass er die versteckten Margen in den langen Wertschöpfungsketten vom Rohdiamanten zum geschliffenen Edelstein in einem Schmuckstück eliminiert. In den nächsten Wochen will er zusätzlich RapX, eine Plattform für den Onlinehandel mit Diamanten, aufschalten. Jeder könne sich dann zum selben Preis am Handel beteiligen; ob als Zwischenhändler, Schmuckproduzent, Juwelier oder auch als Investor, der Diamanten als reine Wertanlagen nutzt.

Rapaport sagt, er sei ein «Compliance Freak», ein Verfechter einer strengen Regulierung des Diamantengeschäfts. Dieses hat traditionell einen ausgesprochen schlechten Ruf. Seit dem Jahr 2000 ächtet die UNO zwar den Handel mit «Blutdiamanten». Damit sind jene Edelsteine gemeint, deren Verkauf etwa zur Finanzierung von Rebellenkriegen dienen oder mit anderen Menschenrechtsverletzungen verbunden sind. Rapaport gilt als Vorkämpfer für den sogenannten Kimberley-Prozess, einer Selbstregulierung der Branche, um mittels Herkunftszertifikate zu versuchen, den Diamantenschmuggel zu unterbinden.

Rapaport erinnert in seinem Plädoyer für einen sauberen Diamantenhandel an Schweizer Banker, die plötzlich die Weissgeldstrategie für sich entdeckt haben. Auch Rapaport ist kein Philantrop. Er ist ein knallharter Geschäftsmann, der niemandem traut, wie er sagt. Einer, der seine Interessen durchzusetzen vermag und sich Feinde schafft.

Mit der Baselworld verbindet ihn nichts. Dies sagt seine Messechefin Alissa Goren. Es gebe keine Kontakte. Aber wohl Reibereien. Waren im Vorjahr noch 65 Aussteller an der ersten Diamond-Show, haben sich einige dieses Jahr wieder an der Baselworld angemeldet. Doch beeindrucken lässt sich die Rapaport-Gruppe dadurch nicht. Mit der Markthalle bestehen mehrjährige Verträge. Rapaport kommt wieder. Von der eigenen Mission überzeugt und gut geschützt.

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