Von Annika Bangerter

Das «Hop-on» klappt beim zweiten Versuch. Zwischen grünen Trams und Bussen steuert Basels neuste Touristen-Attraktion die Haltestelle «Schifflände/Hotel Drei Könige» an. Oder wie die Mitarbeiterin von Basel Tourismus zehn Minuten vorher riet: «Am besten warten Sie vor dem Restaurant Picobello. Dort sieht Sie der Chauffeur bestimmt.» Am Bahnhof SBB hielt der Sightseeing-Bus einige Meter abseits der beschriebenen Haltestelle, beschleunigte sogleich wieder und fuhr an seiner einzigen Kundschaft vorbei.

Durch die verkehrsfreie Innenstadt darf das rote Gefährt nicht kurven. Dennoch gibt es an diesem Nachmittag einen Blick auf deren Sehenswürdigkeiten: Bei der Aufholjagd mit dem Velo fliegen die Elisabethenkirche, der Barfüsserplatz und das Rathaus vorbei.

Inhaltliche Beiträge ausbauen
Mit dem «Hop-on» ab der Schifflände beginnt ein weitaus gemütlicheres Sightseeing. Der Fahrgast thront höher als in den öffentlichen Bussen und Trams, schaukelt gemächlich durch das St. Johann-Quartier. Ein iPad mit einer Audioguide-App liefert Hinweise auf bedeutsame Architektur, wirtschaftliche Kennzahlen und Grossanlässe. Einen Reiseführer ersetzt er jedoch nicht. Historische Hintergründe sind spärlich. Das könne sich noch ändern, sagt Geschäftsführer Michael Trummer: «Unsere Tour soll bewusst nicht wie ein Lexikon daherkommen, sondern dem Gast eine Übersicht zum Leben in Basel geben. Denkbar ist aber, dass künftig über die App zwischen verschiedenen Inhalten gewählt werden kann.»

Auf dem Weg nach Kleinhüningen steigen zwei Passagiere hinzu. Touristen? Die beiden schütteln den Kopf. Sie sind Mitarbeiter von Basel Tourismus und wollen das Angebot kennen lernen. Anstatt aus den Fenstern des Sightseeing-Busses knipsen deshalb die Handys der heimischen Passanten. Doch wo bleibt die Zielgruppe? Michael Trummer beschwichtigt: «Die Buchungszahlen sollen bis Juni erreicht werden.» Damit der Bus kostendeckend durch Basel kurvt, brauche er mindestens 35 Gäste pro Tag, behauptet Trummer. In der ersten Woche seien knapp die Hälfte mitgefahren.

Mit dem Start ist er trotzdem zufrieden: «Wir erhielten zahlreiche Anfragen von Geschäften und Hotels, die mit uns zusammenarbeiten wollen», sagt er. Es sei ein Konzept in Arbeit, wie Hinweise auf Gewerbe, Gastronomie oder Kulturveranstaltungen in die Tour einfliessen könnten. Werbung statt Inhalt? Trummer verneint: Es brauche einen Mittelweg zwischen kostenlosen Insidertipps und einer Marketingplattform, auf der Unternehmen auf ihr Angebot aufmerksam machen können. «Nur Werbung um der Werbung willen gibt es nicht», sagt er. In zwei Wochen will er den Gästen eine überarbeitete Version der Beiträge präsentieren. Auch sollen die Haltestellen beschriftet werden. So, dass sich Kunden und Chauffeur in jedem Fall finden.

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