Ein letzter Schluck, und das Champagnerglas ist leer. Und der Kopf ziemlich duselig. Nach Stunden des Feierns und Anstossens auf das neue Jahr kommt unweigerlich der Moment, in dem der Champagner nicht mehr richtig perlt, die Glieder schwer werden und man das eigene Bett herbeisehnt.

In der Silvesternacht kann der Nachhauseweg allerdings ein langwieriges Unterfangen werden, wenn selbst nicht mehr gefahren werden kann und sich der Ort des Feierns nicht in der Nähe einer ÖV-Linie befindet. Zudem: Die meisten Trams und Busse der Basler Verkehrsbetriebe (BVB) fahren zwar die ganze Nacht hindurch, die Haltestellen werden aber teilweise nur ein Mal die Stunde bedient.

So erstaunt es nicht, dass die Taxis überlastet sein werden. Kurt Schaufelberger von der Taxizentrale sagt: «Zwischen Mitternacht und fünf Uhr registriert alleine unser Betrieb jeweils bis zu 17 000 Anrufe – Fahrzeuge stehen nur rund 60 zur Verfügung.» Reservationen nehme die Taxizentrale in der Silvesternacht keine entgegen, «weil wir nichts garantieren können». Am besten, man stelle sich auf gut Glück an die Strasse und warte, bis ein Taxi vorbeifahre.

Auch der Taxidienst Uber, der seit 2014 in Basel präsent ist und seit einem Monat mit Uber-X auch Fahrten mit lizenzierten Chauffeuren anbietet, erwartet einen Ansturm am frühen Morgen des 1. Januars. Allerdings ist das neue Angebot ein Tropfen auf den heissen Stein – noch zumindest: Laut Rasoul Jalali, Chef von Uber Schweiz, stehen bis heute ein paar Dutzend Fahrer in Basel im Einsatz. Ob sie auch an Silvester unterwegs sind, ist offen: «Sie entscheiden selbst, ob sie zur Verfügung stehen. Wir können niemandem dreinreden.» Jalali ist aber überzeugt, dass «die Fahrer sich die gute Gelegenheit an Silvester nicht entgehen lassen werden».

Der Kampf um Basler Taxikunden ist aufgrund der grossen Nachfrage zumindest an Silvester sistiert: Schaufelberger wie Jalali sprechen von «sinnvollen Ergänzungen». Der Uber-Mann sagt: «Ich bin überzeugt, dass wir es gemeinsam schaffen, jeden Basler sicher nach Hause zu bringen.»

Nicht alle werden die Geduld aufbringen, die eine Heimfahrt per Taxi bedeutet. Und sich deshalb im schlimmsten Falle alkoholisiert ans Steuer setzen. Meinrad Stöcklin von der Polizei Basel-Landschaft sagt: «Blaufahrer gibt es leider immer wieder.» Gezeigt hat dies die Grosskontrolle Via der Polizei Basel-Stadt am 18. Dezember: Sie kontrollierte 1850 Fahrzeuge und untersagte elf Lenkern die Weiterfahrt, da diese unter Alkohol- oder unter Drogeneinfluss standen.

Dieter Huber, Geschäftsführer des Blauen Kreuzes beider Basel, sagt dazu: «Die Zahlen zeigen, dass Fahren in angetrunkenem Zustand immer noch bagatellisiert wird.» In gewissen Teilen der Bevölkerung sei nicht angekommen, dass, wer beschwipst fährt, sich selbst und seine Mitmenschen gefährde.

Die Aktion Nez Rouge wirkt den Blaufahrern seit 26 Jahren entgegen: Freiwillige chauffieren Personen, die nach einem alkoholgetränkten Abend nicht mehr fahrtüchtig sind, beinahe kostenlos im eigenen Auto nach Hause. Nez Rouge boomt in der Schweiz; in diesem Jahr stehen sechs Prozent Freiwillige mehr im Einsatz als im 2014 – insgesamt sind es 8000 Fahrer. In der Silvesternacht werden ein Drittel aller 12 000 Fahrten gemacht. Nez Rouge ist im ganzen Land jeweils im Dezember aktiv, ausser im Kanton Schaffhausen, dem Oberwallis – und den beiden Basel. Christel Sommer, Leiterin der Geschäftsstelle von Nez Rouge: «Seit 1999 finden wir hier keine Freiwilligen mehr.» Sie habe in diesem Jahr noch Hoffnung gehabt, denn drei Personen aus dem Raum Basel hätten sich für die Aktion interessiert und man habe sich zur Informationssitzung getroffen. Zur Vereinsgründung, die Voraussetzung ist, kam es dann aber doch nicht.

Eine Erklärung dafür, weshalb Nez Rouge in der Region keine Freiwilligen findet, hat Sommer keine. «Dass in der Stadt das Bedürfnis nach diesem Service klein ist, wäre eigentlich nachvollziehbar. Aber in Städten wie Genf oder Zürich mit dem noch dichteren ÖV-Netz ist Nez Rouge ja auch sehr gefragt.»

Polizeisprecher Stöcklin bedauert, dass es das Nez Rouge-Angebot in den beiden Basel nicht mehr gibt. Er appelliere deshalb «einmal mehr» an die Autofahrer, in der Silvesternacht entweder auf Alkohol zu verzichten oder Taxis und öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen. Er warnt: «Die Polizei wird in diesen Tagen auf den Strassen präsent sein, und es ist jederzeit mit entsprechenden Kontrollen zu rechnen.» Da kann es sein, dass man die Champagnerparty dann bitter bereut.

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