Ihr halbes Leben ist sie gerannt. Jetzt möchte sich Daniela Spillmann «einfach mal hinsetzen. Frei von Terminen sein. Und sehen, was kommt». Sie sitzt im navyfarbenen Anzug auf der Terrasse des Club de Bâle. Blickt auf den Rhein, der nie still steht, und ihre Augen glitzern, als sie sagt: «Ich freue mich auf diese ‹leere› Zeit, auch wenn ich keine Ahnung habe, ob ich damit umgehen kann.» Ende Jahr schliesst sie ihre Boutique Daniela Spillmann Moden am Rheinsprung für immer. «Dann gibt es eine grosse Party.» Interessenten für das Lokal gebe es genug; sie sei mit Leuten aus dem Mode-, Gastro- und medizinischen Bereich im Gespräch, sagt die gelernte Arztgehilfin, die sich das Modedesign selbst beigebracht hat. «Mit dem Entscheid lasse ich mir aber Zeit. Mir würde ein Café gefallen.»

25 Jahre lang hat Spillmann die Boutique betrieben, dafür gelebt. In gleicher Zeit vier Kinder grossgezogen, zweimal geheiratet, eine Plattform für Basler Designer ins Leben gerufen und vor zwei Jahren den Club de Bâle an der Stelle des Café Spillmann eröffnet. «Ich bin ein bisschen müde. Die Kinder sind erwachsen, der Club wird allmählich akzeptiert. Jetzt kommt so etwas wie Erschöpfung. Deshalb schliesse ich das Geschäft.» Dieses laufe zwar gut, wie sie sagt. Mit dem Entscheid trete sie vielmehr aus der Öffentlichkeit. Mit Mode bleibt sie ohnehin verbunden, ist sie doch Inhaberin der Boutique Baum an der Aeschenvorstadt. «Aber dort geht es nicht um meine Person, ich muss nicht ständig anwesend sein.» Bereits vor zwei Jahren hat Spillmann sich vorgenommen, mit 60 das Geschäft am Rheinsprung zu schliessen. Ihre Kinder, darunter der Fussballer Timm Klose, hätten ihr den Vogel gezeigt, als sie von ihren Plänen berichtete, und gesagt, «dass ich das gar nicht könne, innehalten».

Haus wird nicht verkauft
Die Boutique befindet sich an jenem Ort, wo bereits ihr Onkel, der legendäre Couturier Fred Spillmann, seine Mode verkauft hatte. «Freddi» hätte sicher Verständnis für den Entscheid gehabt: «Er war der Erste, der sagte, man solle Neues wagen.» Und es sei ja nicht so, dass damit auf ewig die Türen für ein neues Spillmann-Geschäft verschlossen seien. «Zurzeit will keines der Kinder den Laden übernehmen. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.» Das Spillmann-Haus, in dem sich auch der Club de Bâle befindet, ist im Besitz der Rheinsprung AG. Und diese wiederum gehört Spillmann und ihren zwei Schwestern. «Das bleibt auch so. Wir verkaufen nicht.»

Das Neue, das Spillmann wagt, ist gar nicht so neu. Dem Club de Bâle, der heute 140 Mitglieder zählt, bleibe sie noch zehn Jahre als Gastgeberin und Vizepräsidentin des Verwaltungsrats erhalten, wie sie sagt. Kürzlich hat sie allerdings Sohn Timm ins Boot geholt. «Es ist gut, dass jemand Junges im Verwaltungsrat dabei ist. Wir starten jetzt einen kreativen Prozess.» Diskutiert werde zum Beispiel, den Club ein paar Mal im Jahr für alle zu öffnen, eine Art «Open Day», sagt Spillmann. «Das ist allerdings eine diffizile Angelegenheit, und es ist noch nicht beschlossen. Wir müssen zuerst Rücksprache mit den Mitgliedern nehmen, die viel Geld in die Hand genommen haben, damit sie eben ungestört sind.»

Spillmann sagt, jeder Entscheid sei mit Risiken verbunden. «Dann muss man auch den Grind hinhalten.» So, wie sie es bis anhin für den Club getan habe: «Das war manchmal schon zermürbend. Viele Leute haben mich enttäuscht.» Freunde, die versprochen hätten, sie stünden hinter dem Projekt, und danach nichts damit zu tun haben wollten. «Aber ich bin eine Powerfrau. Solche Erfahrungen machen mich stärker.»

So ruhig, wie sie es sich wünscht, wird es im Leben von Frau Spillmann also nicht. «Doch doch, die Arbeit für den Club füllt nicht den ganzen Tag aus.» Vielleicht wage sie mal eine Reise, obschon neue Orte nicht so ihr Ding seien. «Ich bin gerne in Basel. Hier sind meine Wurzeln.» Deshalb werde sie bestimmt bald mit neuen Ideen auftauchen. Und wieder rennen.

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