Am Mittwoch hätte Niggi Ullrich, Präsident der regionalen SRG-Trägerschaft, die Neuigkeit freudig verkünden wollen: den neuen Standort für ein gemeinsames Radio- und Fernsehstudio.

Das Traktandum stand bereits als Nummer drei im gedruckten Programm der Jahresversammlung, und doch musste Ullrich es kurzfristig wieder streichen: Wider Erwarten waren die Verträge nicht unterzeichnet. Niemand fragte nach, was man hätte sagen wollen, was nun doch nicht gesagt wurde.

Die Beantwortung wäre schwierig geworden. Denn eine Blösse will man sich bei SRF, dem Deutschschweizer Zweig des SRG-Medienkonzerns, kein zweites Mal geben. Im vergangenen Sommer musste SRF kleinlaut eingestehen, dass der angekündigte Umzug in das rote Postgebäude über den Gleisen des Basler Bahnhofs trotz ausgehandeltem Vorvertrag nicht zustande komme. Die SBB hatten sich umbesonnen, nachdem sie in Gesprächen mit der Basler Verwaltung das eigentliche Entwicklungspotenzial ihres Kolosses an zentraler Lage erkannt hatten. SRF wurde daraufhin als Mieter wieder ausgeladen.

Kommunikativ wird nun gemauert. SRF-Sprecher Jonathan Engmann erklärt auf Anfrage bloss: «Es gibt fortgeschrittene Optionen, zum jetzigen Zeitpunkt ist jedoch noch nichts spruchreif.» Dabei ist dem Vernehmen nach das Projekt unterschriftsreif. Zur Spruchreife fehle nur noch der Verwaltungsratsentscheid eines der Partner. Da nach den Worten von SRG-Verwaltungsratspräsident Raymond Loretan die SBB mit von der Partie seien, spricht viel für die geplante Erweiterung des Südparks im Gundeldingerquartier als neuer Studiostandort.

Das zwanzig Stockwerke hohe Gebäude, entworfen von Herzog & de Meuron und gebaut durch die SBB wird gemäss Planung Anfang 2019 bezugsbereit sein. Aufgrund seiner Form hiess der Turm anfänglich «Stapelvolumen», auf Immobilienplattformen wird er nun als «MOH – Meret Oppenheim Hochhaus» vermarktet. Angeboten werden 10 000 Quadratmeter Bürofläche und Wohnungen auf 12 000 Quadratmeter. Eine Bestätigung, mit SRF zu verhandeln, gibt es auch von den SBB nicht. Man kommuniziere nicht, mit wem gesprochen werde, sagt SBB-Sprecher Reto Schärli.

Eine grosse Bürofläche wird bereits bald auf der anderen Bahnhofsseite frei. Auf Anfrage bestätigt SBB Cargo, dass der Logistiker im Januar 2015 beim Elsässertor ausziehen werde und damit 12 000 Quadratmeter frei würden. Das verspiegelte Gebäude ist auf dem Immobilienmarkt nicht ausgeschrieben. Isik Serkan, Sprecher der Eigentümerschaft, erklärt jedoch, allein die Ankündigung, dass Bürofläche frei werde, habe ein «grosses Interesse» ausgelöst. Verlässliche Quellen sagen, dass SRF nicht zu den Interessierten gehöre, da das ebenfalls von Herzog & de Meuron gezeichnete Gebäude zu teuer sei.

Wenn in einem Monat der neue, definitive Studiostandort kommuniziert wird, endet ein dreizehnjähriger Suchprozess. Denn bereits 2001 hatte der damalige Radiodirektor Walter Rüegg angekündigt, einen Ersatz für das Radiostudio auf dem Bruderholz im Stadtzentrum zu suchen. Mit der Konvergenzstrategie der SRG, wonach Radio- und Fernsehen zusammengeführt werden und in diesem Prozess auch die TV-Kulturabteilung nach Basel verlagert wird, wuchs daraus ein Projekt mit Dringlichkeit. Schliesslich sollte in den neuen Studios die multimediale Strategie pionierhaft ausprobiert werden. Daraus wurde nichts. Keiner der geprüften Standorte mochte genügen; der Dreispitz, die Markthalle, das Elsässertor standen dabei ebenso zur Debatte wie der Bahnhof Süd, wo die Odyssee dennoch enden soll.

Ironischerweise hat das Scheitern des Projekts im Postgebäude nicht zu einer Blockade geführt. Vielmehr hätten sich verschiedene Anbieter gemeldet, sodass SRF sogar habe wählen können. Den Fehler, sich ganz auf einen Partner zu verlassen, wollte SRF nicht mehr machen. Deshalb, so heisst es, würden im Vertrauen auch noch Gespräche mit einem zweiten Anbieter geführt. Für den Fall, dass SRF auch im zweiten Anlauf auf der Ziellinie noch strauchelt.

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