In Schaffhausen führten Urs und Christel Raussmüller ab 1984 die Hallen für Neue Kunst. Dank grosszügigen Geldgebern und Unterstützung durch die Stadt bauten sie sich einen eigenen Kunstorbit. Wem die darin gezeigte Kunst gehörte, war vordergründig unwichtig und im Konkreten auch nicht immer ganz klar. Zehn Jahre dauerte ein gerichtlicher Streit, bevor vor zwei Jahren letztinstanzlich entschieden war, dass die Installation «Das Kapital» von Joseph Beuys nicht im Miteigentum Raussmüllers war. Die Hallen für Neue Kunst mussten schliessen, die Raussmüllers zogen samt ihrer eigenen Kunstsammlung nach Basel.

Das fensterlose Lagergebäude bei der Kehrichtverbrennung erwarb Raussmüller bereits 1998 von Roche. Nun ist darin, von der Öffentlichkeit abgeschottet, die Raussmüller Collection mit Werken von Robert Ryman, Robert Mangold, Bruce Nauman, Mario Merz oder Jannis Kounellis aufgebaut und gelagert. Nun soll eine massive Erweiterung erfolgen. Die Raussmüllers haben ein Baugesuch für einen voluminösen Neubau eingereicht. Das zweistöckige Industriegebäude mit einer schmucklosen, hellgrauen Trapezblech-Fassade wird nach den Plänen von Urs Raussmüller gebaut. Über dem Erdgeschoss mit einer Raumhöhe von immerhin 7,5 Metern steht eine zweite Halle mit Oberlicht in einer Höhe von 13 Metern. Auf einer Grundfläche von 25 mal 60 Metern soll an und mit den Kunstwerken gearbeitet werden. Auf Anfrage erklärt Christel Raussmüller: «In Gedanken an die Zukunft der oft komplexen Kunstwerke möchten wir unter geeigneten Umständen unter anderem deren Techniken und Konstruktionsweisen dokumentieren sowie für den zukünftigen Umgang mit den Werken präzise Beschreibungen und Recherchen durchführen.»

Die Region Basel wird damit um eine weitere Gattung reicher, wie die immer zahlreicher anfallende und kuratorisch anspruchsvolle, das heisst vergängliche, Kunst aufbewahrt und gesammelt werden kann. So gibt es neben den staatlichen Kunstmuseen und privaten Sammlungen wie der Fondation Beyeler und dem Tinguely-Museum das halböffentliche Schaulager der Emanuel Hoffmann-Stiftung. In privaten Gemäuern finden sich Privatsammlungen in Museumsqualität etwa bei Esther Grether. Der Nachlass des deutschen Künstlers Günter Förg findet sich in einem eigens dafür errichteten Kunstmausoleum. Und über einen der grössten Kunstschätze wacht Josy Kraft, der auf dem Dreispitz ein kommerzielles Kunstlager unterhält. Nun kommt von den Raussmüllers die Gattung der Werkstatt dazu.

Aus dem Kurzbeschrieb des knapp acht Millionen Franken teuren Projekts wird die Ambition ersichtlich: «Der Forschungs- und Erfahrungsort ist ausschliesslich kunstbezogen. Er hat internationale Reichweite.» Christel Raussmüller sagt: «Das Ganze ist unser privates Projekt, und unser Arbeitsort wird vorläufig nicht öffentlich zugänglich sein. Eine spätere Öffnung für kunstbezogene Veranstaltungen ist denkbar, steht derzeit jedoch nicht im Vordergrund.»

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