Paris hat diese Woche definitiv Schluss gemacht. Schluss mit Amour, mit den Liebesschlössern. Die Stadtverwaltung liess an den Brücken Schilder aufhängen, die das Anhängen der romantischen Bezeugungen unmissverständlich verbieten. «Erklärt Eure Liebe auf andere Art», «Unsere Brücken halten Eurer Liebe nicht stand», «Keine Vorhängeschlösser, Paris dankt Euch», so die Aufforderungen auf den Schildern. Nach der Sommerpause sollen dann ausnahmslos alle Schlösser, diese Symbole der unzertrennlichen Liebe, entfernt werden. Es sind mehrere Millionen.

Was die Brückengeländer in Paris sind, ist in Basel das Gittertor des Käppelijochs auf der Mittleren Brücke. War es früher Schauplatz der Vollstreckung von Todesurteilen, ist es heute eine beliebte Pilgerstätte für Verliebte, insbesondere für Touristen.

2007 wurde das erste Schloss ans eiserne Tor gehängt und war lange Zeit das einzige. Vor rund drei Jahren machte es aber bei vielen anderen Paaren «klick», sodass das denkmalgeschützte Käppelijoch im 2014 bereits weit über hundert Schlösser zierten. Doch das war erst der Anfang.

Der Platz ist knapp
Die Zahl der Schlösser am Basler Käppelijoch hat sich unterdessen vervielfacht. André Frauchiger, Sprecher des Basler Bau- und Verkehrsdepartements (BVD), schätzt, dass am Tor heute rund 2100 Liebesschlösser hängen. «Für neue besteht praktisch kein Platz mehr.»

Ein Schloss wiegt etwa 200 Gramm – damit bringen die Schlösser zusammen rund eine halbe Tonne auf die Waage. Frauchiger sagt, die Situation werde von der Denkmalpflege und dem BVD regelmässig begutachtet. «Probleme mit der Statik, wie es in Paris der Fall ist, gibt es am Käppelijoch derzeit keine.» Zudem habe das Gitter bis anhin keinen Schaden genommen.

Bis auf weiteres toleriert
Als der Liebesschlösser-Hype in Basel begann, liess das BVD noch verlauten, solange es sich um einzelne Schlösser handle, sehe man kein Problem. Nun, da längst nicht mehr nur ein paar wenige amouröse Bezeugungen das Käppelijoch zieren, könnte angenommen werden, dass sich das BVD ähnlich wie die Pariser überlegt, mit dem Bolzenschneider die Liebe am Käppelijoch zu entzweien. Frauchiger sagt jedoch dazu, dass beim BVD zur Zeit die Absicht bestehe, die Schlösser «bis auf weiteres» zu tolerieren. «Diese Haltung deckt sich mit derjenigen der Denkmalpflege.»

Wegen der Platznot würden Verliebte nun sowieso ausweichen, sagt Frauchiger weiter: «Vereinzelt wurden andernorts in der Stadt Schlösser angebracht.» Von einem neuen Hotspot zu reden, sei aber fehl am Platz. «Das sind lediglich einzelne ‹wilde› Schlösser, daraus lässt sich keine Tendenz ableiten», sagt Frauchiger. Wo sich diese Orte befinden, sagt er nicht. Von Gerüchten, dass bereits am Gittertor des Rathauses Liebesschlösser angebracht worden seien und von den Behörden sogleich wieder entfernt wurden, wisse er nichts, so Frauchiger.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper