Diese Woche erfolgte die Schlüsselübergabe. Bernhard Mendes Bürgi, der langjährige Direktor des Kunstmuseums Basel, reichte ihn weiter an Josef Helfenstein. Dieser startete seinen ersten Arbeitstag mit einer «Strategiesitzung», wie er in einem Vorweginterview der «Neuen Zürcher Zeitung» erzählte. Der Basler Öffentlichkeit wird er sich erst in zwei Wochen präsentieren.

Die grösste Herausforderung sei es, Kunstmuseum, Erweiterungsbau und Museum für Gegenwartskunst in die «richtige Balance» zu bringen, sagte Helfenstein. Zwischen den drei Häusern müsse der «Stoffwechsel fliessen, damit der gesamte Organismus funktioniert und lebt». Der Erweiterungsbau biete neue Möglichkeiten, nun gehe es darum, «dieses Potenzial zu definieren und umzusetzen».

Das Drei-Häuser-Museum braucht allerdings einen raschen Erfolg. Bei der Berechnung des aufgestockten Museumsbudgets floss auch die Erwartung ein, dass der Besucherstrom um 36 Prozent von durchschnittlich 220 000 auf 300 000 Personen erhöht werden kann.

Möchte die Zahl über Jahre als Durchschnitt erreicht werden, müsste sie im ersten Jahr weit darüber liegen. Schliesslich werden neue Museumsbauten quasi automatisch zu touristischen Pilgerstätten. Um mittelgrosse Beispiele zu nennen: In Metz besuchten 300 000 Besucher in den ersten drei Monaten das neue von Shigeru Ban gebaute «Centre Pompidou» (2010). Das Wissensmuseum «MuSe Museo delle Scienze» (2014) in Trento, gebaut von Renzo Piano, zählte im ersten Halbjahr 240 000 Besucher.

Ende statt Anfang einer Ära

Als Erfolg meldete nun diese Woche das Kunstmuseum Basel vier Monate nach Eröffnung den 100 000. Besucher für die Ausstellung «Sculpture on the Move», die im Erweiterungsbau stattfindet. Hochgerechnet kann damit die Zielgrösse von 300 000 knapp erreicht werden, sofern die anstehende Pollock-Show tatsächlich die anvisierten 100 000 Besucher anzieht.

Der Eröffnungsbonus, der am ersten Wochenende noch 20 000 Personen lockte, ist allerdings verspielt. Touristisch wird im SBB-Angebot in Basel noch das Beyeler- und das Tinguely-Museum, aber nicht das Kunstmuseum beworben. Als wärs ein Beleg dafür, dass mit «Sculpture on the Move» nicht ein neues Haus eröffnet, sondern der abgetretene Direktor gefeiert wird.