Hans Bschorr hat eine Vergangenheit als Journalist des Bayerischen Rundfunks. 1996 wurde er als Scientologe geoutet und verlor seine Stelle. Bschorr setzte sich nach England ab und irrlichtert seither sporadisch in Diensten von Scientology durch den deutsch- und englischsprachigen Raum. Teilweise wird er auch als Mitarbeiter des Scientology-«Geheimdienstes» OSA bezeichnet.

Die «Schweiz am Sonntag» berichtete vor Wochenfrist, wie Bschorr unter dem Deckmantel eines unabhängigen freien Journalisten Näheres über die Haltung der Redaktion zum Basler Scientologen-Zentrum erfahren wollte. Nun zeigen Recherchen, dass Bschorr sich im Verlauf des Jahres auch an Basler Politiker herangemacht hat, die sich mit dem Thema befasst haben.

So erzählt eine Grossrätin, wie sie bereits im Sommer einen Anruf Bschorrs erhalten habe, mit der Anfrage eines gemeinsamen Café-Treffs. Die Politikerin lehnte es ab, sich mit dem ihr unbekannten Journalisten zu treffen. Im Frühherbst meldete sich Bschorr erneut mit der Bitte um ein Treffen. Da Politiker Medienanfragen kaum widerstehen können, sagte sie nun beim zweiten Anlauf zu. Nach einer weiteren Terminverschiebung kam es dann Anfang November im Anschluss an eine Grossratssitzung zu einer Aussprache. Die Politikerin sagt, Bschorr habe in keiner Weise deklariert, dass er für Scientology arbeite. Er habe herausfinden wollen, was man in Basel gegen die Sekte plane und was an ihr genau störe. Dass es sich bei Bschorr um einen Scientology-Mitarbeiter handelt, hat die Politikerin erst vergangene Woche durch die «Schweiz am Sonntag» erfahren.

Bschorr nimmt auf Anfrage nicht Stellung. Auch Scientology-Sprecherin Annette Löffler will sich nicht äussern. Sie sei über Bschorrs Aktivitäten nicht informiert.

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