Die Basler Regierung befasste sich kurz vor Weihnachten erneut mit der Zwischennutzung auf dem Klybeck-Areal. Sie antwortete auf eine Petition und kommunizierte via Regierungsmitteilung, die Besetzer des Wagenplatzes im Hafen könnten unter Vorbehalt bleiben. In einem zweiten Traktandum beschloss sie eine Bürgschaft über 300 000 Franken für das Projekt Holzpark des Vereins Shiftmode. Doch diese sollte vertraulich bleiben.

Roland Frank, Leiter der Fachstelle Stadtteilentwicklung, bestätigt auf Anfrage eine «Bürgschaftsgarantie». Damit anerkenne der Kanton die Bedeutung der geplanten Zwischennutzung auf dem Areal des ehemaligen Migrol-Tanklagers. Die Finanzierungssorgen sind dadurch allerdings bei weitem nicht behoben. Von den benötigten rund 1,8 Millionen Franken sind nur gerade 700 000 Franken fest zugesichert. Die Bürgschaft dient als Sicherheit für weitere 300 000 Franken. Dies bedeutet, dass die zwei Banken, mit denen derzeit Verhandlungen geführt werden, einen Kredit über 1,1 Millionen Franken sprechen sollten, wobei rund 800 000 Franken praktisch ungesichert wären.

Die grösste Hürde in den Verhandlungen ist jedoch nicht der Betrag, sondern die schnelle Fälligkeit für die Rückzahlung. Denn die Zwischennutzung ist vertraglich auf Ende 2019 begrenzt, was eine Amortisation innerhalb von fünf Jahren erfordert. Frank ist sich des engen Zeitrahmens bewusst. Doch an dieser Vertragsbedingung lasse sich nichts ändern. Die politisch nicht unheikle und entsprechend nicht offen kommunizierte Bürgschaft war für die Regierung die weitestgehende Möglichkeit eines Entgegenkommens.

Fest zugesichert ist ein Betrag von 250 000 Franken durch den Kanton, der diesen als Infrastrukturleistung ausweist. Weitere 250 000 Franken hat die Kunstmesse Scope zugesagt, die während der Art Basel ihre Veranstaltung im geplanten Holzpark durchführen will. Scope-Gründer Alexis Hubshman hatte bei der Ankündigung des Projekts im vergangenen Sommer noch versprochen, internationale Investoren für die Kulturbauten am Rheinufer gewinnen zu können. Doch angesichts der Komplexität und der Kurzfristigkeit des Projekts haben sich seine in der «Schweiz am Sonntag» lancierten Finanzierungsideen in Luft aufgelöst.

Neu im Spiel ist dafür der Verein Trendsport. Dieser betreibt seit 2003 im alten Pumpwerk der IWB in den Langen Erlen eine Halle für Skater und Kletterer. 2006 scheiterte ein politischer Vorstoss, die Einrichtung auf Dauer dem Verein zur Verfügung stellen zu können. Nun haben die IWB Eigenbedarf angemeldet und der Verein ist zumindest offiziell ab kommendem Juni ohne Domizil. Informell baut der Verein jedoch fest auf eine Übergangszeit im Holzpark, wie die Geschäftsführerin Karin Bleile bestätigt.

Die Finanzierung wäre gesichert: Die Christoph-Merian-Stiftung (CMS) hat am 12. Dezember ihre langjährige Unterstützung von 50 000 Franken pro Jahr auf 320 000 Franken für die Jahre 2015 und 2016 aufgestockt. Die Rechnung dahinter: Mit zweimal 60 000 Franken soll der Betrieb finanziert werden, mit 200 000 Franken einer der Pavillons im Holzpark gebaut beziehungsweise gemietet werden.

Bleile ist bedingt optimistisch, da die Lösung bedingt, dass das Gesamtprojekt zustande kommt. Wenn nicht, hat nicht nur der Verein Trendsport ein grösseres Problem, sondern auch wiederum der Kanton: Dieser plant nämlich auf der Erlenmatt im Rahmen des Projekts «Stadtterminal» eine Trendsporthalle mit einer Fläche von 1100 m². Diese soll ab 2018 für den Verein zur definitiven Spielstätte werden. Der entsprechende Ratschlag kommt im Januar in den Grossen Rat. Trotz eines Investitionsvolumens von zwanzig Millionen Franken und wiederkehrenden Kosten von knapp 600 000 Franken ist der Stadtterminal politisch unbestritten. Die vorberatende Verkehr- und Umweltkommission war gemäss Kommissionspräsident Michael Wüthrich (Grünes Bündnis) derart angetan vom Projekt, dass sie auf einen eigenen Kommissionsbericht verzichtet.

Doch: Wenn der Verein Trendsport bis zur Eröffnung des Stadtterminals keine Zwischenlösung im Holzpark findet, dann kann die erfolgreich geleistete Aufbauarbeit für ein Skater-Mekka Basel wieder bei null beginnen.

Lange wird die Unsicherheit nicht andauern. Spätestens Mitte Januar müsse Klarheit herrschen, sagt Shiftmode-Sprecherin Katja Reichstein. Entweder kommt es zum Holzpark oder zu einer weitaus bescheideneren Zwischennutzung – mit jährlich neu aufgebautem Riesenzelt für die Scope. Dann wäre das gross gedachte Projekt für das Migrol-Areal auf dem reduzierten Stand, auf dem die Zwischennutzer auf dem nördlich gelegenen Esso-Areal schon sind. Dort läuft die Vereinbarung mit dem Verein I-Land dieses Jahr aus und wird gemäss Roland Frank neu verhandelt. Die Laufzeit: Bis Ende 2019.

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