Klaus Kirchmayr, Baselbieter Fusionsturbo und Landrat der Grünen, bleibt kämpferisch bis zum Schluss. Es werde bei der Abstimmung vom kommenden Wochenende sehr knapp, doch: «Wir gehen davon aus, dass das Pendel in beiden Kantonen zu einem Ja für die Prüfung der Fusion ausschlägt.» Selbst diesem Optimismus sind jedoch Grenzen gesetzt; ein allfälliges Fest werde nicht vorbereitet. Dafür sind die Befürworter zu realistisch.

Die mutmasslichen Sieger planen allerdings auch keine Feier. Oskar Kämpfer, Co-Präsident des Nein-Komitees und Parteipräsident der SVP Baselland, sagt: «Wir setzen bewusst keine Festivitäten an.» Er sehe in einem Nein den Auftrag, «unseren Kanton aus eigener Kraft, eigenverantwortlich in eine prosperierende Zukunft zu bringen». Siegesaktivitäten würden diesen Zielen nicht dienlich sein, sagt Kämpfer staatsmännisch.

«Vertiefte Partnerschaft» ist das Zauberwort, dem sich schon die Baselbieter Regierung in ihrer Nein-Empfehlung zur Fusionsvorlage verschrieben hat. Dafür stehen offiziell auch die Fusionsgegner. Eine solche Partnerschaft soll sich jedoch aber nicht mehr einzig auf Basel-Stadt ausrichten. Kämpfer sagt, man unterstütze deshalb die «Regio-Kooperationsinitiative», die im Landkanton bald zur Abstimmung gelangt. Die von Alt-Nationalrat Hans Rudolf Gysin (FDP) portierte Ergänzung der Verfassung verlangt Partnerschaften mit allen in- und ausländischen Kantonen und Regionen und war schon in ihrer Entstehung als Torpedo gegen die Fusions-Initiative gedacht. Die Baselbieter Regierung hält es zwar für einen «Trugschluss» zu glauben, man könne mit anderen Gebietskörperschaften eine ähnlich intensive Partnerschaft aufbauen wie mit Basel-Stadt. Gegen die Gysin-Initiative stemmen mochte sie sich dennoch nicht.

Dass auf eine gescheiterte Fusionsdebatte eine Partnerschaftsdebatte folgt, steht in einer historischen Tradition. Als die letzte grosse Auseinandersetzung nach 37-jähriger Vorgeschichte am 7. Dezember 1969 an der Urne endete, vergingen gerade vier Tage, bis der Vorschlag eines «Partnerschaftsartikels» auf dem Tisch lag. In der Abstimmung hatten die Baselbieter eine ausgearbeitete Verfassung für einen Kanton mit 59 Prozent der Stimmen abgelehnt, 66 Prozent der Basler Stimmbevölkerung waren dafür. Es dauerte jedoch fünf Jahre, bis die Partnerschaftsartikel in den Verfassungen ihren Niederschlag fanden. Auch nach den Reformen von 1984 (Baselland) und 2005 (Basel-Stadt) finden sie sich dort noch heute.

Politologen bezweifeln indes, dass die neue Fusionsabstimmung die Partnerschaft voranbringen wird. Der Baselbieter Christian Bolliger vom Politberatungsbüro Vatter sagt: «Je mehr die Resultate zwischen Stadt und Land auseinanderklaffen, desto schwieriger wird es.» Denn ein Nein zur Fusion werde gerne als generelles Nein verstanden. Er erinnert an den europapolitischen Diskurs, in dem jeder Schritt der Annäherung an Europa als schleichenden Beitritt bekämpft werde. Claude Longchamp vom Berner Forschungsinstitut GfS erwartet vor allem im Landkanton eine «erhebliche Blockade», wenn sich der untere Kantonsteil für und die oberen Teile gegen eine Fusion aussprechen sollten. Dies «wird die Handlungsfähigkeit des Kantons erschweren», sagt Longchamp.

Die Politbeobachter hinterfragen auch die Strategie der Fusionsbefürworter. Das Projekt hätte nur gelingen können, wenn ein klarer Vorteil einer Fusion hätte aufgezeigt werden können. «Zündende Ideen hat es aber nicht gegeben», sagt Longchamp. Und Bolliger meint, eine radikalere Initiative hätte wohl mehr Chancen gehabt. Indem man eine Fusion nur prüfen wolle, sei die Emotion draussen gewesen; es sei keine Pro-Fusions-Bewegung entstanden.

Was es nun brauche, seien konkrete Geschäfte zur Partnerschaft, meint Longchamp. Mit dem Projektierungskredit für das S-Bahn-Herzstück lag diese Woche bereits ein erstes vor. Beide Kantonsparlamente stimmten zu; Basel-Stadt übernimmt ein Grossteil der Kosten, den eigentlichen Bau finanziert der Bund. Oder anders gesagt: Die Stadt geht voran – und das Land geht mit, wenn es den Kanton wenig kostet.

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