Der «Vogel Gryff» und die «Lai da Tuma» haben bald ausgedient. Mit dem «Wild Maa» haben die Schweizerischen Rheinhäfen ein stärkeres Schlepp- und Schubboot bauen lassen. Den alten Kähnen droht die Verschrottung, wenn das neue Schiff in Betrieb geht. Für Adrian Ludwig ein unvorstellbarer Akt. Der Schiffsführer und langjährige Lotse zwischen Basel und Rheinfelden möchte die Schiffe erhalten. Seit zwei Jahren wälzt er die Idee eines Schiffsmuseums. Im vergangenen Monat hat er dazu die Schiffsmuseum GmbH gegründet.

Ludwig, ein gebürtiger Fribourger, wusste schon als Kind, dass er Flussschiffer werden will. Von der Schnupperlehre mit 14 kehrte er nicht mehr ins Elternhaus zurück. Er wollte auf den Schiffen bleiben. Sein Bruder folgte ihm und betreibt mittlerweile von Kaiseraugst aus die «MS Froschkönig». Ludwig ist es sich zwar gewohnt, mit dem Joystick zwischen den Fingern ein Schiff elektronikgestützt in der Fahrtrinne zu halten. Doch er hängt an der alten Schifferkunst, die er mit dem Schiffsmuseum konkret zeigen will. Ein «Ballenberg»-Konzept schwebt ihm vor; etwa wie ein Schlepper in einem sogenannten Aufpackmanöver einen Frachter kunstvoll an die Leine nimmt. Wie ein Schiff gestossen und gezogen oder beladen und entladen oder wie es gewartet wird.

An Hafenfesten und Schiffsparaden in ganz Europa sollen die Handwerkskünste vorgeführt werden. Hunderttausende von Menschen, die sich zu solchen Anlässen einfinden, sollen sich daran erfreuen. Und wenn so viele Kontakte zustande kommen, so denkt Ludwig, sollte sich das Unterfangen auch rechnen. Für die Finanzierung des Betriebs hat Ludwig Ideen geprüft. Werbebanner an der Reling sollten Geld einbringen, für Gesellschaften seien Charterfahrten mit Gastronomie möglich. Während der Baselworld könnte das Schiff ein spezieller Eventort sein, während der Art eine Ausstellung auf einem Museumsschiff stattfinden. Dabei denkt Ludwig allerdings nicht an einen der Schlepper, sondern eher an den Frachter «Piz la Margna». Dieser gehörte einst der Basler Rheinschifffahrts AG (BRAG), war zuletzt im Besitz zweier konkursiter Belgier. Nun verrottet er, von Banken blockiert, seit 15 Jahren an einem Pier in Holland. Auch dieses Schiff möchte Ludwig in seine Flotte nehmen.

Der Ankauf der Schiffe ist finanziell überschaubar, da sie kaum teurer sind als der Schrottwert. Und dieser sei einfach zu berechnen: Länge mal Breite mal Tiefe eines Schiffs und davon ein Drittel abgezogen ergibt das ungefähre Gewicht in Tonnen. Und inklusive des Zubehörs, das sich auf einem Schiff findet, zahle der Schrotthändler pro Tonne rund hundert Euro.

Zwei Millionen Euro gesucht
Teuer werden die Instandsetzungen und die Vorlaufkosten. Rund zwei Millionen Euro müsste Ludwig zur Verfügung haben, um zu starten. Eigenes Geld hat er nicht. Er sei der Nautiker, vom Geschäft will er denn auch die Finger lassen, wenn das Projekt in Fahrt kommt. Dass es sonst vielleicht nicht gut kommt, hat ihn die Erfahrung gelehrt. «Das Geld für den Start müsste aber aufzutreiben sein», sagt Ludwig. Einerseits durch Stiftungen oder den Swisslos-Fonds, andererseits durch die zahlreichen Schiffsliebhaber, die es gibt. Schliesslich seien die Schiffe ein wesentliches Kulturgut, deren Geschichten kaum bekannt seien.
Ludwig gerät ins Erzählen. Der Schlepper «Vogel Gryff», sagt er, sei beispielsweise 1958 mitten in Basel von der Stahlbaufirma Lais gebaut und im Auhafen zusammengeschweisst worden. Der «Gryff» (mit zwei ff) habe als Schleppschiff den 1926 gebauten «Vogel Gryf» (mit einem f) abgelöst. Dieser war gleichzeitig ein Personentransporter. Er wäre verschrottet worden, hätte ihn nicht Ludwigs Bruder übernommen und ihm als «MS Froschkönig» ein zweites Schiffsleben gegeben.

Für die Zukunft hat Ludwig noch viele Ideen, welche Schiffe seine Museumsflotte ideal ergänzen können. Doch in der Gegenwart drängt die Zeit. Den Kauf der Basler Schlepper muss er schon bald finanzieren können, sonst führt die letzte Fahrt des «Vogel Gryff» oder der «Lai da Tuma» vielleicht bald zum Schrotthändler.

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