Die Mitteilung ging etwas unter: Eine hochkarätige chinesische Investorengruppe will in der Region ein Forschungszentrum für pharmazeutische Produkte errichten. Eine Absichtserklärung sei kürzlich vom Liestaler Stadtpräsidenten Lukas Ott und dem Delegationsleiter Hong Hu unterzeichnet worden. Dies berichtete die «Oberbaselbieter Zeitung» und wird von Ott bestätigt.

Der Grüne gerät ins Schwärmen und ins Dozieren. Neben der institutionellen Wirtschaftsförderung, wie sie etwa BaselArea betreibe, seien eben auch direkte Kontakte und Netzwerke wichtig. Und solche spielten im konkreten Fall. Der Liestaler Unternehmer Roman Vettiger, Betreiber einer Bodenbelagsfirma und einer Kindertagesklinik, kennt aufgrund einer Oldtimer-Reise durch China den in Hamburg tätigen chinesischen Reiseanbieter Guosheng Liu. Dieser wiederum hat Bekannte in der alten Heimat, die Investitionsmöglichkeiten in Europa sondieren. Und da Liu, wie er erzählt, gerne auch etwas für seinen Freund Vettiger machen wolle, habe er seinen Landsleuten Liestal als Standort empfohlen.

Ott liefert den nötigen Werbespot: Liestal sei Teil des Lifescience-Cluster Basel und deshalb für die Chinesen interessant. Konkretes könne er zu den Plänen nicht sagen, da erst die nächste Delegation in einigen Monaten sich tatsächlich nach Land umsehen wolle. Liu wird ein bisschen genauer: Bei den Investoren handle es sich um die China Overseas Infrastructure Development Company Limited, die – wie der Name besagt – keine Forschung betreibt, sondern lediglich Infrastruktur bereitstellt, in der sich andere Firmen einmieten können. Unterschrieben hat Hu Hong im Namen einer Innsbrucker Tochterfirma Audler Ges.m.b.H, die allerdings so neu ist, dass sie im österreichischen Handelsregister noch nicht aufgeführt ist. Ob der Absichten in Liestal auch eine Realisierung folgen wird, steht in den Sternen.

Vom Kanton im Stich gelassen
Für Absichtserklärungen ist Lukas Ott ausgewiesener Experte. Als sei das Projekt bereits in trockenen Tüchern, promotete er vor sechs Jahren ein universitäres «Afrikazentrum» mit fünfzig Forschungsplätzen. Die «Basler Zeitung» schrieb: «Stadtrat Ott schwebt beim Bahnhof bereits eine ‹Bildungsmeile› in Kombination mit Kantonsbibliothek und Staatsarchiv vor.» Die Pläne der Universität Basel waren nie spruchreif und verschwanden bald in einer tiefen Schublade.

Eine eigentliche Neuauflage war sein via «Basellandschaftliche Zeitung» vorgetragener Vorstoss, die juristische und wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Universität Basel nach Liestal zu zügeln. Eine Machbarkeitsstudie führte Ott ins Feld, als ob damit nicht nur der universitäre Auszug aufs Land beschlossen, sondern auch der Standortentscheid Liestal gefällt wäre. Mittlerweile ist das Thema an den weiteren Horizont gerückt und der vermutlich neue Basler Bildungsdirektor Conradin Cramer hat schon verlauten lassen, wie wenig er von einem solchen Liestaler Campus hält.

Im Stich gelassen sehen muss sich Ott auch durch die Baselbieter Regierung. Diese hat nicht nur die Pläne für eine zentralisierte Verwaltung beim Bahnhof gekippt, sondern zögert auch bei der Entwicklung der kantonseigenen Landparzellen. Der Quantensprung als Verwaltungsmetropole ist dem Liestaler Stadtpräsidenten allerdings bereits zuvor mit dem Kantons-Nein zur Fusion mit Basel-Stadt versagt geblieben. Ott hatte seine parteipolitisch naheliegende Begeisterung für eine Kantonsfusion mit dem Eigennutz kombiniert und Liestal als Standort einer fusionierten Kantonsverwaltung portiert. Er feierte bereits als Erfolg, dass sich einige wenige Stadtbasler Stimmen fanden, die das Bestreben nicht von vornherein als abwegig bezeichneten.

Die real existierenden Baukräne
Die Liste nicht realisierter Projekte, weisen Ott zwar als Ankündigungsminister aus, was seine Verdienste und sein Ansehen allerdings nicht schmälern. In den Wahlen ist Ott unbestrittener Spitzenreiter, die Bestätigung als Stadtpräsident erfolgte ohne Gegenkandidat. Selbst die politische Opposition attestiert, er habe das Städtchen erfolgreich aus dem Tiefschlaf gerüttelt. Eine Vision «Liestal Stedtli 2020» malt nicht nur eine rosa Zukunft, die real existierenden Baukräne zeigen auch, dass fleissig gebaut wird. Firmen siedeln sich neu an und Wohnraum für ein Fünftel mehr Liestaler wird in den nächsten fünf Jahren geschaffen. Die aktuelle Ausgabe von «Lima», dem Magazin für Liestal, beschreibt mehrseitig wie «die Kurve für den Standort Liestal steil aufwärts» verläuft. Sollte die Zeitschrift ins Chinesische übersetzt werden, gibt es wohl auch bei den Chinesen kein Halten mehr.

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