Seinen journalistischen Höhepunkt erlebte Christian Heeb im November 2010. Vor allen Weltmedien konnte er auf seinem Sender «Radio Basel» aus den berühmten Wikileaks zitieren, den geheimen Depeschen des amerikanischen Aussenministeriums. Medien aus vielen Herren Länder baten ihn daraufhin um ein Interview.

Der Zufall wars allerdings, der ihm in die Hände gespielt hatte. Seine Kioskfrau in Lörrach hatte ihm einen Tag zu früh den «Spiegel» verkauft, der sich die deutschsprachigen Exklusivrechte für die Enthüllungsgeschichte gesichert hatte. Auf Knien musste das Nachrichtenmagazin Heeb bitten, die Datenpanne nicht weiter auszuschlachten. Heeb willigte ein, er hatte seine Genugtuung.

Schliesslich war es fünfundzwanzig Jahre zuvor der gleiche «Spiegel» gewesen, der ihn durch den Kakao gezogen hatte. Süffisant hatte die Zeitschrift beschrieben, wie Heeb bei «Radio Basilisk» von einer Atombombe schwadroniert, die in Beirut eingeschlagen habe, um die Seichtigkeit und Fehlerhaftigkeit des damals neuen Mediums Lokalradio zu illustrieren.

Heeb balancierte stets auf dem schmalen Grat zwischen Schlaumeierei und Vollmundigkeit. Für die Gründung von «Radio Basilisk» stand er zur richtigen Zeit am richtigen Ort und hatte den richtigen Partner. Heeb war die Stimme, der bekannte Kopf des Lokalsenders – und ist es eigentlich noch heute, obwohl er längst nichts mehr mit dem Sender zu tun hat. Seine Offenheit machte ihn zum begnadeten Schweizer Kopisten internationaler Trends, wenn auch jeweils einen knappen Schritt hinter seinem Zürcher Rivalen Roger Schawinski.

Wie Schawinski verkaufte Heeb sein Radio für teures Geld dem Zürcher Tamedia-Konzern – und rennt seither der Wiederholung seines frühen Meisterwerks nach.

Zwei Jahre nach dem Verkauf bestieg Heeb die Brücke der Lokalfernsehstation «Nordwest 1». Alle Warnungen schlug er in den Wind, dass sich dieses Projekt nicht rechnen werde. Mit einer Vorwärtsstrategie suchte er das Heil und stürzte ins Unheil. Der Schaden zwei weitere Jahre später betrug fünf Millionen Franken, die jedoch nicht er beglich, sondern der Hauptaktionär EBM.

Ein Radio für Erwachsene sollte es als Nächstes werden. Vergeblich bemühte er sich um eine Konzession, bis ihm 2010 die Umstände plötzlich die Gelegenheit vor die Füsse fallen liessen, das ehemalige Radio Raurach/Edelweiss/Basel 1 zu übernehmen und als Radio Basel neu zu starten. Die Ausgaben hatte er im Griff, doch die Einnahmen, wie er sie sich vorstellte, waren reine Wunschvorstellung. Es kam, wie es kommen musste. Sein Partner und Financier Karlheinz Kögel zog zwei Jahre später die Reissleine, zeigte Heeb die Tür zum Hinterausgang und hielt sich schadlos, indem er den Sender dem Ringier-Konzern verscherbelte.

Heebs fester Wille war, dass er mit einem neuen Projekt wiederkehren wollte. Was es sein soll, war sein grosses Geheimnis. Nun sagt er, er habe seit zwei Jahren an der Konzeption für das am Freitag gestartete Service- und Newsportal «barfi.ch» gearbeitet. Wie stets haben ihn alte Freunde begleitet, der Ringier-Mann Fibo Deutsch (75) und der Wettermann Jörg Kachelmann (57). Ein eigentliches Studium habe er gemacht, sagt Heeb, und mit dem Medienwissenschafter Klaus Neumann-Braun (63) gleich einen neuen Freund gewonnen.

Wer Heeb zuhört, wie er aus- und abschweifend sein neues Medium vorstellt, kann den Eindruck gewinnen, das Making-of sei wichtig, der persönliche Erkenntnisgewinn seines Erfinders und nicht, was das Medium zu leisten im Stande ist. Mit grosser Selbstverständlichkeit geht er über Fragen hinweg, wie er im Alleingang die finanziellen Mittel aufbringen will; ein Geldgeber wie bei seinen Vorgängerprojekten fehlt ihm. Oder wie seine schmalbrüstige Redaktion seinen rhetorisch besungenen hohen qualitativen wie quantitativen Ansprüchen genügen will. Fragen nach den Einnahmen, die es brauchen wird, um zu überleben, scheinen kleingeistig auf seiner Mission, Basel in die mediale Zukunft zu führen. Freunde und Bekannte sollen es zunächst richten. Solche, die aus Goodwill und dem Glauben an seine Mission für 138 000 Franken pro Jahr eine der prominenten Werbeplatzierungen auf der App kaufen.

Heeb träumt von Grösserem. Noch vor dem Start hätten sich aus anderen Städten Interessenten gemeldet, die das barfi-Modell übernehmen wollten. Schon am ersten Tag seien die Büroräumlichkeiten zu klein geworden. Eine grosse Sache sei es, die sich entwickle. Vielleicht kommt dann auch der «Spiegel» und berichtet, was aus dem vollmundigen Lokalradio-Macher geworden ist.

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