Der Basler Filmemacher Edgar Hagen («Die Reise zum sichersten Ort der Erde») hat sich in seinem neusten Film einer persönlichen Angelegenheit angenommen: «Die Übernahme» zeigt in einem Zeitraffer, wie Christoph Blocher Einfluss auf die «Basler Zeitung» (BaZ) genommen hat, und soll analysieren, wie die Zeitung heute Einfluss auf die Politik und Gesellschaft nimmt. «Mich beschäftigt dieses Thema als Basler», sagt Hagen und fügt an, es sei seine Aufgabe, als Kulturschaffender Stellung zu beziehen. Am 17. Januar wird der Film erstmals im Kultkino Atelier aufgeführt.

Die Idee dazu hatte Hagen zusammen mit der BaZ-kritischen Aktion Rettet Basel. Gemeinsam organisierten sie im vergangenen Juni eine Veranstaltung im Theater Basel, die das Filmmaterial lieferte. In einer Art Studio wurde die Bevölkerung ermuntert, ein Statement zur BaZ abzugeben. Rund dreissig Personen folgten diesem Aufruf. Daneben organisierte Rettet Basel ein Podium, auf dem sich im Halbstundentakt Persönlichkeiten wie Beat Jans (SP-Nationalrat), Andrea Maihofer (Leitung Zentrum Gender Studies Uni Basel) oder Mario Gmür (Zürcher Psychiater) zu ausgewählten und vorgelesenen BaZ-Artikeln äusserten. Die daraus resultierenden 15 Stunden Videomaterial schnitt Hagen in Zusammenarbeit mit Rettet Basel zu einer 41-minütigen Dokumentation zusammen.

Der Low-Budget-Film (rund 20 000 Franken) finanziert sich gemäss Guy Krneta, Mitinitiant von Rettet Basel, zur Hälfte mit Spenden. Dazu kommt ein Beitrag des Künstlerkollektivs «Kunst+Politik», dem auch Krneta angehört.

Regisseur Hagen wehrt sich gegen den Verdacht, einen Propagandafilm produziert zu haben: «Es ist eine scharfe Analyse der aktuellen Situation.» Natürlich beziehe man klar Stellung, aber das sei kein Problem, solange man dies transparent mache, sagt Hagen. Ausserdem komme die BaZ zu Wort, indem man eine ausführliche Textanalyse von Artikeln gemacht habe. Für Krneta geht es darum, die Diskussion über die BaZ und deren Einfluss weiterzuführen. So sind im Anschluss an die Filmvorführungen Podiumsdiskussionen geplant. Man sei bemüht, kontroverse Gäste einzuladen, sagt Krneta. Auch BaZ-Chefredaktor Markus Somm sei angefragt worden, doch er habe abgesagt. Den Film «Die Übernahme» bezeichnet Krneta als «Lehrbeispiel, das man auch an Schulen diskutieren könnte». Er helfe zu verstehen, wie die BaZ Kampagnen betreibe, die gefährlich für die Demokratie seien. Als aktuelles Beispiel nennt Krneta die Berichterstattung über Schulden der linksgrünen Grossrätin Sibel Arslan.

Die Diskussion will Krneta über Basel hinaus führen. Deshalb seien Filmvorführungen in Zürich, Bern, St. Gallen und Luzern vorgesehen. Die letzten beiden Städte sieht Krneta «in Gefahr, weil Monopolzeitungen der NZZ sie dominieren und diese auf eine Blocher-Übernahme anfällig sind». Die Übernahme der BaZ werde noch stark als Basler Geschichte wahrgenommen, sagt Krneta. Aber wegen des aktuellen Seilziehens um die NZZ gewinne das Thema in der ganzen Deutschschweiz an Bedeutung.

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