Die TE-Connectivity Ltd. hatte den Termin gesetzt. Am 20. April publizierte der amerikanische Technologiekonzern mit formellem Sitz in Schaffhausen und Börsenkotierung in New York seine bescheidenen Quartalszahlen. Der Umsatz mit knapp drei Milliarden Dollar ist um vier Prozent rückläufig, der Gewinn sank von 600 auf 380 Millionen Dollar. Aber es gab auch eine kleine Frohbotschaft: TE- Connectivity übernimmt die Jaquet Technology.

Marc Jaquet, Inhaber in fünfter Generation der hoch spezialisierten Basler Technologiebude, hat gleichentags die «Basler Zeitung» des befreundeten Verlegers Markus Somm gewählt, um die Übernahme ins rechte Licht zu rücken. Im Interview schwärmt er von der «unternehmerischen Logik» des Deals für seine gesunde und profitable Firma, die nun in einem grösseren Verbund weiter wachsen könne. Der Weltkonzern werde Management wie Belegschaft übernehmen und die TE-Connectivity, die er aus zahlreichen Mitbewerbern ausgewählt habe, bekenne sich zum Standort Schweiz.

Verschachtelte Offshore-Firma
Der Schweizer Bezug der neuen Besitzer ist allerdings ein relativer. Jaquet Technology wird juristisch zwar von der schweizerischen TE-Connectivity Solutions GmbH übernommen. Gemäss Handelsregister ist diese ein Tochterunternehmen der Schaffhauser Tyco Electronics (Schweiz) Holding II GmbH. Und diese wiederum eine Tochter der nun luxemburgischen Tyco Electronics Group S.A. Hier verliert sich die Spur bis zur eigentlichen Muttergesellschaft, der wiederum in der Schweiz domizilierten TE-Connectivity Ltd. Der verschachtelte Konzern, ein Split aus der Tyco-Gruppe, ist ein finanzoptimiertes Konstrukt mit zahlreichen Offshore-Gesellschaften, wie aus einem Dokument der US-Börsenaufsicht hervorgeht. Die Muttergesellschaft wurde 2009 als Tyco Electronics Ltd. von Bermuda in die Schweiz transferiert und 2011 in TE-Connectivity umbenannt. Beim Umzug nach Schaffhausen betrug das Aktienkapital ausserordentliche 1,2 Milliarden Franken. Steuersparend wird es portionenweise an die Aktionäre ausgeschüttet und beträgt heute noch 234 Millionen Franken.

Zum neuen Chef von Jaquet wird General Manager John Mitchell, der von Philadelphia aus die Sparte Sensor Solutions leitet. Mehr als ein Rädchen in einem grossen Getriebe wird die Basler Firma nicht sein. Marc Jaquet sagt jedoch, die Eigenständigkeit der Jaquet Technology bleibe gewahrt und die Marke erhalten. Zu erwarten ist allerdings, dass die Firma zumindest den Namen ändern wird. Einverleibt wurden jedenfalls zwei Schweizer Unternehmen, die in den vergangenen Jahren zur TE-Gruppe kamen. Im neuenburgischen Bevaix wurde die Intersema Sensoric in Meas Switzerland umbenannt und gehört seit Oktober 2014 zum TE-Konzern. Die Meas hatte kurz zuvor die norwegische Wema-Gruppe gekauft, womit auch die Zuger Wema Systems AG zur wachsenden TE-Connectivity-Familie gehört.

Dass nicht nur auf- sondern auch abgebaut wird, musste Wädenswil vor drei Jahren erfahren. Mit der Begründung, in der Schweiz seien die Produktionskosten zu hoch, strich TE-Connectivity 130 Stellen und verlagerte die Produktion nach Portugal.

Im Kampf gegen hohe Lohnkosten hatte sich auch Jaquet hervorgetan. Nach dem Frankenschock verordnete er den Grenzgängern unter seinen rund 140 Mitarbeitern in Basel die Auszahlung der Löhne in Euro und erhöhte die wöchentliche Arbeitszeit von 40 auf 42,5 Stunden. Die effektiven Einsparungen dürften gering gewesen sein, doch der ehemalige Oberstleutnant im Generalstab eines Panzerbataillons präsentiert sich gerne als durchsetzungskräftiger, wenn auch umgänglicher Macher.

Geringe Sentimentalität
Obwohl Firmenchef mit beeindruckendem Stammbaum, führte Jaquet seine Firma nicht im Stil eines Patrons, sondern eines Start-up-Unternehmers. Schliesslich hatte er sie nicht nur von null aufgebaut, sondern vielmehr als 26-Jähriger kurz vor der Pleite übernommen. Die Sentimentalität des Familienerbes hält sich entsprechend in Grenzen. Und wie es sich für Start-up-Unternehmer gehört, ist ein Exit im richtigen Moment die Krönung.

Mit dem Verkauf ist Jaquet allerdings auch ein Risiko eingegangen; seit 2004 ist er Präsident des Basler Arbeitgeberverbandes. Unia-Gewerkschafter Thomas Leuzinger meint: «Sollte TE-Connectivity in den nächsten Jahren statt dem von Jaquet angekündigten Wachstum einen Abbau bekanntgeben, wäre seine Glaubwürdigkeit arg infrage gestellt.» Die Vergangenheit zeige, dass TE Connectivity vor radikalen Schritten nicht zurückschrecke. Ein solches Szenario wäre mit dem Posten des Arbeitgeberpräsidenten nicht zu vereinbaren, meint Leuzinger. Auf dieses Amt möchte Jaquet allerdings nicht verzichten.

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