Franz Saladin, Direktor der Handelskammer beider Basel, hat eine klare Forderung: «Wir verlangen, dass das Rosental-Areal weiterhin als Wirtschaftsfläche genutzt werden kann.» Nach dem Kauf des Areals durch Basel-Stadt befürchtet er allerdings, dass es in den anstehenden Testplanungen anders kommen werde, sollte die Wirtschaftsnutzung nicht zwingend vorgeschrieben sein: Die Testplanung werde dann eine Wohn- oder Mischnutzung vorsehen; die Regierung werde entsprechend den kantonalen Richtplan anpassen und damit die Wirtschaft verdrängen.

Gabriel Barell, sein Kollege vom Gewerbeverband Basel-Stadt, hätte gegen diese Entwicklung nichts einzuwenden. Grundsätzlich, so Barell, sei das Rosentalareal gemäss Richtplan ein wirtschaftliches Schwerpunktgebiet «und das soll es auch bleiben». Doch: «Bei einer weiteren Verdichtung ist eine Ergänzung der Forschungs- und Dienstleistungsflächen durch Wohnnutzung denkbar.» Dadurch könnte innerhalb des bestehenden Wohnquartiers zusätzlicher Wohnraum geschaffen werden. Barell sieht diese Entwicklung durchaus im Interesse der Wirtschaft: «Das minimiert den Umnutzungsdruck auf bestehende Gewerbeflächen wie das Lysbüchel, das für eine Wohnnutzung denkbar ungeeignet ist.»

Die politische Forderung, auf dem Geviert zwischen Messe und Badischem Bahnhof Wohnungen zu schaffen, wurde bisher noch nicht erhoben – dafür aber schon geplant. 2005 entwickelte der Basler Architekt Heinrich Degelo für den Chemiekonzern Syngenta ein 200 Meter hohes Holzhaus als Hybrid für Gewerbe- wie für Wohnnutzung. Er bezeichnet die Trennung von Industrie- und Gewerbezonen als «alten Zopf». Es müsse wieder eine Durchmischung angestrebt werden. Sein Ansatz: Bis zu einer Höhe von vierzig Metern könnten Gewerbe und Büros untergebracht werden, darüber Wohnungen. Damit liesse sich eine städtische Verdichtung erreichen, meint Degelo. Das Projekt des grünen Turms bestand zwar eine Machbarkeitsprüfung und ist gemäss Degelo «bewilligungsfähig», doch ein Investor hatte sich nicht gefunden.

Zu resolut hatte die Basler Regierung in den vergangenen Jahren auch jede Begehrlichkeit für eine grössere Durchlässigkeit abgeblockt. Im Agglomerationsprogramm von 2012 ist die Rede von einer «schrittweisen Verdichtung» mit Hochhäusern von bis zu achtzig Metern. Im Gegenzug könne versucht werden, das 1960 dem damaligen Chemieunternehmen Geigy verkaufte Strassenkreuz auf dem Firmenareal öffentlich zu machen. Im 2014 vollendeten Entwicklungskonzept Badischer Bahnhof ist die Position unverändert festgehalten.

SP-Grossrätin Kerstin Wenk forderte bereits 2012, der Kanton solle die privatisierten Durchgangswege zurückkaufen und für den Fuss- und Veloverkehr zu öffnen. Mehr als eine blosse Absichtserklärung der Regierung erreichte Wenk nicht. Die Petition «Aufwertung Rosentalareal» versuchte erneut Druck zu machen. Sie verlangte die Öffnung mit dem Vermerk, dass damit ein sicherer Schulweg geschaffen werden könne, und zog auch eine Enteignung in Betracht. Erst im Februar, als die Immobilien Basel längst in den Kaufverhandlungen steckten, antwortete die Regierung unverbindlich. Grundsätzlich unterstütze sie das Anliegen, eine Enteignung komme jedoch nicht infrage.

Die Voraussetzungen haben sich nun gewandelt, das Rosentalareal gehört Basel-Stadt. Der Kauf zu einem noch unbekannten Preis ist besiegelt und soll bis im Herbst vollzogen sein. Saladin ist vom Deal nur beschränkt begeistert. Grundsätzlich solle sich der Staat auf die Schaffung vorteilhafter Rahmenbedingungen beschränken und die Entwicklung von Arealen Privaten überlassen. Er sagt: «Diese kennen die Bedürfnisse des Marktes besser.» Nach der Annahme der Bodeninitiative sei die Ausgangslage in Basel-Stadt allerdings «speziell». Da der Erwerb dem Kanton Handlungsspielraum gebe, könne man ihm auch «etwas Positives» abgewinnen. Da wusste er allerdings noch nicht, dass sich der Gewerbeverband auch eine teilweise Wohnnutzung vorstellen kann.

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