Eine weihnachtliche Aktion hatte sich die Fondation Beyeler ausgedacht. Auf rotem Panel zeigte das Riehener Museum über die vergangenen Festtage «Spirituelles von Paul Gaugin». Einen Monat wurde das Werk «Nativité» gezeigt, das der französische Künstler 1902 auf der südpazifischen Insel Hiva Oa malte.

1960 war das Bild letztmals zu sehen in einer Gauguin-Ausstellung im Münchner Haus der Kunst. Dann verschwand es im Fundus des Kunsthauses Wildenstein und aus dem Blick der Öffentlichkeit, bis es im Mai vergangenen Jahres bei Sotheby’s in New York versteigert wurde. Der Zuschlag für 5,8 Millionen Dollar lag nur knapp unter dem höchsten Schätzwert von 6 Millionen. In der Fondation Beyeler tauchte es nun wieder auf, und zwar als «private Leihgabe» einer Ananda Foundation N.V..

Eine juristische Person mit dieser Bezeichnung findet sich allerdings in keinem zugänglichen Firmenverzeichnis. Wohl gibt es etwa eine Ananda Foundation mit Geschäftssitz Hawaii oder eine Ananda Foundation Inc. im Bundesstaat New York oder eine Ananda Foundation in Liquidation, die zwischen 2011 und 2014 diskret im liechtensteinischen Ruggell von einem Treuhandbüro gehalten wurde. Der Nachtrag N.V. steht in der Regel für das niederländische «naamloze vennootschap», was bedeutet, dass die Ananda Foundation (Stiftung) eigentlich eine Aktiengesellschaft ist.

Die Fondation Beyeler mag keine Auskunft geben über die Eigentümerschaft des Bildes. Privatsammler und Stiftungen legten bei Werkleihgaben deren Bezeichnung für die Öffentlichkeit vertraglich fest. Dies sei keine Weigerung, doch «wir sind daran gebunden», sagt Sprecherin Elena Del Carlo.

Dabei drängen sich angesichts der Vorgeschichte des Bildes Fragen nach der Eigentümerschaft auf. Seit 1960 gehörte «Nativité» in den Fundus des französisch-amerikanischen Kunstgaleristen Daniel Wildenstein. Dieser lebte weitgehend in Frankreich und gab den dortigen Steuerbehörden an, lediglich über ein monatliches Einkommen von 780 Euro zu verfügen. Als der 84-jährige Wildenstein 2001 ins Koma fiel, verfrachteten seine Söhne gemäss «New York Times» Kunstwerke im Wert von etwa 250 Millionen Dollar über den Atlantik in die Schweiz. Weitere Vermögenswerte, von Kunst bis Ländereien, waren in Offshore-Gesellschaften in der Karibik und anderen Offshore-Zentren verborgen. Es würde nicht wundern, würden Hinweise auf steuersparende Firmenvehikel aus dem Wildenstein-Imperium auch in den «Panama Papers» gefunden. Jake Bernstein, Reporter des International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ), hat diese Woche aufgrund der «Panama Papers» in einem grossen Report nachgezeichnet, wie Meisterwerke der Kunst mit solchen Offshore-Konstrukten vor dem Fiskus versteckt werden. Die französischen Steuerbehörden jedenfalls haben die Wildenstein-Erben vor Gericht gezerrt und fordern Nach- und Strafsteuern in Höhe von 550 Millionen Euro.

Mit der Versteigerung der «Nativité» bei Sotheby’s im vergangenen Sommer wurde ein erster Schritt gemacht, die Provenienz-Geschichte des Bildes wieder aufzubessern. Mit der Präsentation in der international hoch angesehenen Fondation Beyeler wurde ein weiterer Schritt getan, um die Reputation des Werkes – und damit den Preis – zusätzlich zu erhöhen.

Dass die Ananda Foundation N.V. schon länger besteht und über Geldmittel verfügt, ergibt sich aus einem zweiten dokumentierten Lebenszeichen. So ist sie als Leihgeberin des Werkes «Three Studies for Self-Portrait» von Francis Bacon aufgetreten. Dieses wurde zuletzt 2005 bei Christie’s in New York für 28 Millionen Dollar versteigert. Während das Gauguin-Gemälde im vergangenen Dezember bei Beyeler hing, wurde der Bacon bei der New Yorker Galerie Gagosian gezeigt. Derzeit wird das Bild von der Richard Gray Gallery präsentiert. Wo die Ananda Foundation N.V. ihren Gauguin aufbewahrt, ist unbekannt.

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