Raphael Wyniger, seit sieben Jahren Patron des Hotels Teufelhof in Basel, könnte eigentlich zufrieden sein. Die 33 Zimmer des Gast- und Kulturhauses am Leonhardsgraben sind meist zu neunzig Prozent ausgelastet, der Umsatz stieg seit 2011 um ein Drittel an. Dennoch mag sich Wyniger, vor wenigen Tagen zum Hotelier des Jahres ausgezeichnet, nur verhalten freuen. Er sagt: «Das Hotel stösst an seine Kapazitätsgrenzen.» Und trotz des Erfolgs kämen Schwierigkeiten auf das Haus zu: Steigende Arbeits- und Beschaffungskosten sowie mittelfristig wohl steigende Hypozinsen würden sich in absehbarer auf den Umsatz auswirken. «Nur durch eine Vergrösserung hat das Haus eine Zukunft», so Wyniger.

Jetzt bietet sich ihm die Gelegenheit, zu expandieren: Gegenüber dem «Teufelhof», am Leonhardsgraben 46, befindet sich ein dreistöckiges Wohnhaus mit 31 Ein-Zimmer- und 7 Zwei-Zimmer-Wohnungen. Die Liegenschaft ist in die Jahre gekommen; die letzte grosse Sanierung geht auf das Jahr 1985 zurück. Als Wyniger erfuhr, dass die Hausbesitzerin, die Pensionskasse Coop, eine Totalsanierung plant, fragte er an, ob Interesse bestehe, mit ihm zusammenzuarbeiten: «Das Haus würde sich perfekt für einen Hotelbetrieb eignen. Da die Zimmer eher klein sind, müsste deren Struktur nur minim angepasst werden.» Die Pensionskasse und der Hotelier waren sich schnell einig: Die Kosten für die Erneuerung der Infrastruktur übernimmt die Eigentümerin, der «Teufelhof», der sich einmieten würde, kommt für die Ausgestaltung auf.

Geplant am neuen Ort sind 32 Zimmer, was einer Verdoppelung des jetzigen Angebots entspricht. Das Baubegehren und das Umnutzungsgesuch von Wohnraum in gewerbliche Nutzung wurden vor wenigen Tagen beim Bauinspektorat Basel-Stadt eingereicht. Wyniger geht davon aus, dass er in drei Monaten eine Antwort erhält. Wie viel der Umbau kostet, will er nicht sagen, «wir haben ja noch nicht einmal eine Bewilligung». Er habe aber die Zusage von seiner Hausbank eingeholt, dass diese die Finanzierung übernehme.

Für das Projekt mit dem Arbeitstitel «Hotel Engel Residence & Apartments» ist ein spezielles Konzept vorgesehen: Neben Hotelzimmern werden die Gäste in «Serviced Apartments» wohnen, Zimmern mit einer Kochnische. «Das stellt eine Art betreutes Wohnen auf längere Zeit dar,» sagt Wyniger. Der Gast bestimme, ob er ganz, teilweise oder überhaupt nicht die Dienstleistungen des «Teufelhofs» in Anspruch nehme. Im Erdgeschoss sind eine Lobby und Sitzungszimmer geplant, im Untergeschoss ein Fitnessraum. Die Erweiterung würde bis zu acht Arbeitsplätze schaffen. Heute arbeiten siebzig Angestellte im «Teufelhof».

Ein Novum sind «Serviced Apartments» in Basel nicht. Die Idee stammt aus Nordamerika, wo es solche Angebote seit den 1980er-Jahren gibt. In Basel sind es heute neben dem Portal AirBnB, auf dem Private ihre Wohnungen anbieten, verschiedene Hotels mit «Serviced Apartments», etwa das «Dorint» oder das «Basler Tor» in Muttenz. Der Basler Tourismusdirektor Daniel Egloff sagt dazu: «Gäste, die sich länger hier aufhalten, etwa während Messen, fragen zunehmend nach solchen Apartments. In Verbindung mit einem guten Hotelservice ist das Konzept sicherlich sehr erfolgsversprechend.»

Wyniger hat hauptsächlich eine Gruppe von Gästen im Visier: Angestellte von Pharmaunternehmen aus dem Ausland. Sie würden heute international rekrutiert und nach Basel gebracht, sagt er. «Dies teilweise projektbezogen für einige Monate oder permanent als fixe Mitarbeiter. Dabei brauchen sie eine Bleibe, die über ein Hotelzimmer hinausgeht.» Wyniger kann sich gut vorstellen, mit den grossen Basler Pharmafirmen Zimmerkontingente auszuhandeln.

Noch hängt der «Engel» aber in der Schwebe. Laut dem Wohnfördergesetz ist es in Basel nicht erlaubt, Wohnraum in gewerbliche Nutzung umzuwandeln. Mit einer Ausnahme: Eine Bewilligung kann erteilt werden, wenn «die Zweckänderung einem Bedürfnis an der Erweiterung eines im Kanton bestehenden Betriebs entspricht». Darauf stützt sich Wyniger in der Begründung für die Umnutzung, die er eingereicht hat.

Es ist dies nicht die einzige Hürde, die der «Engel» nehmen muss: Einsprachen sind in den kommenden drei Monaten möglich. Unabhängig vom «Engel»-Konzept wird den Mietern am Leonhardsgraben 46 wegen der anstehenden Gesamtsanierung gekündigt. Die Pensionskasse Coop betont in ihrem Umnutzungsgesuch an das Bauinspektorat, dass die Mieter bereits schriftlich informiert worden seien, und sie hätten die Zusicherung, dass man ihnen bei der Suche nach einer Ersatzwohnung behilflich sei. Wyniger sagt dazu: «Es ist mir wichtig, dass die Mieter genug Zeit dafür haben. Die Eröffnung des «Engels» wäre, sofern es zu keinen Einsprachen kommt und das Bauinspektorat grünes Licht gibt, wohl frühestens Anfang 2018.» Er gibt sich betont vorsichtig. Um sich zu freuen, ist es eindeutig noch zu früh.

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