Otto Stich (SP) bleibt in Dornach nicht als der Mann in Erinnerung, der 1983 als Sprengkandidat der Bürgerlichen Lilian Uchtenhagen den Einzug als erste Frau in den Bundesrat verwehrte. In Dornach erinnert man sich an den Pfeifenraucher, der auf der Sitzbank des Museumsplatzes auf den Bus wartete, um mit dem Zug nach Bern zu fahren. So sah sich Stich auch selber, der seine Memoiren mit «Ich blieb einfach einfach» überschrieb. In seiner Heimatgemeinde, in der er bis zu seinem Tod vor zwei Jahren lebte, hält die Bewunderung bis heute an. Der Dornacher Bauunternehmer Urs Kilcher (FDP) sagt: «Er war einer von uns, obwohl er ein Roter war.» Als Stich 1987 zum Bundespräsidenten gewählt wurde, verzichtete er auf hohe Gäste für das traditionelle Festessen. Er lud den gesamten Dornacher Gemeinderat und den Bürgerrat ein. Kilcher war damals Gemeinderat. Er erinnert sich: «Das war das Grösste, das ich je erlebt habe.»

In einer ähnlich sturen und eigensinnigen Art, wie sie Stich zu Lebzeiten pflegte, arbeitete Kilcher als Präsident der kommunalen Baukommission an Stichs Denkmal. Morgen Montag wird der Gemeinderat die neuen Pläne absegnen. Nach zwei Jahre langen Verhandlungen hat man sich auf ein Projekt geeinigt. Eine kleine Wiese hinter dem Museumsplatz wird zum Otto-Stich-Platz gepflästert. Auf einer Sitzbank werden eine bronzene Pfeife und ein Tabakbeutel installiert, als wäre Stich nur kurz aufgestanden und hätte seine Utensilien liegen gelassen.

Das Raucherdenkmal steht quer in der Präventionslandschaft. Diese Woche hat der Bundesrat die Vernehmlassung für das neue Tabakproduktegesetz lanciert, mit dem die Werbung weiter eingeschränkt werden soll. Kilcher kümmert sich nicht darum: «Wir erinnern uns an Stich, wie er war, und nicht, wie ihn die Schweiz vielleicht gern hätte.» Der Dornacher SP-Präsident Patrick Schenk (22) hat ebenfalls keine Bedenken: «Ich habe Otto Stich persönlich leider nicht gekannt, wurde aber vom Bild der liegen gelassenen Pfeife mehr berührt als etwa von einer lebensgrossen Statue oder einer Büste.»

Ganz andere Pläne entwarfen Landschaftsarchitekten in einem ersten Anlauf. Vorgesehen waren mehrere Kalksteinquader. Nur Eingeweihten erschloss sich der Sinn der Steine. Sie hätten Stich und das Volk symbolisieren und mehrere Verbindungslinien im Leben des berühmtesten Einwohners aufzeigen sollen. Eine Tangentiale hätte in die Richtung seines Hauses in Oberdornach gezeigt, eine andere zum Gemeindehaus, das Stich einst als Gemeindepräsident führte, und eine weitere zu Stichs Sitzbank an der Postautostation.

Doch diese abstrakte Kunst gefiel den Dornachern nicht. Das hätte nicht zu Stich gepasst, war man sich einig. Zudem wäre das Projekt viel zu teuer geworden. 135 000 Franken hätte es gekostet. Die finanzschwache Gemeinde wollte dieses Geld nicht sprechen, solange sie aus Kostengründen gleichzeitig das Gartenbad zu schliessen erwägt. Die Gemeindeversammlung senkte das Kostendach für das Denkmal auf 85 000 Franken. Dass der populäre Bundesrat nun mit einem Spar-Denkmal geehrt wird, gehört zum künstlerischen Konzept. Der sparsame Finanzminister hätte bei den ursprünglichen Plänen als Erster den Rotstift angesetzt.

Um die Kosten tief zu halten, verzichtete die Gemeinde auf einen Gestaltungswettbewerb. Die Baukommission zeichnete die Pläne für die beiden Bronzefiguren in sozialdemokratischer Manier. Alle sieben Behördenmitglieder skizzierten ihre Vorstellungen. Aus allen sieben Plänen flossen Elemente in das Projekt ein.

Mittlerweile wäre zwar Geld für ein grösseres Denkmal vorhanden. Die Bürgergemeinde beschloss, sich finanziell zu beteiligen, wie deren Präsident Bernhard Meister (FDP) bestätigt. Trotzdem ist nicht vorgesehen, den Otto-Stich-Platz aufwendiger zu gestalten. Die zusätzlichen Gelder werden einfach die Gemeindekasse entlasten, sagt Kilcher. Otto Stich hätte es nicht anders gemacht.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper