Zwei als Affen verkleidete Männer stürmten am Silvester-Nachmittag den Rhypark im Basler St. Johann und versprühten im Restaurant Buttersäure. Das Dinner für die Silvestergesellschaft musste abgesagt, das vorbereitete Rindsfilet notverwertet werden.

Die Basler Staatsanwaltschaft leitete daraufhin ein polizeiliches Ermittlungsverfahren ein, allerdings unter einem bereits bestehenden Aktenzeichen. Dieses verweist auf einen bisher nicht kommunizierten Vorfall, der elf Tage zuvor, kurz vor Weihnachten, stattgefunden hatte. Damals erstattete ein DJ Anzeige, da er im Gundeldinger-Quartier von Männern bedroht worden sei – und diese seien dem gleichen Auto, einem Mietwagen mit Münchner Nummernschild, entstiegen, das gemäss Videoaufzeichnungen auch die «Affen» zum Rhypark gebracht habe. Die Staatsanwaltschaft will den Zusammenhang der beiden Vorfälle aus polizeitaktischen Gründen weder bestätigen noch dementieren. Beide Ereignisse führen jedoch zum Partylokal Fame: Der gemäss Anzeige überfallene DJ legt regelmässig im Partylokal auf, der Geschäftsführer des Rhypark, Oliver Keller, war bis vor kurzem Geschäftsführer sowie gemäss Handelsregister hälftiger Teilhaber des Fame – und seit längerer Zeit dauert eine erbitterte Fehde um die Vorherrschaft des Lokals.

Zu einer zumindest teilweisen Bereinigung der Verhältnisse hätte es im Dezember kommen sollen. Das Basler Zivilgericht fällte einen Schlichtungsentscheid, wonach die Anteile, die Keller treuhänderisch gehalten hatte, dem Treugeber Ilhan Eyikat überschrieben wurden. Gleichzeitig enthält der Schiedsspruch, dass die mittels Klagen gegenseitig erhobenen Anschuldigungen fallengelassen werden.

Die «Schweiz am Sonntag» hatte über die Regelung berichtet, die neuen Verhältnisse wurden im Handelsregister jedoch nicht eingetragen. Stattdessen überrollt nun eine neue Klagewelle das Basler Justizsystem.

Die Parteien sind sich in einem einig: Der neue Fame-Geschäftsführer Hüseyin Cinar hat eine Handelsregistersperre eingereicht. Eyikat meint, das sei ein Unterzug, um die gerichtliche Vereinbarung nicht umsetzen zu müssen. Sein Anwalt stellt infrage, ob der Geschäftsführer überhaupt rechtens zu seinem Job gekommen sei.

Cinar erzählt eine andere Geschichte: Demnach habe Eyikat nicht nur Kellers Anteile an sich überschreiben lassen wollen, sondern auch die Anteile des zweiten Teilhabers Cemil Sakar. Doch die entsprechende Vollmacht sei gefälscht gewesen, behauptet Cinar. Dagegen und dass er selbst als Geschäftsführer des Fame hätte abgelöst werden sollen, sei nun Klage eingereicht worden.

Dass Eyikat auch mit dem zweiten Fame-Teilhaber Sakar im Streit liegt, ist seit September 2014 aktenkundig. Damals wurde Sakar in Muttenz mit sieben Schüssen verletzt. Gegenüber den Ermittlern gab er an, im Schützen einen Mann aus Eyikats Umfeld erkannt zu haben. Dieser wurde zeitweise in Untersuchungshaft genommen, doch ob sich der Verdacht erhärten lässt, ist zweifelhaft. Michael Lutz, Sprecher Baselbieter Staatsanwaltschaft, erklärt, in diesen Tagen werde die Strafuntersuchung abgeschlossen. Die Verteidigerin des Beschuldigten sagt, sie gehe von einer Einstellung des Verfahrens aus. Falsche Anschuldigungen hätten System, und deshalb bezweifle sie auch, dass die «Affen»-Attacke so einfach mit der Auseinandersetzung um das Fame zusammenhänge.

Die vielen Vorfälle im Fame-Umfeld, die zumindest in einem konkreten, vom Basler Strafgericht abgehandelten Fall auch direkt in den Drogenhandel führen, machen das Partylokal zu einem ungemütlichen Ort mit latentem Gewaltpotenzial. So kam es wiederholt zu Schlägereien wie auch am vergangenen Wochenende, wobei diese nach gegenwärtigem Kenntnisstand nichts mit dem andauernden Kampf um die Vorherrschaft im Lokal hatten.

Im Hintergrund, so heisst es, soll der Mietvertrag auf eine neue Gesellschaft übertragen werden. Die Versicherungsgesellschaft Basler Leben, in deren Besitz sich die Liegenschaft befindet, will dazu und zu den Vorfällen nicht Stellung nehmen. Ein Pressesprecher erklärt, aus Datenschutzgründen könnten keine Angaben zur Mieterschaft gemacht werden.

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