Vor rund drei Jahren kam es zum Handschlag. Das Basler Pharmaunternehmen Novartis war für Businessflüge ab Basel auf der Suche nach einem Partner, nachdem die Swiss ihr Angebot am Euroairport auf ein Minimum reduziert hatte. Mit Easyjet, der stärksten Airline am Euroairport, wurde sich Novartis einig und handelte 2013 einen Vertrag aus. Seither fliegen die Angestellten des weltweit tätigen Konzerns auf der Kurz- und Mittelstrecke ab Basel mit Easyjet zu ihren Businessterminen.

Novartis-Sprecher Satoshi Sugimoto zeigte sich vor drei Jahren glücklich über die Leistung der Fluggesellschaft: «Die Airline hat die Bedürfnisse der Geschäftsreisenden erkannt und optimiert Prozesse wie Buchung, Check-in oder Handling stetig.»

Heute klingt Sugimoto verhaltener, wenn er auf Easyjet angesprochen wird: «Das Angebot der Airline ab Basel ist okay.» Der Grund hierfür dürfte wohl sein, dass Easyjet für den Sommerflugplan 2016 ab dem Euroairport mit Pisa und Figari lediglich zwei neue Destinationen angekündigt hat – und bei beiden handelt es sich um Ziele für Freizeit- und nicht für Geschäftsreisende. Bei Novartis stehen ganz andere Ziele oben auf der Liste: «Wünschenswert wäre eine Aufnahme von München und Nürnberg. Zusätzliche Verbindungen nach Brüssel würden wir auch begrüssen.»

Zu den Topdestinationen der Novartis-Angestellten gehören nebst Brüssel die Städte Barcelona, Madrid, London und Berlin.

Easyjet wurde in der Vergangenheit nicht müde zu betonen, wie wichtig der Airline die Businesskunden seien. Sie begann 2010, den lukrativen Markt gezielt zu bearbeiten und den Service für Geschäftskunden annehmlicher zu machen. Konkret wurden die feste Sitzplatzzuweisung und kostenpflichtige Umbuchungsmöglichkeiten eingeführt sowie Abkommen wie mit Novartis abgeschlossen. Die Bemühungen haben sich gelohnt: Fast jeder vierte Passagier nutzt Easyjet ab Basel mittlerweile geschäftlich, vor drei Jahren war es noch jeder fünfte. Tendenz also steigend.

Je mehr die Geschäftskunden in Basel Easyjet schätzen, desto weniger scheinen aber ihre Bedürfnisse bei der Airline auf Gehör zu stossen. Zu den Destinationswünschen von Novartis etwa sagt Thomas Haagensen, Nordeuropa-Chef von Easyjet, zur «Schweiz am Sonntag»: «München und Nürnberg gehören zurzeit nicht zu den Städten, die wir ab Basel als neue Destinationen in Erwägung ziehen würden.» Die Planung des Winterflugplans 2016/2017 sei in vollem Gange, «es wäre verfrüht, jetzt schon über allfällige neue Destinationen zu sprechen».

Der offizielle Grund für die Zurückhaltung von Easyjet: Auch wenn sich die Schweiz und Frankreich im Steuerstreit vor rund einem Monat geeinigt haben, steht eine Ratifizierung des Abkommens noch aus. «Wir brauchen für einen allfälligen weiteren Ausbau Gewissheit, was die zukünftigen Rahmenbedingungen am Euroairport betrifft», sagt Haagensen. Seit der Ankündigung im Januar seien jedoch keine «signifikanten Fortschritte» erzielt worden. Deshalb sehe Easyjet auch weiterhin von der Stationierung eines zehnten Flugzeugs ab. Ob die Zurückhaltung Easyjets in Basel andere, allenfalls strategische Gründe haben könnte, das wollte eine Sprecherin auf Anfrage nicht kommentieren.

Bei Novartis scheint man sich unterdessen nach Alternativen umzusehen. «Der Vertrag mit Easyjet ist zeitlich befristet, wir arbeiten gerade an einer neuen globalen Ausschreibung», sagt Sugimoto. Weitere Details dazu könne er keine bekannt geben. Dass diese Verträge mit Fluggesellschaften zeitlich befristet sind und danach neu ausgeschrieben werden, sei jedoch gängige Praxis, sagt Sugimoto weiter.

Ob Novartis sich mit Easyjet einig wird, darüber braucht sich die oberste Führungsriege keine Gedanken zu machen: Neben Novartis-Chef Joe Jimenez stehen einem kleinen Personenkreis drei Jets des Typs «Falcon» zur Verfügung, wovon zwei in Basel stationiert sind, einer in den USA. «Die Jets sind ein unerlässliches Transportmittel für die Unternehmensführung, um innert kürzester Zeit wichtige Verpflichtungen wahrnehmen zu können», sagt Sugimoto.

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