Wer freitags im Baselbiet Beamte erreichen will, braucht oft Geduld. Anders ist es derzeit bei den Primarschulen im oberen Kantonsteil. In Lupsingen hüten Lehrer in der Pause das Telefon. Allein weil sie hoffen, dass sich doch noch qualifizierte Bewerber auf die freien Stellen melden. Während Basel-Stadt sieben Jobs auf Primarschulebene besetzen muss, sind auf dem Stellenportal der Baselbieter Kantonsverwaltung über vierzig Stellen ausgeschrieben. Betroffen sind vor allem die Schulen in kleineren, ländlichen Dörfern. Je näher bei der Stadt und je besser mit dem öV erschlossen, desto kleiner sind die Sorgen der Schulleitungen. Während man sich in Biel-Benken oder Bubendorf optimistisch zeigt, beklagt der Dugginger Primarschulleiter Erich Rubitschung den Wandel. Vor zehn Jahren seien auf eine Stelle noch dreissig bis sechzig Bewerbungen eingegangen. Heute kämen auf ein Inserat noch maximal vier Bewerbungen. «Da stellt sich schon die Frage nach der Qualität.»

Gesucht sind neben Klassen-, Englisch- und Französischlehrern auch Sonder- und Heilpädagogen. Dass das neue Schulsystem viele Teilzeitanstellungen bedingt, verschärft besonders die Probleme in den abgelegenen Gemeinden. Heidi Kapp, Schulleiterin der Kleinstschule im 260-Seelen-Dorf Hemmiken, sagt, dass die Stellenbesetzung heute der Suche nach einer «eierlegenden Wollmilchsau» gleichen würde. «Als ich vor Jahrzehnten anfing, hatten wir einen Lehrer für die ganze Primarschule.» Heute müsse man Fremdsprachenlehrer oder Heilpädagogen von der Idee überzeugen, auch für zwei Lektionen nach Hemmiken zu pendeln. «Das macht nicht so mancher mit.»

An ausgebildeten Lehrern sollte es nicht mangeln. An der Fachhochschule Nordwestschweiz hat sich die Zahl der Primarlehrerabschlüsse in den vergangenen sieben Jahren verdoppelt. 2015 schrieben sich für diese Ausbildung mehr als 400 Studenten ein. Dennoch stellt der Birsfelder Bildungspolitiker und Sekundarschullehrer Jürg Wiedemann fest: «Primarlehrerinnen und -lehrer mit einer vollwertigen Ausbildung können heute ihre Stelle auswählen.» Ein kurzer und gut erschlossener Arbeitsweg sei entsprechend attraktiv.

Verunsicherte Lehrer
Die offenen Stellen im Baselbiet erklärt Wiedemann auch mit der Aufstockung der Primarschule von fünf auf sechs Stufen: «Seither gibt es deutlich mehr Stellen. Aus der Not wurden temporär Lehrpersonen angestellt, die gar nicht über die entsprechende Ausbildung verfügen. Das muss nun korrigiert werden.» Angefragte Primarschullehrer beklagen zudem eine Zunahme des Arbeitsaufwandes mit den neuen Lerninhalten. «Das Fuder ist überladen», sagt ein Primarlehrer.

Von einer Verunsicherung spricht auch Brigitte Zbinden, Schulleiterin in Zeglingen/Kirchberg: «Viele sind frustriert, weil sie unter schwammigen Rahmenbedingungen arbeiten müssen. Auch abseits der Diskussionen um den Lehrplan 21 bestehen viele Unklarheiten.» Deshalb würden einige den Job wechseln oder ihr Pensum reduzieren. Auch Zbinden hat eine Stelle zu vergeben. Die Lehrerin aus Freiburg im Breisgau kündigte – wegen des langen Anfahrtsweges.

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