Die Basler Personenschifffahrtsgesellschaft (BPG) sei gut auf Kurs, lauteten die letzten Nachrichten. Die «Christoph Merian» wurde rundumsaniert, ein neues Prunkschiff für maximal acht Millionen Franken soll erworben werden. Nur: Die Schiffsbetreiberin in Stadtbasler Besitz ist beschränkt flüssig. Das vergangene Jahr schloss sie mit einem Minus von 80 000 Franken ab. Die Pläne, sich mittels Bankdarlehen oder gar durch Schiffsfreunde finanziert ein neues Personenschiff bauen zu lassen, sind dadurch durcheinandergeraten. Der Entscheid wurde zunächst verschoben und dann gedreht: Nun soll der Kanton vollständig die Finanzierung des 70 Meter langen Schiffs übernehmen. Im Frühjahr wird dem Parlament ein Ratschlag vorgelegt.

Daniel Thiriet, Verwaltungsratspräsident der BPG, bestätigt, dass die Eigenfinanzierung keine Option mehr sei. Die schmalkapitalisierte Gesellschaft fürchtet nicht zuletzt die hypothekarische Belastung, die sich durch einen Schiffserwerb in den nächsten dreissig Jahren in ihrer Bilanz finden würde. Zu präsent ist noch die Erinnerung an das Restaurant Dreiländereck, das bleischwer in ihren Büchern lastete, bis das dauergeschlossene Restaurant als indirekte Subvention von den Schweizerischen Rheinhäfen (SRH) übernommen wurde.

Bis zum Ratschlag der Basler Regierung will die BPG aber wissen, was das Schiff genau kosten wird. Thiriet hofft auf einen Wettbewerb der Anbieter, der zu einem tieferen Schiffspreis führen soll. Vergangene Woche wurde dazu die Suche nach der Werft ausgeschrieben, die das Schiff nach den fixfertigen Plänen des Ingenieurunternehmens Utz bauen wird. Für 600 Personen soll das Schiff geeignet sein, 352 Personen sollen im Inneren Platz finden. Ausgerüstet ist es für Kursfahrten von Basel bis Rheinfelden, aber auch als Eventschiff mit eingebauter Multimedia-Anlage. Ein modernes Schiff soll es werden, wie Bilder zeigen, die Barfi.ch aufschaltete. Eines ohne den Retro-Look des «Baslerdybli».

Ein ganz anderes Bild wird das Schleppboot bieten, das die Schweizerischen Rheinhäfen für rund zwei Millionen Franken beschaffen wollen. Das neue Kraftpaket soll die beiden Schleppschiffe «Vogel Gryff» und «Lai da Tuma» Ende 2016 in Pension schicken. Diese kommen vor allem bei Hochwasser zum Einsatz, um die Schifffahrt durch Basel aufrechtzuerhalten. Dem Vernehmen nach wurde die holländische Werft Groningen Shipyard bereits mit dem Bau des Schiffes nach den Basler Bedürfnissen beauftragt, was Hafen-Sprecher Simon Oberbeck jedoch nicht bestätigen mag. Es sei noch kein Beschaffungsentscheid erfolgt, sagt er auf Anfrage.

Die SRH machen ein Geheimnis um das Schiff, was wiederum zu Gerede rund ums Hafenbecken führt. In einem freihändigen Submissionsverfahren suchten die SRH zunächst einen Betreiber, der auf Auftragsbasis Schlepp- und Schubdienste anbietet. Gefragt war ein Reeder, der mit drei Mann Besatzung während 365 Tagen von fünf Uhr morgens bis neun Uhr abends einsatzbereit wäre. «Nicht zu finanzieren», sagt dazu ein Hafenkenner. Die heute im Einsatz stehenden Schlepper, die privaten Eignern gehören, wechseln sich mit den Einsätzen ab. Jeder erhält dafür von der SRH eine Jahrespauschale von je 110 000 Franken sowie von den Schiffern 800 Franken pro Fahrt.

Die Einsicht, dass es sich angesichts der rückläufigen Schleppdienste für einen Reeder nicht lohnt, ein neues Schiff zu kaufen, ist offenkundig auch bei der SRH angekommen: Das neue Schub- und Schleppboot wird von der Hafengesellschaft selbst gekauft und wohl auch betrieben werden, wie Oberbeck bestätigt. Mit welcher Besatzung, wo das Schiff stationiert sein soll und welche Aufgaben es zur Auslastung sonst noch übernehmen soll, scheint jedoch nicht geklärt. Oberbeck sagt: «Die Planungen für die künftigen Schub- und Schleppdienste befinden sich noch in der Konzeptphase.»

Die Schlepper-Situation wird seit Jahren als prekär erachtet. Die im Dienst stehenden Schiffe sind relativ alt und leistungsschwach. Der nächste kräftige Schlepper liegt jedoch in Mannheim. Ein Albtraum ist es deshalb den Schiffern, wenn es oberhalb der Mittleren Brücke etwa durch eines der bis zu 135 Meter langen Tankschiffe zu einer Havarie käme und kein Schlepper oberhalb ankerte, der zu Hilfe kommen könnte.

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