Alt-Botschafter Thomas Borer (57)ist ein Spin-Doctor der gehobenen Klasse. Wo andere billig Klinken putzen, verkehrt er in der Welt der Diplomatie. Was imponiert.

Entsprechend weibelt Borer auch nicht für partikulare Interessen, sondern makelt in höchsten Kreisen zwischen den Parteien. So schrieb die «bz Basel» bereits im vergangenen August im Zusammenhang mit dem Flughafen-Steuerstreit mit Frankreich: «Altbotschafter Thomas Borer vermittelt im Konflikt mit Paris». Er habe den Franzosen einen Kompromiss vorgelegt, wie der Konflikt gelöst werden könnte. Dies im Auftrag der Schweizer Unternehmen, die auf dem Euro-Airport tätig sind.

Anfang Woche thematisierte auch die «Basler Zeitung» Borers Engagement. Sie sieht ihn bereits an den nächsten Verhandlungen Mitte Februar teilnehmen. Borer dementiert nicht. Er sagt: «Wir wollen hinsichtlich Besteuerung der Unternehmen ein Spezialabkommen.» Sein Ziel sei es, die Steuerbelastung «möglichst tief zu drücken».

Das Problem: Thomas Borer hat kein Mandat mehr der Koordinationsplattform Secteur Suisse EAP, die von der Handelskammer beider Basel betreut wird. Die Handelskammer bestätigt, Borer sei 2014 mit dem Mandat betraut worden, um die Interessen in Bern und Paris zu vertreten, doch dieses «endete im November letzten Jahres». Eine Nachfrage bei der Dr. Borer Consulting ergibt die Präzisierung, das Büro führe das Mandat seit 2012 immer wieder mit kürzeren oder längeren Unterbrüchen: «Sofern im Bereich unserer Zuständigkeiten keine Arbeiten anfallen, wird das Mandat suspendiert.» Dies sei auch im November geschehen «in der Hoffnung, dass sich nun das von uns favorisierte Abkommen mit Frankreich finden lässt».

Ist das Mandat nun «sistiert» oder hat es «geendet»? Die Handelskammer schreibt auf Nachfrage: «Das Mandat endete im November 2014.» Sie bestätigt ausserdem ein erstes Mandat aus dem Jahr 2012. Damals wollte Frankreich französisches Arbeitsrecht auf dem Flughafen durchsetzen.

Gegenüber der «Basler Zeitung» zeigt sich Borer auch nach dem Zwischenentscheid mit den Franzosen noch voll im Geschäft: «Insofern ist dieser Kompromiss eine gute Sache, da er uns auch den Spielraum gibt, noch gewisse Details zugunsten der Schweiz auszuhandeln.»

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