Sebastian Frehner, Präsident der SVP Basel-Stadt, wird aus den eigenen Reihen angegriffen. Die «Basler Zeitung» berichtete über Unregelmässigkeiten der Partei während des Wahlkampfs vor vier Jahren. Ein Teil der Informationen stammt aus internen Parteiprotokollen.

Herr Frehner, Ihnen wird vorgeworfen, Ämter an sich zu reissen und interne Konkurrenten zu benachteiligen.
Sebastian Frehner: Die Geschichte ist relativ simpel: Wir hatten 2011 Streit im Vorstand, es gab zwei Lager, die sich bekämpften. Der Kampf um die beste Ausgangslage im Nationalrats-Wahlkampf verschärfte dies noch. Nach den Wahlen trennte sich der Vorstand deshalb von drei Mitgliedern. Diese versuchten danach bekanntlich an der GV vergeblich, die Macht zu übernehmen. Jetzt wird die Geschichte dieser an sich bekannten vier Jahre alten Vorgänge mit der Publikation von vertraulichen Parteiinterna wieder zum Leben erweckt.

Sie sollen eine Adressdatei eines SVP-Kollegen missbraucht haben.
Es ist tatsächlich so, dass dies von einigen Involvierten behauptet wurde. Die Vorwürfe wurden aber von anderer Seite bestritten. Deshalb setzte man sich dann zusammen und fand eine einvernehmliche Lösung, welche alle Beteiligten als Zeichen des Einverständnisses unterzeichneten.

Haben Sie damals Fehler gemacht?
Ich mache immer wieder Fehler, und bestimmt hätte ich auch damals einiges besser machen können. Alle Involvierten kämpften damals mit harten Bandagen. Gewisse Sachen hätte man cleverer machen können.

Kämpfen Sie heute nicht mehr mit harten Bandagen?
Es ist nicht mehr oft nötig.

Weil Sie heute die Macht haben, um die Sie damals hart gekämpft haben?
Nein, weil es ruhiger geworden ist und es wenig Unstimmigkeiten im Vorstand gibt.

Sie haben dafür in der SVP Schweiz wenig Rückhalt. Sie gehören nicht zum engen Umfeld von Christoph Blocher.
Dazu gehören die wenigsten.

Er soll Sie aber nicht besonders schätzen und Sie ihn auch nicht.
Ich habe grosse Achtung vor Christoph Blocher und überhaupt kein Problem mit ihm. Und politisch bin ich fast zu 100 Prozent auf seiner Linie. Und ich glaube nicht, dass diese Geschichte irgendetwas mit Blocher zu tun hat.

Er hält es offenbar nicht für nötig, eine Kampagne gegen Sie zu stoppen.
Da setzen Sie voraus, dass sich Blocher in die redaktionelle Arbeit der «BaZ» einmischt. Ich glaube nicht, dass er das tut.

Früher hatten Sie einen direkten Draht zu «BaZ»-Chef Markus Somm.
Ich kenne Markus Somm recht gut. Wir sind ein paar Mal miteinander essen gegangen. Ich habe versucht, ihn anzurufen, habe aber erfahren, dass er offenbar eine neue Nummer hat. Er hat versprochen, sich bei mir zu melden.

Sie können sich auch mit Ihrer guten Ausgangslage trösten: Ihren Nationalratssitz werden Sie nicht verlieren, auch wenn Sie einige tausend Stimmen weniger machen werden.
Ganz ehrlich: Mein Sitz ist mir zwar sehr wichtig. Aber mir geht es da um etwas ganz anderes. Diesen Angriff nehme ich persönlich. Wenn man einfach so eine unfaire Kampagne gegen mich fahren kann und mir keine Möglichkeit gibt, mich zu wehren, ärgert mich das sehr.

Normalerweise ist es die SVP, die harte Kampagnen führt.
Ja, es kann sein, dass wir das gut können.

Jetzt richtet sich erstmals eine Kampagne gegen Sie persönlich, und schon werden Sie dünnhäutig.
Wir sind eine Partei und keine Zeitung, wir dürfen parteiisch sein. Die grösste Zeitung der Region sollte schon einigermassen ausgewogen sein und einen fairen Journalismus betreiben.

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