Gleich an drei Tagen werden die beiden Basler Gesundheitsdirektoren Thomas Weber (SVP, BL) und Lukas Engelberger (CVP, BS) diese Woche miteinander unterwegs sein. Am Montag werden sie zunächst verkünden, wie sie die Kosten im Gesundheitswesen in den Griff bekommen wollen, am Donnerstag und Freitag am Basler Kongress Gesundheitswirtschaft werden sie dessen ökonomischen Nutzen für die Region beteuern.

Die Erwartungen sind hochgesteckt, wenn Engelberger und Weber am Montagvormittag der Öffentlichkeit die Eckpfeiler einer gemeinsamen Spitalpolitik präsentieren. Die Botschaft wird zumindest rhetorisch eine klare sein: Das Ziel sei eine kostengünstige Grundversorgung und gleichzeitig eine exzellente universitäre Spitzenmedizin. Die Umsetzung, wie sie die «Basler Zeitung» am Samstag beschrieb, klingt konkret: Eine gemeinsame Trägerschaft der öffentlichen Spitäler sowie ein Projekt für ein gemeinsames Bruderholzspital «light». Doch welcher Weg dorthin führen soll, bleibt weit weniger klar. Für die konkrete Umsetzung sollen die Präsidenten Werner Widmer vom Kantonsspital Baselland und Michel Plüss vom Basler Universitätsspital sorgen, die ebenfalls für den Anlass aufgeboten sind.

Vor allem Weber steht unter Erwartungsdruck. Ausser mit verfehlten Prognosen, schlechten Zahlen und personellen Unruhen konnte er sich bisher nicht als Gesundheitsdirektor profilieren. Damit gilt er als einer der Hauptverursacher für die aktuelle Finanzmisere des Landkantons. Auf weitere Ungnade zu stossen, befürchtet Weber vor allem in den eigenen Reihen. Mit einem Leitartikel im Parteiblatt und in den Regionalzeitungen hat er deshalb die Baselbieter SVP auf eine enge Zusammenarbeit mit Basel-Stadt vorbereitet. Gesundheitspolitiker von Mitte bis links wurden von seinem direkten Umfeld gebeten, sich im Vorfeld der Präsentation nicht mehr laut für eine solche Kooperation starkzumachen: Weber möchte vor den eigenen Gremien als Macher auftreten können – und nicht als Getriebener der misslichen Umstände.

Dabei ist Webers Ausgangslage selten günstig: Die SVP kann es sich derzeit nicht leisten, ihrem Regierungsrat in dessen wichtigstem Geschäft in den Rücken zu fallen. Parteipräsident Oskar Kämpfer hat im Landrat denn auch vorsorglich den ungeliebten Kooperationsweg mit Basel-Stadt als Folge einer verfehlten Spitalpolitik von Webers Vorgänger interpretiert. Welche Form der Zusammenarbeit sich die Baselbieter SVP mit Basel-Stadt vorstellen könnte, wollte er auf Anfrage aber nicht sagen; für einfache Aussagen sei das Thema «zu komplex». Eine «Carte blanche» wird Weber dennoch nicht erhalten. Und er wäre nicht der erste SVP-Magistrat, dem die Partei nicht zu folgen bereit ist. Dies könnte ihm widerfahren, wenn der eingeschlagene Weg etwa zu massiven Sprüngen der Baselbieter Krankenkassenprämien oder gar zu einer Steuererhöhung führen würde.

Der städtische Gesundheitsminister Lukas Engelberger steht weniger unter Handlungsdruck. Allerdings engt sich auch sein Spielraum zunehmend ein. So ist etwa die Finanzierung des Klinikum-2-Neubaus weiterhin nicht gesichert. Umso wichtiger ist ihm der zweite Treffpunkt der Woche: Das zweitägige Forum Gesundheitswirtschaft, das zum vierten Mal im Basler Messezentrum stattfinden wird. Der Kongress, dessen Vorsitz Engelberger von seinem Vorgänger Carlo Conti erbte, hat zum Ziel, dass das Gesundheitswesen nicht als Kostenfaktor, sondern als «Wachstums- und Beschäftigungsmotor» betrachtet wird. Engelberger wird dabei das Eröffnungsreferat halten, Weber an einem Symposium über die «volkswirtschaftliche Bedeutung der Gesundheitswirtschaft» referieren.

Dem Faktum, dass das Gesundheitswesen selbst für eine Pharmaregion wie Basel zunehmend eine volkswirtschaftliche Last darstellt, kann sich allerdings auch dieser Kongress nicht ganz verschliessen. So hat er denn auch den zusätzlichen, mit Fragezeichen versehenen Titel erhalten: «Auch in Zukunft?»

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