Die BIZ wächst seit der Finanzkrise kontinuierlich und baut deshalb den Hauptsitz in Basel aus. Die neuen Gebäude um den BIZ-Turm sollen aber erst in zehn Jahren gebaut sein. Weshalb dauert das so lange, Herr Dittus?
Peter Dittus: In der Schweiz dauern die Entscheidungsprozesse relativ lange. In Amerika wäre das sicher alles in ein paar Jahren erledigt.

Bedauern Sie, dass in der Schweiz das Bauen einen langen Atem benötigt?
Nein. Auch unsere Organisation hat diesen langen Atem. Wir schauen nicht, was heute oder morgen in der «Financial Times» steht. Wir schauen, wie sich die Wirtschaftspolitik über zehn, zwanzig Jahre entwickelt. Das ist unsere Stärke: die langfristige Betrachtung. Die langfristige Planung im Gebäudebereich passt da hervorragend dazu. Die Zusammenarbeit mit der Basler Regierung ist zudem ausgezeichnet. Wir haben direkte Kontakte und haben auch unsere Ausbaupläne langfristig mit ihr besprochen.

Ist es ein Thema, den BIZ-Turm zu ersetzen?
Das ist immer ein Thema, würde aber viel Geld kosten. Der Turm ist nun seit 1977 in Gebrauch. Wir sind derzeit in den letzten Zügen, die gesamte Infrastruktur zu erneuern. Abgesehen vom Betongerüst ist er praktisch neu, obwohl er sich äusserlich nicht verändert hat.

Er sieht hässlich aus.
Das kommt darauf an, mit wem Sie reden in Basel. Manche finden ihn hässlich, andere halten ihn für das Wahrzeichen von Basel . . .

. . . was kein Widerspruch sein muss.
(lacht) Ein Wahrzeichen muss tatsächlich nicht unbedingt eine Schönheit sein. Ob man ihn mag oder nicht, ist jedem freigestellt. Für uns ist entscheidend, dass sich die neuen Gebäude um den Turm harmonisch einfügen werden. Deshalb wollen wir bei verschiedenen Architekten Informationen einholen und einen Wettbewerb ausschreiben.

Auch das Umfeld verändert sich. Die Baloise reisst das Hotel Hilton ab und baut einen Turm. Auf der Südseite des Bahnhofs entsteht das Meret-Oppenheim-Hochhaus. Und auch das Post-Gebäude soll total erneuert werden. Was bedeutet das für die BIZ?
Die Entwicklung, die sich in der Umgebung abspielt, passt sehr gut zu unseren Plänen. Wenn die Umgebung in die Höhe wächst, werden wir nicht mehr so herausragend dastehen. Das ist gut. Wir fühlen uns hier sehr wohl.

Was macht es aus, dass sich die Sitzungsteilnehmer in Basel wohlfühlen?
Für die rund 300 Sitzungen, die wir pro Jahr veranstalten, kommen rund 9000 Leute aus der ganzen Welt nach Basel. Nicht nur aus Frankfurt, sondern genauso aus Australien wie aus Argentinien. Unsere Sitzungen leben vom informellen Meinungsaustausch. Deshalb sollen unsere Sitzungsteilnehmer von der Ankunft bis zur Abreise keine einzige Sorge haben, die das Lokale betrifft.

Wie erreichen Sie das?
Entscheidend sind drei Faktoren: der Verkehr, die Hotel-Infrastruktur und die Sicherheit. Bei allen drei Faktoren schneidet Basel hervorragend ab.

Beginnen wir mit dem Verkehr: Der Euro-Airport hat fast keine interkontinentalen Flüge mehr.
Klar wäre es gut, wieder Direktflüge nach New York zu haben. Auch eine Zugverbindung zum Euro-Airport wäre gut. Aber das ist alles nicht essenziell. Der Zürcher Flughafen ist nur fünfzig Autobahnminuten entfernt. Diese Distanz ist Standard, auch in London oder Paris. Basel hat dafür den Vorteil, dass die Stadt relativ klein und überschaubar ist. Die Besucher können sich hier zu Fuss in der Stadt bewegen ohne Personenschutz. Auch gepanzerte Limousinen sind in Basel im Gegensatz zu anderen Orten nicht nötig.

Ist es ein Problem für Sie, dass gegenüber das Hotel Hilton wegfällt?
Es ist sehr bequem, direkt gegenüber ein gutes Hotel zu haben. Das Hilton erfüllt die Anforderungen an ein gutes Hotel aber nur noch sehr beschränkt. Es ist deshalb gut, dass es ersetzt wird. Während des Baus wird es eine Durststrecke geben, in der unsere Gäste nicht zu Fuss vom Hotel zu uns kommen können. Wenn wir die Sitzungen sorgfältig planen, damit sie nicht mit der Baselworld oder der Art zusammenfallen, wird das aber gut gehen.

Oft wird geklagt, dass Basel in der Luxusklasse zu wenig Hotelbetten habe.
Unsere Sitzungen sind klein, mal sind es 30, mal 100 Teilnehmer. Dafür ist die Kapazität in Basel hervorragend. Auch ohne Hilton.

Ein Grund für die neue Überbauung um den BIZ-Turm ist auch die Sicherheit. Weshalb muss diese erhöht werden?
Das Gefahrenpotenzial wird grösser. Wenn wir unbeschränkt Platz hätten, würden wir es wie die Europäische Zentralbank in Frankfurt machen und um unser Gebäude eine Sicherheitszone von ungefähr hundert Metern einrichten. Das ist mitten in Basel nicht möglich. Es ist aber auch in Basel nicht mehr denkbar, dass sich die Gouverneure der Notenbanken in Meetingräumen treffen, die Fenster auf die Strasse haben.

Ist Basel unsicher geworden?
Solches war früher auf der ganzen Welt möglich und heute nicht mehr. Die Bedrohungen verändern sich. Und mit ihnen die Sicherheitsanforderungen. In den 70er-Jahren, als der BIZ-Turm gebaut wurde, war die Baader-Meinhof-Brigade aktuell. Da fühlte man sich auch nicht mehr überall sicher. Danach kam eine Zeit mit einer tendenziell höheren Sicherheit. Und jetzt stehen wir wieder in einer Zeit, in der die Unsicherheit mit Anschlägen erneut zunimmt.

Wie arbeiten Sie mit den Basler Sicherheitsbehörden zusammen?
Sehr eng. Wir stehen auch mit Fedpol und anderen Sicherheitsorganen in ständigem Kontakt. Einige unserer Mitarbeiter der Sicherheitsabteilung haben früher bei der Basler Polizei gearbeitet.

Basel will Kongressstadt werden. Die OSZE-Konferenz hat aber zu grossen Protesten geführt. Können Sie das nachvollziehen?
Klar. Basel ist internationale Hochsicherheitsanlässe nicht gewohnt. Es fällt auf, wenn hier ein Hubschrauber über der Stadt kreist. Das macht Krach. Das ist nicht gut. Das verstehe ich. Ich wohne selber in der Innenstadt. Es war tatsächlich sehr laut. Aber in anderen Städten mit internationalen Konferenzen ist dies gang und gäbe.

Die BIZ organisiert ihr Sicherheitsdispositiv diskreter.
Für die Notenbank-Gouverneure gilt auch nicht die höchste Sicherheitsstufe wie für die Staatschefs.

Aber auch gegen die BIZ gab es schon Proteste, etwa der Occupy-Bewegung.
Auch die BIZ ragt aus Basel etwas heraus. Sie ist eine internationale Organisation, es gibt Leute hier mit Diplomaten-Autoschildern und die Angestellten bezahlen keine Einkommenssteuern. Die BIZ ist die einzige derartige Organisation in Basel. Und was aus dem gewohnten Rahmen fällt, das fällt auf.

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