Den Startschuss für die Baselbieter Wirtschaftsoffensive feierte die Baselbieter Regierung im Prattler Planzer-Gebäude. In den Räumen des Logistik-Konzerns zelebrierte sie die Baueingabe für das Coop-Projekt im angrenzenden Entwicklungsgebiet Salina Raurica. Die Firma Planzer lieferte die Symbolik. Sie steht für den wirtschaftlichen Aufschwung, auf den Baselland sehnsüchtig wartet. Vor zehn Jahren baute Planzer in Pratteln für 100 Millionen Franken ein Logistikzentrum, das die Firma nun mit einem 150 Meter langen Anbau verdoppelt. Die Eröffnung ist im Herbst geplant.

Die Fassade steht bereits. Sie gibt dem Prestigeprojekt mit dem grössten Schriftzug der Nordwestschweiz kilometerweit ein Gesicht. Die lamellenartig aufgebaute Fassade erscheint von der einen Seite betrachtet Rot auf Weiss, von der anderen Seite Weiss auf Rot. Von vorne hingegen ist nur ein rot-weisser Schimmer erkennbar. Das Farbenspiel könnte allerdings von kurzer Dauer sein.

Die Schrift verletzt aus Sicht des Prattler Gemeinderats das kommunale Reklamereglement. Die Behörde hat in der Baubewilligung für die Fassade ein Reklamegesuch verlangt. Planzer ging nicht darauf ein. Als die Gemeindevertreter die riesige Fassade erblickten, intervenierten sie bei der Logistik-Firma. Planzer reagierte mit einem Schreiben, das die Gemeinde derzeit prüft.

Gemäss dem aktuellen Reklamereglement aus dem Jahr 1990 dürften Firmenschriften auf Fassaden in der Prattler Industriezone höchstens 2,5 Meter hoch sein. Morgen Montag berät der Prattler Einwohnerrat in erster Lesung über ein neues Reglement. Für Firmenschriften sieht der Gemeinderat eine kleine Lockerung vor. Neu soll ein relativer Wert gelten: Eine Firmenschrift soll maximal zehn Prozent der Fassadenfläche ausfüllen dürfen.

Der für den Hochbau zuständige FDP-Gemeinderat Rolf Wehrli sagt: «Gemäss dem alten Reglement ist die Planzer-Schrift viel zu gross. Gemäss dem neuen Reglement wäre sie immer noch zu gross.» Spielraum sieht er keinen: «Wir können die Schrift nicht bewilligen, wenn sie das Reglement verletzt.»

Rückendeckung erhält der Gemeinderat von der CVP. Einwohnerrätin Andrea Klein kritisiert in einer Interpellation, dass der Planzer-Schriftzug «aufs Gröbste Einfluss auf das Dorfbild nimmt» und dem Unternehmen «in übertriebenem Masse Werbung zugesteht». Der Gemeinderat wird an der Einwohnerratssitzung antworten, dass er die rechtlichen Bedenken teile.

Die Firma Planzer hofft auf eine Lösung. Firmensprecherin Nicole Baer sagt: «In den nächsten Wochen wird Planzer mit der Gemeinde Pratteln den Sachverhalt und den Ablauf des Baubewilligungsverfahrens bilateral detailliert abklären.» Aus Sicht von Planzer verletzt der Schriftzug nicht das Reklamereglement, da dieses gar nicht anwendbar sei. Architekt Marco Preisig sieht sich als Künstler: «Das ist keine Reklame. Das ist eine Gesamtfassadengestaltung.» Sobald die Farbgebung eine gesamte Fassade ausfülle, handle es sich um eine Fassadengestaltung und nicht um Werbung, behauptet er. «Wir wollten keine Fassade bauen, die nichts für die Gemeinde hergibt. Sie soll witzig und verspielt sein.»

Mit der Unterscheidung zwischen Werbung und Kunst hat nicht nur die Gemeinde Pratteln Mühe. Auch für den Kanton existiert diese nicht. Die Verordnung des Kantons Basel-Landschaft aus dem Jahr 1996 schliesst sie sogar explizit aus. Die Verordnung definiert: «Reklamen im Sinne dieser Verordnung sind alle öffentlich wahrnehmbaren Kommunikationseinrichtungen und Kommunikationsmassnahmen, die direkt oder indirekt der Werbung dienen und mit denen wirtschaftliche oder nichtwirtschaftliche Zwecke verfolgt werden.»

Für Architekt Preisig hat eine Fassade eine andere Dimension: «Architektur ist heute auch ein Mittel, um eine Firma darzustellen.» Die Zeit der öden Machtsymbole sei vorbei. Er sieht einen Zusammenhang zur Baselbieter Wirtschaftsoffensive: «Mit einer ästhetischen Fassade zeigt eine Firma, dass sie innovativ ist.»

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