Noch heute schwärmen sie davon. Jene, die zu den 800 Glücklichen gehörten, die vor zwei Jahren an die Party der Uhrenmarke Tag Heuer in der Reithalle der Kaserne eingeladen waren. Ein Basler Society-Girl erinnert sich: «Das war gigantisch. Von der Lichtshow bis hin zum Champagner.» Gerüchten zufolge wurde dieser, je später der Abend, direkt aus der Flasche getrunken. Die Baselworld, enthemmt.

Antonio, Einkäufer aus Argentinien, bestellt sich an der Bar des Acqua im Baselworld Village ein Mineralwasser. Es ist 21 Uhr, auf dem dezent ausgeleuchteten Kuppelareal knallen keine Korken. Ein kleines Grüppchen wärmt sich am Cheminée auf dem Vorplatz und wartet, dass etwas passiert. Das muss es. Antonio sagt: «Diese berühmt-berüchtigten Partys der Uhrenkonzerne sind extrem rar in diesem Jahr. Das Partyvolk wird sich hier versammeln.» Zwei Stunden später ist das Acqua brechend voll, Hostessen, Aussteller und Basler Halbprominenz tanzen zu Elektromusik. Hier darf kommen, wer will, eine Einladung braucht es nicht. Antonio nippt jetzt an einem Glas Champagner. Er sagt: «Im Village wird gefeiert wie früher.»

An anderen Orten bleibt es ruhig. In der Reithalle der Kaserne gibt es keine ausgelassene Party wie jene von Tag Heuer im 2014. Isabel Münzner, Sprecherin der Kaserne Basel, sagt: «In unseren Hallen finden keine öffentlichen oder privaten Partys von irgendwelchen Ausstellern statt.» Stattdessen informierte Tag Heuer bei einer Medienkonferenz nüchtern über Neuheiten. Sprecherin Lucy Tallo bestreitet eine Sparabsicht und sagt, das habe mit einem Strategiewechsel zu tun: «Wir legen beim Marketing den Fokus neu auf den Verkauf.»

gegenüber von Tag Heuer in der Halle 1 befindet sich der Stand von Hublot. Taucht man ein in diese Welt der glitzernden und sportlichen Uhren, in diese Enklave, die sich über drei Stockwerke verteilt, entsteht schnell der Eindruck, dass die Krise nur draussen stattfindet. An der Bar im zweiten Stock wird bereits um 11 Uhr Champagner gereicht, für das «Bödeli» sorgen Häppchen am Spiess. Die Fussballstars Jérôme Boateng, Alan Shearer und David Trezeguet toben sich zusammen mit Hublot-CEO Ricardo Guadalupe und im Blitzlicht der Fotografen am weissen Töggelikasten aus. Ein Spiel ist das nicht: Anlass ist die Pressekonferenz «Hublot loves Football».

So weit, so glamourös. Doch es ist bescheiden im Vergleich zu dem, was Hublot im vergangenen Jahr veranstaltet hatte: Der Uhrenhersteller lud zu einem Rockkonzert ins Hotel Les Trois Rois. Sprecherin Séverine de Rougemont: «Hublot hat weiterhin jeden Abend Events, aber im kleinen und intimeren Rahmen.» Ein langjähriger Messebesucher bestätigt: «Es finden viele Mini-Anlässe statt, an denen es nicht ums Feiern, sondern um die Produkte geht.»

Entsprechend kann sich die Winkler Multi Media Events, eine Firma, die sich auf Veranstaltungstechnik spezialisiert hat und zur MCH Gruppe gehört, nicht über fehlende Aufträge beklagen. Geschäftsführer Christian Künzli sagt: «Während der letzten Jahre ist die Anzahl der Side-Events etwa im selben Rahmen geblieben. Der Kostenfokus ist aber gestiegen.» Er stelle eine gewisse Zurückhaltung fest, auch in der Kommunikation. «Häufig werden die Anlässe sehr kurzfristig geplant.» Der Messebesucher sagt dazu: «Die Uhrenlabels geben weniger an mit dem, was sie haben.»

Einzig der Schweizer Breitling-Konzern, der für seine ausgelassen-schrägen Partys bekannt ist, richtete wie gewohnt im grossen Stil an. An mehreren Abenden veranstaltete Breitling im Basler Hafen eine Sause mit jeweils bis zu 500 geladenen Gästen, verteilt auf fünf Stockwerken. Unter anderem gab es da Schaukämpfe in einem ganz in Rot gehaltenen Ring zu sehen; Angelo Gallina vom Boxclub Basel stellte das Material und vermittelte die Boxer. Zum genauen Programm äussern wollte sich ein Breitling-Sprecher nicht. Es ist einem übermütigen Twitter-User, der die Party mitorganisiert hat, zu verdanken, dass die «Schweiz am Sonntag» einen Einblick erhalten hat. Kurz nach der Anfrage an Breitling waren die Fotos auf Twitter verschwunden. Selbst wer noch ausgelassen feiert, betont die neue Nüchternheit.

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