Seit dieser Woche ist verständlich, weshalb die Basler Regierung den Entscheid hinausgezögert hat, wie die grosse Industriebrache am Kleinbasler Rheinufer die nächsten Jahre genutzt werden soll. Denn was Guy Morin (Grüne) als Vorschlag des Präsidialdepartements präsentiert hatte, überzeugte nicht. Doch valable Alternativen wollten sich auch keine finden. Und so hat die Basler Regierung in Abwesenheit des Erziehungs- und Sportministers Christoph Eymann (LDP) diese Woche doch mehrheitlich beschlossen, was Morin eingebracht hatte: Der Verein Shiftmode erhält den Zuschlag, ab dem 1. Mai das Management für das Ex-Migrol-Areal, eine Hafenbrache von 12 500 Quadratmetern, zu übernehmen.

Morin sprach an der Medienorientierung von vier Gruppierungen, die im vergangenen Herbst eingeladen worden seien, um Vorschläge zu präsentieren. Recherchen zeigen jedoch: Zwei der Eingeladenen haben schon gar nicht offeriert und nur gerade Shiftmode war bereit, die immer wieder revidierten Rahmenbedingungen zu erfüllen. Der Kanton lenkte zwar ein, dass der Wagenplatz bleiben kann und die Mieteinnahmen durch die Kunstmesse Scope in die Kasse der Zwischennutzer fliessen. Zu einem stärkeren finanziellen Engagement war er jedoch nicht bereit.

Der Zürcher Verein Projekt Interim, einer der Angefragten, hat sich gar nicht auf das Projekt eingelassen, wie deren Sprecher Lukas Amacher erklärt. Der Verein sei auf die Leerraumbewirtschaftung spezialisiert. In Basel bespielt er etwa seit dem 1. April die Einkaufsfläche beim Kino Eldorado in der Steinen und hat in der Stadt zwei weitere Ladenprojekte in Vorbereitung. In der Bewirtschaftung von Brachen hätten sie keine Erfahrung. Weshalb er kontaktiert wurde, konnte Amacher nicht erklären.

Ebenfalls nicht offeriert hat der Verein I-Land, der Zusammenschluss der Zwischennutzer des nördlich gelegenen Ex-Esso-Areals. Fabian Müller, Sprecher des Vereins, sagt, man votiere zwar schon lange dafür, die beiden Areale als Einheit zu sehen. Die Veranstalter vom Ex-Esso-Areal seien derzeit aber nicht in der Lage, zusätzlich für das Ex-Migrol-Areal zu wirken. Müllers eigener Verein Neubasel, ein Mitglied von I-Land, machte dann aber doch eine eigene Eingabe; er forderte darin jedoch vor allem bessere Rahmenbedingungen. Was ihn besonders ärgert: Die Zwischennutzer auf dem Ex-Esso-Areal haben nur Verträge bis längstens 2017 und liegen mit dem Kanton im Clinch über offene Rechnungen.

Neben Shiftmode, den Auserkorenen, reichte nur der Verein Unterdessen eine ausformulierte Offerte ein. Die Profi-Zwischennutzer um Barbara Buser stellten jedoch Bedingungen, vor allem die kostenlose Bereitstellung von Wasser und Strom. Ihr Konzept beruhte auf einer engen Zusammenarbeit mit der Kunstmesse Scope, die eine wintertaugliche Halle errichtet hätte. Ausserhalb der Art-Zeit hätte Unterdessen diese bespielt und damit Erträge erwirtschaftet. Zusammen mit den Leistungen des Kantons in Infrastruktur und Energie hätte die Rechnung knapp aufgehen können, meint Buser. Allerdings hat der Verein schon seit Wochen nichts mehr von der Verwaltung gehört. Dort scheint der Entscheid zugunsten von Shiftmode schon längst gefallen zu sein.

Hinter Shiftmode stehen Tom Brunner (DJ, Kulturunternehmer), Katja Reichenstein (Radiofrau, Moderatorin) und Kurt Schuwey (Architekt). Als Neugründung hat der Verein keinen Leistungsausweis, das Paar Brunner/Reichenstein hat sich allerdings mit dem Stadtmusikfestival im Hof des Kunstmuseums einen Namen gemacht. Shiftmode ist mit den Konkurrenten doppelt verbandelt: Als Betreiber der Lady Bar an der Feldbergstrasse ist Brunner Mieter des Vereins Unterdessen, der diese Zwischennutzung verantwortet. Der «Holzpark Klybeck», ein Pavillon, den Shiftmode nun auf dem Ex-Migrol-Areal plant, ist zudem weitgehend das Recycling einer Idee, die ursprünglich unter dem Namen «Perron 3» für das Ex-Esso-Areal konzipiert wurde, dort jedoch keinen Zuschlag erhielt.

Die einzig sichere Einnahme von Shiftmode ist Scope, die ihre Miete von 80 000 Franken pro Jahr nun direkt dem Zwischennutzer abliefern muss. Der Kanton ist zudem bereit eine Vorleistung von 250 000 Franken zu leisten, erwartet jedoch deren Rückzahlung bis Ende 2019 über eine prozentuale Beteiligung am Umsatz.

Bei einem realistischen Start im kommenden Jahr bleiben Shiftmode dafür fünf Jahre, was einer jährlichen Amortisation von 50 000 Franken gleichkommt. Wie diese Erträge erwirtschaftet werden sollen, ist auch nach Rückfrage unklar. Und mit dem einzigen Ertragsbringer, Scope, wurde weder im Vorfeld des regierungsrätlichen Entscheids noch in den bisherigen Tagen danach Kontakt aufgenommen.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper