Martin Künzel ist ein gefragter Mann. Was im Normalfall als positiv zu werten ist, gilt bei ihm allerdings nicht: Der ehemalige Wirt des Basler Volkshauses hat mit seiner Meyman GmbH Betreibungen am Hals. In rund zwei Wochen ist er deswegen beim Zivilgericht vorgeladen; er schuldet der Le Plaza Basel-Stadt AG rund 50 000 Franken. René Müller, Geschäftspartner von Künzel, sagt: «Ich habe grosse Zweifel, dass er dort erscheinen wird. Seit mehr als einem Monat ist er abgetaucht, ich erreiche ihn weder am Handy noch per Mail.» Tatsächlich schaltet sich jeweils direkt die Comboxansage ein, wenn man Künzel auf dem Handy zu erreichen versucht. Auf SMS reagierte er diese Woche auch nicht.

Im Herbst 2015 wurde bekannt, dass Künzel, ein Vollblutgastronom, der neue Betreiber des Le Plaza Clubs im Untergeschoss des Swissôtel Le Plaza ist; er fungierte als Vertreter einer aus fünf Personen bestehenden Interessensgemeinschaft, die den Club unter dem neuen Namen «Plaza Lounge» retten wollte. Dazu übernahm Künzel die Meyman GmbH der vorgängigen Betreiber Sadik und Burhan Arslan. Die Firma wurde im Januar 2016 auf ihn überschrieben. Die Arslans hatten wenig Erfolg mit dem Club gehabt: Die Gäste blieben fern, die Miete wurde nicht bezahlt. Acht Monatsmieten standen zum Zeitpunkt aus, als Künzel übernahm. Er sagte im Januar anlässlich der Eröffnung der Lounge zur «bz Basel»: «Wenn der Vertrag unterzeichnet ist, zahlen wir nach.»

Der Club ist geschlossen
Die Pläne des Wirts waren hochfliegend. Er wollte die Lounge vermieten, für Partys, Konzerte, Firmenanlässe – also nur bei Bedarf öffnen. So könnten die Kosten tief gehalten werden, sagte Künzel. Für das Catering stand das Restaurant Laufeneck von René Müller bereit. Mit Anlässen im Rahmen der Messen Swissbau und Baselworld sowie der Fasnacht werde die Miete im Frühling ausgewirtschaftet sein. Künzel rechnete zudem damit, von der Schliessung der Kuppel zu profitieren.

Recherchen zeigen nun, dass es zu all dem nie gekommen ist. Nach der Eröffnungssause am 11. Januar 2016 sind die Lichter im Club bis heute nicht mehr angegangen, die Lokalität wurde kein einziges Mal vermietet und damit auch kein Geld verdient. René Müller sowie eine Mitarbeiterin des Swissôtel Le Plaza bestätigen auf Anfrage: «Der Club ist geschlossen.» Schlimmer noch: Künzel respektive die Meyman GmbH haben bis heute die ausstehenden Monatsmieten nie nachbezahlt und sind nun deswegen von der Vermieterin, dem Swissôtel, betrieben worden.

Der Grund: Ein Mietvertrag, den Künzel zur Voraussetzung für seine Zahlungen gemacht hat, wurde nie unterschrieben, und somit konnte der Club auch nicht in Betrieb gehen. Müller sagt: «An der Eröffnung haben wir gratis ausgeschenkt, das ging auch ohne Vertrag.» Warum es nie zur Unterzeichnung eines Vertrags kam, ist unklar. Weder die Direktorin des Swissôtel, Brigitte Fritz, noch ihr Stellvertreter Silvio Schoch waren bis Redaktionsschluss für eine Stellungnahme zu erreichen. Im «bz Basel»-Bericht vom Januar meinte Künzel noch, Fritz wolle ihm «Steine in den Weg legen». Sie sei mit den neuen Mietern nicht einverstanden gewesen. Müller bestätigt, dass Fritz «mit allen Mitteln» diese Eröffnung zu verhindern versucht habe. «Das ist ihr leider gelungen.»

Leere Versprechen
Doppelt bitter für Künzel: Eine Bewilligung, die im Januar noch nicht vorhanden war, gab es vom 11. Februar 2016 bis 1. März 2016. Müller hatte diese eingeholt, er fungierte in dieser Zeit als Geschäftsleiter der Meyman GmbH. Marc Keller vom Basler Baudepartement sagt dazu: «Seit März verfügt der Le Plaza Club über keinen Bewilligungsinhaber mehr.» Für Müller ist das ärgerlich, die Einholung der Bewilligung kostete ihn 550 Franken. Künzel habe ihm im Februar versprochen, dass es nur wenige Tage bis zur Unterzeichnung des Vertrags seien und dass man dann «loslegen» könne. Müller sagt: «Davon ist nichts eingetroffen, alles leere Versprechen. Und die 550 Franken sehe ich wohl nie wieder.» Nachdem Künzel Ende März abgetaucht sei, habe er anfangs noch sein Postfach geleert. «Jetzt mache ich das aber nicht mehr, ist mir zu blöd. Auch wenn es jetzt wohl überquillt.» Künzel, der gefragte Mann.

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