Ein unbekannter Multimillionär auf der SVP-Liste, titelte die «Basler Zeitung» und «Tages-Anzeiger»-Online. Ein «Wirtschaftskaliber» sei der Auslandschweizer John McGough, der sich auf der Basler Unterliste SVP-International als Auslandschweizer für den Nationalrat bewirbt. Der Leistungsausweis klingt beachtlich. Er sei «Inhaber» der Firmen Medtech, Medplan und Shvabe-München, ein «Unternehmer», der in seinen Hightech- und Medizinaltechnikfirmen weltweit 22 500 Mitarbeiter beschäftige.

Die Realität sieht – soweit aus öffentlichen Quellen eruierbar – anders aus. Die Shvabe-Holding beschäftigt nach eigenen Angaben zwar tatsächlich über 20 000 Angestellte. Dabei handelt es sich aber um eine Subholding des russischen Staatskonzerns Rostec mit insgesamt rund 900 000 Mitarbeitern. Shvabe ist grösstenteils ein Rüstungskonzern, der optische Geräte sowohl für die Marine als auch für die Luftwaffe entwickelt. In der zivilen Sparte produziert Shvabe medizinische Apparate wie Inkubatoren für Neugeborene, Beleuchtungskörper und Vermessungsgeräte, die allerdings auch militärisch genutzt werden können.

Die bescheidene Rolle von John McGough: Er ist seit 2009 Geschäftsführer der Shvabe-Zurich GmbH. Teilhaber ist er, weil er bei seinem Eintritt einen Anteilsschein und damit ein halbes Prozent der Firma übernommen hat. Hans Meppiel, heute Wirt im Basler Milieulokal Venezia, hatte die Firma im Auftrag der Russen zwei Jahre zuvor gegründet. Es sei völlig chaotische Arbeit gewesen, sagt Meppiel. Weder hätten verlässliche Abmachungen getroffen werden können, noch sei Geld wie vereinbart geflossen. Die Idee war, die Vermessungs-, Beleuchtungs- und Medizinalgeräte des russischen Staatskonzerns international zu vertreiben. Meppiel hatte dazu einen Mitarbeiter, den er spöttisch «seinen Spion» nennt, da dieser von der russischen Zentrale geschickt worden war und keine Landessprache konnte. Nach zwei Jahren kam es zur Trennung, Meppiel übergab an John McGough.

Der aktive Auslandschweizer möchte über seine beruflichen Aktivitäten nicht sprechen. Weder über Shvabe, noch über Medtech noch über Medplan. Immerhin verfügt die Medplan über eine eigene Internetpräsenz und ist in Budapest als Handelsgesellschaft für medizinische Geräte mit sieben Mitarbeitenden ausgewiesen. Nicht überprüfbar sind die Angaben, dass McGough eine Schaffarm an der Grenze zur Ukraine besitze oder Sammler von historischen Militärfahrzeugen sei. Auch darüber wolle er nicht sprechen. Diese Publicity wolle er nicht, sagt McGough.

Dafür hatte er sich bisher jedoch gut in Szene setzen können. Bereits 2001 taucht er in der türkischen Zeitung «Hürriyet» als Kronzeuge für die These auf, in der Schweiz gingen nur einige wenige Kommunisten von einem Genozid der Türken an den Armeniern aus. Zusammen mit anderen Schweizer Geschäftsleuten habe er deshalb die Schweizer Regierung aufgefordert, diese politische Diskussion zu stoppen.

2008 machte er in Österreich tatsächlich als Geschäftsmann Schlagzeilen. Zusammen mit dem Ex-Werber Hans Schmid hielt McGough rund zehn Prozent der kriselnden Austrian Airline. Die Minderheitsaktionäre verkauften ihr Paket schliesslich nach öffentlichkeitswirksamen Auftritten der Lufthansa.

Vor vier Jahren startete McGough den ersten Versuch, in den Nationalrat gewählt zu werden, damals auf einer Unterliste der Zürcher SVP. Mehr Sukkurs verspricht er sich nun im zweiten Anlauf in Basel, wo ihn auch ein Journalist der «Basler Zeitung» treu begleitet. Dieser war auch dabei, als McGough im vergangenen Dezember anlässlich von 200 Jahren dipolomatischen Beziehungen in Moskau vom Duma-Präsidenten eine Ehrenmedaille erhielt. McGough hatte zuvor die Schweizer Sanktionen gegen Russland wegen dessen expansiver Ukraine-Politik kritisiert.

Die Sanktionen könnten indirekt auch die Shvabe-Zurich betreffen, die in den vergangenen Jahren zumindest als Transmissionsriemen an Bedeutung gewonnen hat. So hat der Shvabe-Konzern 2013 über die Zürcher GmbH die Münchner Huber GmbH gekauft. Dieses Technologieunternehmen produziert Teile für die Formel 1, aber auch für die Luft- und Raumfahrtindustrie und zählt rund 200 Mitarbeiter. 2006 erhielt das Unternehmen noch den regionalen Wirtschaftspreis, 2009 war es insolvent. Über die Zwischenstation einer Investorengruppe landete die Firma schliesslich bei den russischen Eigentümern. McGough ist offiziell Präsident des Aufsichtsrates.

Shvabe scheint die Schweiz vermehrt auch für die Sicherung ihrer Markenrechte zu nutzen. So wurde gemäss einer russischen Meldung im März der Name mit lateinischen Schriftzeichen in der Schweiz markenrechtlich geschützt. Die zunehmende Bedeutung hat sich beim Schweizer Firmensitz allerdings noch nicht bemerkbar gemacht. Die Eintragungen im Handelsregister sind veraltet, die angegebene Telefonnummer scheint nicht in Betrieb und die angegebenen Büroräumlichkeiten sind leer.

Eine neue Firmenadresse gibt John McGough nicht an. Er sei in den Ferien und wolle sich mit beruflichen Dingen nicht beschäftigen.

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