GLP-Schweiz-Präsident Martin Bäumle übte sich am Freitag in Selbstkritik. In Interviews mit dem «Tages-Anzeiger» und der «NZZ» platzierte er dieselbe Aussage: «Es ist uns zu wenig gelungen, uns als verlässliche Wirtschaftspartei zu verankern.» Was Bäumle nicht weiss: In Basel ist der GLP immerhin ein Schritt in diese Richtung geglückt. Der Basler Gewerbeverband hat die Grünliberalen zu «KMU-freundlichen Politikern» erklärt. Im aktuellen Verbandsorgan empfiehlt Direktor Gabriel Barell die GLP erstmals zur Wahl in den Nationalrat. Die kleine Partei erhält einen gleich grossen Auftritt wie die etablierten bürgerlichen Parteien.

Bei den Nationalratswahlen 2011 hatte der Gewerbeverband die GLP nicht zur Wahl empfohlen. Er begründete seine Absage mit Differenzen in der Verkehrspolitik. Die Grünliberalen empörten sich, «dass punktuelle Differenzen in der lokalen Verkehrspolitik ausreichen, eine Partei bei einer nationalen Wahl auszugrenzen, während die SVP, die mit ihrem Angriff auf die Personenfreizügigkeit einen Pfeiler der lokalen und nationalen Wirtschaft beschädigen will», unterstützt werde. Offenbar seien die Grünliberalen eine «zu starke Konkurrenz».

Und nun muss man in der Verbandszeitschrift nach der Seite mit den SVP-Kandidaten nur einmal blättern, um zum Auftritt der Grünliberalen zu gelangen. Dort darf der Basler GLP-Präsident David Wüest-Rudin das Ranking der Wirtschaftszeitung «Bilanz» zitieren, das die GLP als «die mit Abstand wirtschaftsfreundlichste Partei» einstufe.

Verbandssprecher David Weber erklärt den Meinungsumschwung: «Wir haben in den vergangenen vier Jahren mehrheitlich gute Erfahrungen gemacht mit der GLP.» Die Differenzen im Verkehrsbereich seien geblieben, wie er einräumt. Aber etwa beim Verkehrskonzept Innenstadt habe der Verband gut mit GLP-Frau Martina Bernasconi zusammengearbeitet.

Die anderen Wirtschaftsverbände können den Sinneswandel des Gewerbeverbands nicht nachvollziehen. Ihnen läge es fern, die GLP zu unterstützen. Barbara Gutzwiller, Direktorin des Arbeitgeberverbands, sagt: «Die GLP hat nur teilweise das Profil, das wir uns wünschen.» Finanzpolitisch seien sie sich zwar häufig einig, «bei anderen Themen wie Energie und Verkehr aber weniger». Im nächsten Verbandsheft wird der Arbeitgeberverband von jeder bürgerlichen Partei zwei Kandidaten vorstellen. Diese werden auch Geld erhalten. Die GLP zählt nicht dazu.

Franz Saladin, Direktor der Handelskammer beider Basel, hat angekündigt, alle Kandidaten der bürgerlichen Parteien von Basel-Stadt und Baselland zu unterstützen. Auf Anfrage erklärt er, dass die GLP damit nicht gemeint sei. Differenzen würden vor allem im Energiebereich liegen.

Die Verbände sind auch im Ständeratswahlkampf uneins. Während der Jungfreisinnige Julian Eike vom Arbeitgeberverband unterstützt wird, erhält er vom Gewerbeverband und der Handelskammer Absagen. Beide nennen eine offizielle Unterstützung der bürgerlichen Mutterparteien als Voraussetzung.
Die Ständeratswahlen zeigen, dass Bäumle mit der Selbstkritik trotz der einen Kehrtwende richtig liegt. Für den Ständerat gäbe es noch die Kandidatur der GLP. Diese ist aber selbst für den Gewerbeverband nicht einmal ein Thema.

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