Von Leif Simonsen

Bei der Baselbieter FDP zeichnet sich am nächsten Donnerstag ein ungleiches Duell ab. «Christoph Buser kann gegen Balz Stückelberger nur verlieren», sagt ein Freisinniger aus dem Umfeld des Arlesheimers. Weder Buser noch Stückelberger wollen etwas sagen. Wie alle FDPler haben sie einen Maulkorb verpasst bekommen.

Für den Fraktionschef Rolf Richterich kommt es am Nominationsparteitag zu einem «richtungsweisenden Duell» zwischen dem 42-jährigen Stückelberger und dem ein Jahr älteren Wirtschaftskammer-Direktor. Hier der feingeistige Stückelberger aus der gesellschaftsliberalen Arlesheimer Sektion, der die Politik mehr als Hobby denn als Beruf betrachtet. Dort der knallharte Interessenvertreter Buser, von dem nichts anderes erwartet wird, als dass er wie sein Vorgänger Hans Rudolf Gysin in Bundesbern politisiert. Eine Blamage wäre es für Buser, sollte er gegen Stückelberger den Kürzeren ziehen. Ausgerechnet gegen den Mann, der sich in den vergangenen Jahren immer wieder gegen die eigene Partei gestellt hat; sei es als Befürworter der Theater-Subventionen oder einer Kantonsfusion mit Basel-Stadt.

Obwohl Stückelberger in seiner Partei oft ein Fremdkörper ist, wird er beim Nominationsparteitag auf eine unverhoffte Allianz zählen können. Weniger, weil er in der Partei viele Freunde hätte, als vielmehr, weil sein mächtiger Kontrahent zahlreiche Gegner hat. Auch Stückelberger weiss: Öffentlich traut sich niemand, Buser anzugreifen. Als Wirtschaftskammer-Direktor herrscht er über die Finanztöpfe, aus denen die Bürgerlichen ihre politischen Aktionen finanzieren. Die ehemalige freisinnige Landratspräsidentin Marianne Hollinger prophezeit ein «spannendes Duell». Stückelberger könne nicht nur auf Unterstützung in seinem direkten Unterbaselbieter Umfeld zählen, sondern auch auf Hilfe aus dem oberen Kantonsteil. Hollinger denkt dabei an die Oberbaselbieter Entourage von Daniela Schneeberger, der amtierenden FDP-Nationalrätin. Buser wird zu ihrem direkten Konkurrenten, weil er auch als Nationalratskandidat antritt. Eine Kandidatur für den Ständerat würde dem Füllinsdorfer Buser reines Gewissen verschaffen, auch in den Stammlanden der Thürnerin auf Stimmenfang zu gehen. Für Stückelberger kommt eine Nationalratskandidatur hingegen nicht infrage: «So viel steht fest», sagt er. «Ich werde nicht auf dieser Liste sein.» Wer für Schneebergers Verbleib in Bern ist, nominiert somit Stückelberger.

Viele Delegierte stehen einer Doppelkandidatur zudem grundsätzlich skeptisch gegenüber. Es wäre dies das erste Mal überhaupt, dass die FDP im Landkanton einen Nationalratskandidaten für den Ständerat aufstellen würde. Der Binninger Landrat Sven Inäbnit stellt sich auf den Standpunkt, dass sich ein Kandidat entscheiden sollte: «Ohne über irgendwelche Namen zu spekulieren: Eine Doppelkandidatur aus wahltaktischem Kalkül erachte ich als fragwürdig. Die Wähler bekommen so den Eindruck, als würde man sich eine Hintertür offen halten. Das wird möglicherweise nicht goutiert.»

Wie schlagkräftig die Anti-Buser-Allianz sein wird, ist nicht klar. Und Bedenkenträger gegen den Aussenseiter gibt es genug. «Sein Ja zur Fusion werden nicht alle vergessen haben», sagt Richterich. «Letztlich glaube ich doch, dass Buser bei der Basis besser verankert ist. Kein Zweiter hat die gleiche Macht im Rücken.» Dazu bläst seit Samstag auch der publizistische Rückenwind vom Aeschenplatz in Richtung Haus der Wirtschaft. Politschreiber Markus Somm verkündete in der «Basler Zeitung»: Buser verkörpere nicht nur «die DNA des bürgerlichen Triumphes» bei den Landrats- und Regierungsratswahlen, es gehe auch um das grosse Ganze: «Den Willen zu einer bürgerlichen Schweiz».

Nicht alle scheinen dem nächsten Donnerstag die gleiche Bedeutung zuzumessen wie Somm. Handelskammer-Direktor Franz Saladin, der eher auf der Linie Stückelbergers politisiert, hat sich bei der Parteipräsidentin Christine Frey schon abgemeldet. Es kämen ihm wohl geschäftliche Termine in die Quere, sagt er. Und selbst Stückelberger sagt, er werde für den Nominationsparteitag seinen Anhang nicht mobilisieren – ob er nun antritt oder nicht. So klingt einer, der nur gewinnen kann.

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