Bereits einmal war Gudrun Piller übergangen worden: Als Basel 2012 für den langjährigen Direktor des Historischen Museums Burkard von Roda einen Nachfolger suchte, entschied man sich statt für seine Stellvertreterin für die Luxemburgerin Marie-Paule Jungblut. Die Kosmopolitin mit einem beeindruckenden Lebenslauf überzeugte die Findungskommission mehr.

Schon drei Jahre später kam Piller unverhofft zum Handkuss. Ihr wurde nach dem unschönen Abgang Jungbluts die interimistische Leitung des Historischen Museums anvertraut. Nicht nur klaffte ein riesiges Loch in der Museumskasse, auch die Stimmung unter den Mitarbeitenden war im Keller. Für die Krisenbewältigung holte sich Piller Bestnoten. Christiane Faesch, Präsidentin des «Vereins für das Historische Museum Basel», zollt ihr «Hochachtung» dafür, das Museum aus der Misere geholt zu haben. Pillers Chancen waren nie so gut gestanden, Direktorin zu werden. Doch trotz einer erneuten Bewerbung entschied sich die Findungskommission um den Basler Kulturchef Philippe Bischof gegen sie. Stattdessen soll es mit Marc Fehlmann von der Stiftung Deutsches Historisches Museum in Berlin wieder ein Externer richten. Ab nächsten Juni ist Piller somit wieder die Nummer zwei – bereits zum dritten Mal in ihrer Zeit beim Historischen Museum. Auch wenn Faesch Fehlmann als «gute Wahl» bezeichnet, sagt sie: «Wir hätten es begrüsst, wenn man an ihr als Direktorin festgehalten hätte.»

Piller bleibt Museum treu
Piller, die gemäss Insider-Informationen von den insgesamt fünfzig Bewerbern in die Runde der letzten sieben Kandidaten gelangte, zeigt sich «im Gegensatz zu vielen anderen nicht überrascht», dass es auch diesmal nicht geklappt hat. Sie beobachtet eine Tendenz, Spitzenpositionen in Museen extern zu besetzen. «Früher konnte man sich intern die Sporen abverdienen und hatte dann sehr gute Chancen, wenn der Direktionsposten vakant wurde.» Heute sei meistens der «unbelastete» Blick von aussen gefragter.

Pillers Beobachtungen werden von Faesch gestützt: «Dass man bei der Neubesetzung von Chefposten auf Auswärtige setzt, ist ein allgemeiner Trend, nicht nur in der Museumslandschaft», sagt sie.

Dass es einen Auswärtigen-Bonus gegeben habe, bestreitet Bischof. Das Prinzip, wonach eine externe Person bevorzugt würde, wäre «bei solch wichtigen Besetzungen» wie der Direktion eines kantonalen Museums «unverantwortlich». So habe sich beispielsweise 2012 bei der Wahl von Andrea Bignasca zum Direktor des Antikenmuseums gezeigt, dass interne Kandidaturen erfolgreich sein könnten. Dem neuen Direktor des Historischen Museums müsse darüber hinaus zugutegehalten werden, dass er dank seiner Herkunft und den Basler Verbindungen «hohe Kenntnisse aus der Nähe» mitbringe.

Wie Piller mit ihrer Rückversetzung im kommenden Juni umgeht, wird sich weisen. Über einen Abgang will sie jedenfalls keine Spekulationen aufkommen lassen. «Ich habe auch sonst eine spannende Aufgabe», sagt sie, «immerhin bin ich ja unterdessen die einzige Historikerin im Haus.» Zweifelsohne hat das Historische Museum nicht nur deshalb ein Interesse daran, sie längerfristig zu halten.

Mitarbeit: Annika Bangerter

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