Von Valentin Kressler

Die Bürgerlichen fackelten nicht lange. Unmittelbar nachdem der angeschlagene Bildungsdirektor Urs Wüthrich (SP) Anfang Jahr angekündigt hatte, bei den Baselbieter Regierungsratswahlen im Februar 2015 auf eine erneute Kandidatur zu verzichten, meldete SVP-Präsident Oskar Kämpfer Anspruch auf einen zusätzlichen bürgerlichen Sitz in der Regierung an.

Seither dominiert in den Medien ein Thema: Unterstützt die CVP den bürgerlichen Angriff und reiht sie sich wie schon bei den Regierungsrats-Ersatzwahlen 2013 in die bürgerliche Allianz ein? Oder macht die CVP wie bei den Nationalratswahlen 2011 gemeinsame Sache mit den Mitte-Parteien? Fast wöchentlich bringt die «Basler Zeitung», angestachelt vom bestens informierten Arlesheimer Blogger Manfred Messmer, einen Artikel dazu, in dem die abwartende Haltung der CVP kritisiert wird. Diese Woche wurde Präsident Marc Scherrer gar als «Kuckucksei» diffamiert.

Ob bewusst oder nicht: Die entscheidende Frage ist dabei in den Hintergrund getreten. Stellt die SVP oder die FDP die dritte bürgerliche Kandidatur neben den Bisherigen Sabine Pegoraro (FDP) und Thomas Weber (SVP)? Dem Vernehmen nach ist ein Machtpoker der Parteileitungen um die Vorherrschaft im bürgerlichen Lager im Gang, der nicht so rasch beendet werden dürfte. Beide Parteien werfen gewichtige Argumente in die Waagschale.

Die FDP kann darauf pochen, dass ihre Kandidaten bei Majorzwahlen traditionell wählbarer sind. Die Freisinnigen verfügen über mehr und stärkere mögliche Bewerber. Schon 2013, bei der Ersatzwahl für Adrian Ballmer, hatte die FDP zu Gunsten der SVP verzichtet, damit diese nach der Abwahl von Jörg Krähenbühl mit Weber wieder in die Regierung einziehen konnte.

Dies alles ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass die SVP die mit Abstand grösste bürgerliche Fraktion im Landrat ist. Mit Ballmer und Pegoraro hatte die FDP bereits bei den letzten Erneuerungswahlen 2011 zwei Kandidaten gestellt. Eine Doppelkandidatur der SVP könnte den Freisinnigen eine Zerreissprobe ersparen, da bei einer zweiten FDP-Kandidatur das Risiko besteht, dass die parteiintern umstrittene Pegoraro verdrängt wird. Pegoraro selbst will sich dazu nicht äussern. Sie bekräftigt aber ihren Willen, bei den Wahlen erneut anzutreten und sich dem parteiinternen Nominationsverfahren zu stellen.

Gemäss Recherchen deutet vieles darauf hin, dass die FDP die dritte Kandidatur stellt. «Das wäre das einzig realistische Szenario, um einen weiteren bürgerlichen Sitz zu gewinnen», sagt ein bürgerlicher Politiker. Kämpfer, der pragmatischer und weitsichtiger agiert als Vorgänger Dieter Spiess, bestätigt dies, wenn er sagt, es solle der Kandidat «mit der grössten Wahlchance» nominiert werden. Gleich äussern sich FDP-Präsidentin Christine Frey und FDP-Fraktionspräsident Rolf Richterich.

Kämpfer muss bei seiner Basis für ein solches Szenario allerdings noch Überzeugungsarbeit leisten. Die Exponenten der SVP äussern sich forscher als jene der FDP. Die Reinacher Landrätin Caroline Mall sagt: «Ich würde mich zur Verfügung stellen, wenn die Partei das will. Ein zweiter SVP-Sitz in der Regierung würde dem Kanton gut anstehen.» Fraktionspräsident Dominik Straumann hatte bereits früher sein Interesse bekundet.

Bei der FDP ist der Birsfelder Gemeindepräsident Christof Hiltmann Favorit. Er dementiert ein Interesse nicht. «In Bezug auf meine Person mache ich zum jetzigen Zeitpunkt keine Aussagen», sagt er. Deutlicher wird der Binninger Gemeindepräsident Mike Keller. «Die Funktion eines Regierungsrats übernehmen zu dürfen, würde mich sehr reizen», sagt er. Nachdem das Sparpaket des Gemeinderats Ende Mai im Einwohnerrat Schiffbruch erlitten hatte, ist seine Position allerdings geschwächt. Als mögliche Kandidaten genannt werden auch Fraktionspräsident Rolf Richterich, die Hölsteiner Gemeindepräsidentin Monica Gschwind, der Therwiler Gemeindepräsident Reto Wolf und der Arlesheimer Gemeinderat Markus Eigenmann.

SVP und FDP sind unter Zugzwang, denn die anderen Parteien haben sich längst positioniert. Den Auftakt machte die SP bereits im März, als sich mehrere mögliche Interessenten vor den Sektionen präsentierten. Unterdessen ist klar: Die SP wird im August ein Zweierticket aufstellen. Favoriten sind die Liestaler Stadträtin Regula Nebiker und Nationalrat Eric Nussbaumer, wenn er denn will. Die Grünen wollen den Sitz von Isaac Reber verteidigen. Keine Gefahr geht dagegen von der BDP aus, die Ende Mai den völlig unbekannten Laufentaler Matthias Imhof nominierte.

Selbst die zaudernde CVP hat sich unterdessen festgelegt. Wie die BaZ am Montag berichtete, will die Partei bis zum Parteitag im August nicht über mögliche Allianzen befinden, was gleichbedeutend mit einem Alleingang ihres Regierungsrats Anton Lauber ist. Dessen ungeachtet wollen die Spitzen von SVP und FDP erst im Oktober nominieren, was in den eigenen Reihen zunehmend auf Kritik stösst. «Der Wahlkampf hat doch schon längst begonnen», sagt ein bürgerlicher Politiker. FDP-Präsidentin Frey sieht keine Nachteile. «Wir haben keinen Zeitdruck», sagt sie. Eine Nomination im Oktober reiche, um einen aktiven Wahlkampf zu betreiben. Bis zu den Wahlen im Februar 2015 bleiben den Bürgerlichen vier Monate, um den Rückstand aufzuholen.

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