Die Muslime treffen sich in der Region Basel in schmuddeligen Hinterzimmern und lärmigen Industriegebieten. Die Islamische Gemeinschaft von Liestal hatte zwar Glück bei der Standortsuche: Sie ist im zweiten Stock des Kulturhauses Palazzo am Bahnhof eingemietet. Der Dachstock bietet jedoch wenig Platz, die Infrastruktur ist veraltet. Muammer Kahraman, Präsident der Islamischen Gemeinschaft, sagt: «Als unsere Väter die Moschee 1973 eröffnet haben, waren sie froh, überhaupt einen Ort zu haben, um das Gebet zu verrichten.» Der heutigen Generation genüge das nicht mehr: «Sie braucht eine moderne Begegnungsstätte.» Der hundert Mitglieder zählende Verein plant deshalb die erste Moschee der Region in einem Neubau.

Das Bauwerk wird zwar in einem Industriegebiet liegen, dafür soll die Architektur eine zeitgemässe Umgebung bieten. Die Akyuez Architekten GmbH konzipiert ein zweistöckiges Gebäude mit einer runden Glasfassade an der Oristalstrasse. Morgen Montag läuft die Einsprachefrist für das Baugesuch ab. Die rund anderthalbjährige Bauzeit soll im Frühling beginnen. Das Projekt kostet inklusive Landkauf 3,7 Millionen Franken, wovon die Mitglieder eine Million als Eigenkapital beisteuern. Die Raiffeisenbank gewährt eine Hypothek.

Kahraman, der am Barfüsserplatz in Basel ein Uhren- und Schmuckgeschäft führt, vermeidet den Begriff Moschee. Er spricht von einem Kulturzentrum, da der Gebetsraum nur ein Teil davon sei: «Wir wollen nicht nur Aktivitäten für die muslimische Gemeinschaft anbieten, sondern für die gesamte Gesellschaft von Liestal.» Wie in einem reformierten oder katholischen Kirchgemeindezentrum sollen unterschiedliche Veranstaltungen durchgeführt werden. Zudem ist ein Ausbau der Integrationsprojekte vorgesehen: Die Islamische Gemeinschaft will im neuen Zentrum in grösserem Stil Deutsch- und Computerkurse anbieten. «Wir führen die Muslime in die Schweizer Gesellschaft ein», sagt Kahraman. So würde die Gemeinschaft mit den Kindern auch Ski fahren gehen in Adelboden oder Kandersteg.

Weniger um Integration bemüht ist die andere islamische Organisation von Liestal: der Kandil-Verein. Er hatte sein Lokal wenige Meter neben dem geplanten Kulturzentrum und wird in einer ETH-Studie als Treffpunkt gewaltpredigender Salafisten bezeichnet. Im Sommer geriet er in die Schlagzeilen der «bz», nachdem der Basler Kriegsreporter Kurt Pelda vor einem Islamisten-Hotspot gewarnt hatte. Inzwischen hat sich dieser unbemerkt von der Öffentlichkeit aufgelöst. Der Verein hat sein Lokal an der Oristalstrasse verlassen. Stadtpräsident Lukas Ott, sagt, er habe diese Nachricht «erleichtert» zur Kenntnis genommen. Wohin der Verein gezogen sei, wisse nur der Nachrichtendienst.

Die Islamische Gemeinschaft Liestal hingegen besteht aus Sunniten hanafitischer Rechtsschule, die etwa in der Türkei in der Merheit sind. Ott heisst diese Muslime willkommen: Der Gesamt-Stadtrat hat die Gemeinschaft empfangen und liess sich das Projekt vorstellen. Der Stadtpräsident ist begeistert und lobt die Architektur in den höchsten Tönen. Sie verkörpere Offenheit. Die Liestaler Muslime sind für ihn ein Vorbild: «Sie zeigen, dass es bei uns islamische Gemeinschaften gibt, die nichts zu tun haben mit aggressivem Islamismus, sondern gut integriert sind in der lokalen Gesellschaft.»

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