Von Annika Bangerter und Christian Mensch

Schwer Bewaffnete standen im Vorjahr während der Baselworld vor der Basler Markthalle. Drinnen glitzerten Diamanten im Millionenwert. Dieses Jahr hingegen brutzelt und dampft es auch während der Uhren- und Schmuckmesse in den Töpfen der Markthallen-Köche. Die Diamond-Show, die sich in den beiden vergangenen Jahren für viel Geld eingemietet hatte, wurde stillschweigend abgesagt. Alissa Goren, Sprecherin der veranstaltenden Rapaport-Gruppe, erklärt auf Anfrage, man habe sich nach Gesprächen mit den Anbietern und den Käufern entschieden, auf eine Ausgabe im Jahr 2016 zu verzichten. Eine entsprechende Option, den Vertrag mit der Markthalle zu verlängern, verstrich deshalb ungenutzt.

Vor einem Jahr hatte sich Martin Rapaport, Gründer der Gruppe und einer der einflussreichsten Personen im globalen Diamantenhandel, noch optimistisch gezeigt. Mal laufe das Geschäft eben besser, mal schlechter, er werde dessen ungeachtet weitermachen, sagte er. Dabei war schon die zweite Ausgabe mit vierzig Veranstaltern unter der grossen Markthallenkuppel nur noch halb so gut bestückt wie die Erstausgabe im Jahr 2014. Doch nun ist Rapaport die Lust auf einen Event in Basel vergangen. Ob es künftige Veranstaltungen in Basel geben wird, lässt die Sprecherin offen. Sicher sei nur, dass die Show auch im nächsten Jahr nicht stattfinde.

Die düsteren Aussichten überraschten die Diamentenhändler: 2013, als die neuen Messepläne geschmiedet wurden, sah die Welt im Blick durch die Edelsteine noch anders aus. Der Markt für Uhren und Schmuck in Europa werde sich in den kommenden vier Jahren auf über fünfzig Milliarden Dollar ausweiten, prophezeite eine Marktstudie. Die goldenen Aussichten führten nicht nur dazu, dass es Rapaport von New York nach Basel zog. Auch die UBM Asia, eine international tätige Messeorganisation, expandierte mit ihrer «Jewellery & Gem Fair» ins Umfeld der Baselworld. In den Messehallen von Freiburg im Breisgau startete sie 2014 parallel zur Basler Veranstaltung die Schmuck- und Edelsteinmesse JGF Europe. Rund 400 Aussteller präsentierten bei der ersten Ausgabe. In der aktuellen Ausschreibung ist noch von 300 Ausstellern die Rede. Wer jedoch die Ausstellerliste durchzählt, kommt auf 233 Anbieter von Schmuckwaren. Der Diamantenmarkt wurde in den vergangenen zwei Jahren durchgeschüttelt. Seit Mitte 2015 sanken die Preise für die edlen Steine um rund ein Viertel. Auslöser sind eine Überproduktion vor allem russischer und südafrikanischer Mienenunternehmen sowie ein massiver Einbruch der Nachfrage im wichtigen Absatzmarkt China. Die Folgen sind nun mit Verzögerung auch in Basel zu spüren.

Wenn sich der Trend fortsetzt, der Anfang Januar an der Genfer Uhrenmesse SIHH erkennbar war, wird auch die Baselworld dieses Jahr zu kämpfen haben. Die damit verbundene Konsolidierung trifft aber zuerst die Nebenmessen, die als Trittbrettfahrer die Uhren- und Schmuckmesse konkurrierten. Davon, dass deren Alleingang durch die wirtschaftliche Entwicklung gestoppt wurde, profitiert allerdings die Baselworld. Auf Anfrage erklärt Messe-Sprecher Christian Jecker, die meisten der ehemaligen Aussteller der Diamond-Show seien an die Baselworld zurückgekehrt.

Von der Absage der Diamond-Show profitieren auch die Köche in der Markthalle. Sie müssen während der Messe nicht ihr Mobiliar entfernen und Zwangsferien beziehen. Für die Markthallen AG, die bis Ende 2017 einen Vertrag für den alternativen Gastrobetrieb hat, fehlt allerdings ein kräftiger Zuzahler. Immerhin: Während der Art Basel ist mit der Volta-Show wieder ein Mieter für die ganze Markthalle angekündigt. Die Kunst- ist zwar nicht ganz so zahlungskräftig wie die Schmuckbranche. Doch dafür stehen auch keine schwer Bewaffneten vor der Tür.

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