Daniel Stolz wollte zumindest als Parteipräsident nicht als Verlierer vom Platz gehen, sondern als Stratege. Nachdem er am Sonntag seinen Nationalratssitz verloren hatte, gab er bekannt, dass er das Präsidium an der nächsten Generalversammlung der Basler FDP abgeben werde. Er betonte, dass dies parteiintern von Anfang an und unabhängig vom Wahlresultat festgestanden sei.

Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Stolz’ Parteikollegen wussten lediglich, dass er mit der Bestätigungswahl im April 2013 seine letzte vierjährige Amtsperiode als Präsident angetreten war. Der Zeitpunkt seines Rücktritts war parteiintern nicht bekannt. Mehrere FDPler bestätigen, dass sie davon ausgegangen seien, dass Stolz erst bei den Gesamterneuerungswahlen der Geschäftsleitung im zweiten Quartal 2017 sein Amt zur Verfügung stellen werde – nach den Grossrats- und Regierungswahlen 2016. Nun dankt Stolz bereits ein Jahr früher an der Generalversammlung vom 8. März ab. Die Suche nach einem neuen Präsidenten trifft die FDP unvorbereitet.

Am Montag entschied die Geschäftsleitung, kurzen Prozess zu machen. Sie setzt keine Findungskommission ein, sondern eine Prüfungskommission. Diese sucht nicht Kandidaten, sondern prüft jene, die sich bis Mitte Januar melden. Als Präsidentin dieser Kommission wurde FDP-Vizepräsidentin Silvia Schweizer eingesetzt, die Frau von Gewerbeverbandspräsident Marcel Schweizer. Sie werde nun «etwa fünf Leute» für ihre Kommission suchen, sagt sie. Als Mitglied bewirbt sich Grossrat Christian Egeler. Das Parteipräsidium komme für ihn hingegen nicht infrage: «Das sollte schon jemand übernehmen, der im Parlament ist.» Egeler wird wegen der Amtszeitbeschränkung nicht mehr antreten. Er wurde von der «Basler Zeitung» als möglicher Kandidat fürs Präsidium genannt. Ebenfalls erwähnt wurde Grossrat Mark Eichner. Doch auch dieser sagt ab: «Ich will und kann nicht.» Weil er eine junge Familie habe und Teilhaber einer Wirtschaftskanzlei sei.

Das Kandidatenfeld wird damit bereits eine Woche nach der Wahlschlappe übersichtlich. Als Favoriten gelten Luca Urgese und Stephan Mumenthaler, die im Grossen Rat Sitznachbarn sind. Beide bekunden grundsätzliches Interesse am Amt. Doch beide wollen sich noch nicht festlegen.

Mumenthaler sagt: «Ich werde die Zeit nutzen, um mir das zu überlegen.» Er traue sich das Amt schon zu, aber es sei eine Frage des Aufwandes, diese nicht bezahlte Funktion zu übernehmen, sagt der Novartis-Chefökonom. Ob er sich denn nicht vorstellen könne, sein Pharma-Pensum für die Politik zu reduzieren? «Ich habe eine Familie», antwortet er, «diese muss auch von etwas leben». Eine klare Vorstellung hat er dafür vom Profil des künftigen Parteipräsidenten: «Er müsste die Kommunikation nach aussen verstärken und ans 21. Jahrhundert anpassen.» In diesem Metier kennt sich Twitterer Urgese aus. Der 29-Jährige wurde 2013 zum Vizepräsidenten befördert und von Stolz als Nachfolger aufgebaut. Doch da der grosse Schritt nun überraschend früh käme, zögert Urgese. Er sagt: «Ich überlege mir eine Kandidatur. Das Präsidium ist aber eine grosse Verantwortung und zeitintensiv, daher möchte ich zuerst noch einige Gespräche führen.» Der Jurist arbeitet für die Basler Orion Rechtsschutz-Versicherung, eine Tochterfirma der Zurich und Vaudoise Versicherung. Ein Co-Präsidium mit Mumenthaler lehnt er ab: «Ich bevorzuge klare Verantwortlichkeiten.» Er findet aber wie Egeler, dass der künftige Präsident ein politisches Amt innehaben sollte.

Ex-Präsident Urs Schweizer widerspricht. Es sei kein Nachteil, wenn ein Parteipräsident nicht im Grossen Rat sitze. Es genüge, wenn Grossräte in der Geschäftsleitung sind. Schweizer hat gegenüber beiden Kronfavoriten Bedenken. Er schätze Urgese zwar sehr, da dieser engagiert und intelligent sei: «Ich würde aber jemanden suchen, der mehr Lebenserfahrung hat und in der Wirtschaft vernetzt ist.» Mit seinen 47 Jahren erfüllt Mumenthaler das erste Kriterium. Doch als Pharmalobbyist vertritt er nicht die Wirtschaft, wie sie sich Schweizer vorstellt. «Ich würde einen Gewerbler vorziehen», sagt er. Namen könne er keine nennen. Als die Findungskommission der FDP 1997 auf ihn zugekommen sei, habe aber auch niemand mit ihm gerechnet. Nur: Da es diesmal keine Findungskommission gibt, sind Kandidaten ausserhalb des engen Parteizirkels nicht vorgesehen.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper