Die Moschee in Pratteln hat mehr Besucher als die beiden grossen Kirchen im Dorfzentrum. Die reformierte Kirche ist während der Herbstferien geschlossen. In der Moschee hingegen treffen sich die Männer jeden Tag fünfmal zum Gebet. Es ist die grösste albanische Moschee der Region. Sie befindet sich an einem typischen Ort für eine Moschee: im dritten Stockwerk eines heruntergekommenen Industriegebäudes im Gewerbegebiet Grüssen.

Nach zehn Jahren ist sie dort nicht mehr willkommen. Der Vermieter verlangte zuerst einen Namenswechsel. Die Wörter «Moschee» und «Gebetsraum» wollte er streichen lassen. Gegen ein Klublokal eines «albanischen Kulturvereins» hätte er hingegen nichts einzuwenden gehabt. Die Muslime weigerten sich, auf diesen Etikettenschwindel einzugehen. Dann wurde das Gebäude verkauft.

Der neue Vermieter kündigte den Vertrag mit dem Verein ohne Angabe von Gründen. «Doch der Grund ist offensichtlich: Er will keine Moschee», sagt Kassier Rrahman Selmani. Dabei habe der Verein die Miete von 2500 Franken pro Monat stets bezahlt und angeboten, einen höheren Preis zu zahlen. Zudem habe die Moschee nie Anlass für Beschwerden gegeben: «Bei uns gibt es keine Musik, keinen Alkohol, keinen Tanz – also keinen Grund für Probleme.» Auf Anfrage der «Schweiz am Sonntag» will sich der Vermieter nicht äussern.

Vor zwei Jahren begann der islamische Verein die Suche nach einem neuen Lokal. Seither hat er über 150 Bewerbungen verschickt. «Wir haben uns für jeden freien Raum in Pratteln mit 200 bis 1000 Quadratmetern beworben», sagt Selmani. Meistens erhielt er keine Antwort.

Cem Karatekin, Präsident der Basler Muslim-Kommission, kennt das Problem. Gleich vier Moscheen in der Region sind derzeit gezwungen, ein neues Lokal zu suchen. Die angefragten Vermieter würden meistens sagen, dass der Raum schon vergeben sei, sobald sie das Wort «Moschee» hören würden. «Man spricht nicht offen darüber», sagt Karatekin, «aber man hat Angst, dass man mit einer Moschee Probleme kriegt.» Auch die älteste Moschee der Stadt, die Kasernen-Moschee, sucht ein neues Lokal. Ein Ende ist nicht in Sicht. «Fast jede Woche besichtigen wir einen neuen Ort. Überall, wo wir hingehen, ist die Rückmeldung negativ», erzählt Karatekin.

Am kommenden Mittwoch reicht die Muslim-Kommission eine Petition mit 3000 Unterschriften ein. Sie fordert, dass die Moschee auf dem Kasernenareal bleiben darf. Angesichts der dreissig Millionen Franken für den Kasernenumbau sei es doch kein Problem, wenn der Kanton rund 100 000 Franken in eine neue Moschee investieren würde, meint Karatekin.

Die politische Offensive hat bisher keinen Stimmungswandel erzielt. Selmani zeigt Verständnis: «Ich kann verstehen, dass viele Leute den Islam als Bedrohung wahrnehmen, wenn sie die Fernsehbilder über den Islamischen Staat IS sehen.» Dabei habe der IS nichts mit dem Islam zu tun. Der Koran fordere niemanden zum Töten auf. Die Vorurteile seien unbegründet: «Die Leute, die in eine Moschee oder eine Kirche gehen und beten, sind meistens nicht jene, die für das Schlechte auf dieser Welt verantwortlich sind.» In Pratteln versucht der islamische Verein, die Jugendlichen zu überzeugen, in die Moschee zu kommen, anstatt an der Tramstation Alkohol zu trinken: «Die Jugendlichen, die zu uns kommen, machen keine Probleme.»

Es gibt aber auch Lichtblicke für die Moschee in Pratteln. Im Gegensatz zur Kasernen-Moschee ist sie auf ihrer langwierigen Raumsuche fündig geworden. Ende Monat zieht sie um. Obdach hat sie bei keiner gewöhnlichen Vermieterin gefunden: Es handelt sich um die kriselnde Buchhändlerin Herder AG, die auf christliche Literatur spezialisiert ist. Diese vermietet 460 Quadratmeter für 4500 Franken monatlich im Gewerbegebiet Lachmatt. Der neue Standort ähnelt dem alten. Selmani will sich nicht beklagen: «Es ist nicht ideal, dass die Moscheen in Gewerbegebiete verbannt werden. Aber wenn wir anderswo stören, bleiben wir dort und beten.»

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper