Im realen Leben haben die Baselbieter Linksparteien wenig zu lachen und wenig zu bieten. Seit den Gesamterneuerungswahlen ohne echten Vertreter in der Regierung überlassen sie selbst im Landrat die Opposition den bürgerlichen Mehrheitsparteien.

Doch dafür können sie nun im spielerischen Wahlkampf auftrumpfen. Denn gewählt wird auch im Museum Baselland. In der Ausstellung «Gesichter» stehen dreissig Kandidierende zur Wahl, die auch im echten Leben um Stimmen werben. Politisch sind sie nicht offenkundig zu verorten, da ihre Parteizugehörigkeit nicht verraten wird. Wer ihr Konterfei nicht bereits kennt, kann ihre Gesinnung nur erraten.

Doch selbst politisch wenig Bewanderte werden bei der Auswahl, wie sie präsentiert wird (siehe Bild), stutzig werden: Das Verhältnis von 19 Frauen zu 11 Männern widerspricht dem Erfahrungswert. Bei den aktuellen Basler Grossratswahlen standen 268 kandidierende Frauen 495 kandidierenden Männern gegenüber. Auch der Altersschnitt entspricht nicht der gängigen Auswahl. Erneut ein Blick in die Basler Statistik: Der Grossratskandidat war im Schnitt 46 Jahre alt. Nur gerade ein Drittel der Kandidierenden zählte weniger als 40 Jahre; über vierzig Prozent waren älter als 50 Jahre. Dass ein verzerrter Blick auf die politische Baselbieter Realität zur Zusammenstellung der Ausstellungs-Kandidaten geführt hat, bestätigt sich beim Aufschlüsseln des Parteienproporzes: Je acht Kandidaten stellen SP und CVP, die Grünen sind mit sieben, die FDP mit drei sowie die SVP und die Grünen-Unabhängigen mit je zwei Mitgliedern vertreten.

Gefragt ist allerdings auch nicht eine politische Kernkompetenz. Beurteilt werden vielmehr Aussagen wie: «Mit dieser Person würde ich es ertragen, fünf Stunden in einem Lift zu stecken», oder: «Diese Person würde ich in Beziehungsfragen um Rat fragen», oder: «Dieser Person würde ich meine drei Kinder ohne Bedenken für zwei Tage anvertrauen». Während solche Aussagen suggestiv eher eine Kandidatin bevorzugen, könnte – vorurteilsbehaftet – eher ein Kandidat obsiegen mit der Aussage: «Diese Person würde ich mir als meinen direkten Vorgesetzten wünschen.»

Die fehlende Kandidatin
Das bisherige Resultat nach zwei Wahlwochen durch die Museumsbesucher zeigt: Die grüne Parteipräsidentin Florence Brenzikofer (untere Reihe, zweite von links) erhält in fünf von sechs Kategorien die meisten Stimmen, auch als Wunsch-Vorgesetzte. Den grössten Vorsprung erzielt die dreifache Mutter als Kinderbetreuerin. In Beziehungsfragen liegt sie gleichauf mit der ebenfalls grünen Politikerin Maya Graf. Nur in der Aussage «Diese Person würde ich als Begleitung für ein Überlebenscamp im Dschungel auswählen» ist Brenzikofer dem Jungpolitiker Balint Csontos unterlegen.

Interessant wäre gewesen, welches Resultat die FDP-Politikerin Monica Gschwind in diesem Wettbewerb erzielt hätte. Doch vor diesem Plebiszit fürchteten sich wohl die Museumsmacher: Gschwind ist Baselbieter Bildungs-, aber auch Kulturministerin und derzeit auf der Suche nach Sparpotenzial.

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