Herr Urgese, Sie wurden vom abtretenden FDP-Präsidenten Daniel Stolz als Nachfolger aufgebaut. Dennoch zögerten Sie mit einer Kandidatur. Weshalb?
Luca Urgese: Nach der Rücktrittserklärung war es wichtig, den Ersatzprozess aufzugleisen. Diese Woche hat die Wahlvorbereitungskommission einen Aufruf an alle Mitglieder verschickt, dass sich Interessenten fürs Präsidium bewerben sollen. Das ist für mich nun der richtige Moment, um meine Kandidatur als Präsident anzumelden: Ja, ich will.

Als Wahlkampfleiter sind Sie für die Wahlniederlage verantwortlich. Weshalb halten Sie sich dennoch für den richtigen Mann?
Klar trage ich als Wahlkampfleiter eine Mitverantwortung. Die Frage ist: Haben wir fundamental etwas falsch gemacht? Ich denke nicht. Aber wir können uns sicher noch verbessern. Die FDP ist in Basel-Stadt auf dem richtigen Weg und deshalb halte ich mich für den richtigen Mann, diesen Weg weiterzugehen.

Es geht also weiter wie unter Stolz?
Wir sind heute die stärkste bürgerliche Regierungspartei in Basel-Stadt. Das heisst, wir müssen nicht alles auf den Kopf stellen. Ich habe mir zwei Punkte überlegt. Erstens können wir bei der Mobilisierung unserer Parteibasis zulegen. Zweitens können wir uns bei der Kommunikation verbessern.

Nur ein Kommunikationsproblem?
Wir haben Verbesserungspotenzial im Bereich Social Media. Bei den Leuten kommt zu wenig an, was unsere Grossräte täglich leisten. Wir müssen sowohl die Kommunikation gegen innen als auch gegen aussen verbessern.

Welche Partei macht dies besser?
Ich will nicht andere Parteien imitieren, sondern den Standard setzen. Ich persönlich verschicke zum Beispiel jeden Monat einen Newsletter an alle Leute, die diesen wollen, in dem ich informiere, was der Grosse Rat entschieden hat und was dabei aus meiner Optik wichtig ist. Dies könnte man auf die gesamte Partei ausdehnen.

Ex-Präsident Urs Schweizer sagt, er wünsche sich einen Präsidenten, der mehr Lebenserfahrung habe und in der Wirtschaft besser vernetzt sei als Sie.
Ich mache nun doch schon seit 13 Jahren Politik. Damals bin ich den Jungfreisinnigen beigetreten. Ich war acht Jahre im Vorstand und vier Jahre Präsident. Mangelnde politische Erfahrung kann man mir nicht vorwerfen, finde ich. Zur Lebenserfahrung: Das Alter alleine ist nicht entscheidend. Ich habe in meiner bisherigen Karriere genügend gemacht, um eine Partei führen zu können. Zudem bin ich auch in der Wirtschaft vernetzt: Ich bin Mitglied der Parlamentariernetzwerke des Gewerbeverbands und der Handelskammer.

Novartis-Chefökonom Stephan Mumenthaler erwägt ebenfalls eine Kandidatur. Er kämpfte für den Partnerschaftsdeal, weil dies im Interesse der Wirtschaft sei. Sie, Herr Urgese, gehörten hingegen zur gescheiterten Minderheit der Nein-Sager. Weshalb überzeugte Sie Mumenthaler nicht?
Wir haben dasselbe Anliegen: Wir wollen beide eine starke Universität und gesunde Kantonsfinanzen. In diesem Fall unterschieden wir uns in der Art und Weise, wie wir dieses Ziel erreichen wollen. Langfristig ist der Partnerschaftsdeal nicht gut für die finanzielle Entwicklung des Kantons. Deshalb habe ich mich entschieden, gegen diesen Deal zu sein. Ich respektiere aber, dass dies eine Mehrheit der Fraktion anders beurteilt.

Sollte ein Präsident nicht die Mehrheit der Partei vertreten?
Wenn man die Gesamtheit der Geschäfte betrachtet, stimme ich sehr oft mit der Mehrheit. Bei einzelnen Geschäften habe ich eine eigene Meinung. In einer freiheitlichen Partei hat es Platz dafür.

Die LDP war geschlossen für den Deal und kritisierte die FDP für die Attacken. Können Sie das nachvollziehen?
Die LDP stellt mit Christoph Eymann den Erziehungsdirektor, der massgeblich an der Entstehung des Deals beteiligt ist. Deshalb verstehe ich, dass sie den Deal unterstützt hat.

Lange schien es nur eine Frage der Zeit, bis die LDP ihre Eigenständigkeit aufgibt. Nun ist sie sogar stärker als die FDP.
Wir hatten jetzt ein einzelnes Wahlergebnis, bei dem die LDP stärker als die FDP war. Aber im Kanton bleibt die FDP die stärkere Partei. Es ist mein erstes Ziel, sollte ich Präsident werden, dies beizubehalten. Wir müssen die Wähler mit unserer täglichen Arbeit davon überzeugen, dass wir die Partei sind, welche die Freiheit der Bürgerinnen und Bürger am besten vertritt.

Vertritt denn die FDP diese Freiheit tatsächlich besser als die LDP?
Die FDP hat in der Bevölkerung eine breitere Basis. Sie ist zudem auch national präsent und mit anderen Kantonalparteien vernetzt.

In Basel ist aber die FDP nicht mehr national präsent, sondern die LDP.
Mein Ziel ist es, in vier Jahren wieder einen Sitz zu holen.

Sie gelten als Freund der SVP und wollen ihr zu einem Regierungssitz verhelfen. Haben Sie überhaupt Differenzen zur SVP?
Ich habe zur SVP keine spezielle Nähe. Sie vertritt Positionen, mit denen ich gar nichts anfangen kann: bei der Masseneinwanderungs- und Durchsetzungsinitiative sowie bei der Menschenrechtskonvention. Aber wenn wir der bürgerlichen Politik in Basel zum Durchbruch verhelfen wollen, müssen wir mit der SVP zusammenzuarbeiten.

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