Sie sind vielleicht knapp zwanzig Jahre alt, die vier Youngsters. Beladen mit einem Sack Grillkohle, einer Einkaufstasche und einer grossen Lautsprecherbox. Daraus rummst es laut, als sie auf die Ueli-Fähre Santihans springen. «Rémy, ist die Lautstärke okay?», ruft einer dem Fährimaa zu. Dieser grinst breit, schnippt mit den Fingern und macht eine kleine Pirouette. «Auf meiner Fähre darfst du alles machen, Hauptsache, du machst es gern.»

Rémy heisst mit vollem Namen Rémy Wirz, aber das spielt keine Rolle. Er ist einfach Rémy, der Fährimaa. Seit zwölf Jahren pendelt der 59-Jährige mit der «Ueli» auf dem Bach, verbindet das Gross- mit dem Kleinbasel – auf der einen Seite der St. Johanns-Park, auf der anderen die Buvette Dreirosen. Rémys Fähre ist die letzte nach der St. Alban-, der Münster- und der Klingental-Fähre; danach fliesst der Rhein bald auf französischem Gebiet. Rémy sagt: «Hier geht alles ein bisschen gemütlicher und familiärer zu und her.» Touristen würden selten mitfahren. Dafür zähle er umso mehr Stammgäste, «einen unglaublich breiten Stamm, von jung bis alt, von arm bis reich. Die meisten leben und arbeiten auf der einen oder anderen Seite. Andere kommen einfach zum Vergnügen.» Expats oder Angestellte von Novartis seien indes selten darunter. Rémy kneift die Augen zusammen, fasst sich an den rot-weiss melierten Bart und blickt zum Novartis-Campus hinüber, wo gestern der Elsässerrheinweg eröffnet wurde. Dieser beginnt am St. Johanns-Parkweg, in unmittelbarer Nähe der Grossbasler Anlegestelle.

Rémy, der die Fähre gepachtet hat, hofft, dass die neue Promenade viele Besucher anzieht. «Davon könnte ich profitieren.» Er rechne mit zehn bis zwanzig Prozent mehr Umsatz. «Das wäre nicht schlecht.» Seine Fähre sei die umsatzschwächste der vier Basler Fähren. Es kommt vor, dass Rémy oder einer seiner sieben Ablöser an einem grauen Wintertag nicht mehr als acht Franken einnehmen.

Die Durststrecke ist vorbei
Die Zukunft der «Ueli», die einst Schlachthaus-Fähre genannt wurde und Arbeiter vom Horburg- ins St. Johanns-Quartier transportierte, war deshalb zeitweise ungewiss. Bei der Eignerin, der Stiftung Basler Fähren, hat es laut Remy Überlegungen gegeben, den Betrieb einzustellen. «Das ist mit der Eröffnung der Promenade zum Glück vom Tisch.» Und nach einer langen Durststrecke habe er dank des Supersommers 2015 wieder deutlich mehr Gäste an Bord gehabt. Die Einnahmen seien um die Hälfte hochgeschnellt. Rémy sagt, er sei deutlich wetterabhängiger als die Kollegen rheinaufwärts, da Touristen auch bei schlechtem Wetter die Fähren nützen würden. «Deshalb ist es für mich auch so wichtig, dass die Uferpromenaden auf beiden Seiten aufgewertet wurden. Das zieht Leute an.»

Die Sanierung des unteren Rheinwegs im Kleinbasel im 2010 habe ihm zwar geholfen. «Aber auf der Grossbasler Seite hat sich lange Zeit nichts getan. Als ich vor zwölf Jahren Pächter der Ueli-Fähre geworden bin, war das Gebiet ziemlich tot.» Erst zaghaft habe sich das Quartier entwickelt, etwa mit der Aufhübschung und Belebung des Voltaplatzes. Seine grösste Hoffnung lag aber im Elsässerrheinweg, dessen Eröffnung immer wieder verschoben wurde.

Die Laune verderben liess sich Rémy davon aber nicht. «Weisst du, hier ist immer gute Stimmung. Das ist mir wichtiger als der Umsatz, das ist Lebensqualität.» Deshalb müsse er auch nicht auf die Malediven verreisen, um sich zu erholen. «Trotzdem: Ein bisschen mehr Unterstützung wäre gut.»

Finanziert wird der Unterhalt der vier Fähren von den rund 4000 Mitgliedern des Vereins und dank Spenden lokaler Institutionen. Eine Subvention des Kantons gibt es nicht. Der Pharmakonzern Roche ist grosszügig: 2014 finanzierte das Unternehmen die Renovation der Münster-Fähre. Viele Angestellte nutzen laut Rémy vor allem diese Fähre rege, um vom Gross- ins Kleinbasel zu kommen. Er sagt, Novartis habe vor längerer Zeit die «Ueli» unterstützt. «Dann wurde jedoch Vasellas Lohn erhöht, und vorbei war’s mit dem Sponsoring», sagt Rémy und lacht.

«Man sieht sich»
Das Kleinbasler Ufer naht. Es wartet eine Gruppe Kita-Kinder mit leuchtend gelben Warnwesten. Die Kleinen treten ungeduldig von einem Bein aufs andere und reden wild durcheinander. An diesem Nachmittag ist die «Ueli» gut besetzt. Da sitzt ein junger Herr mit Stöpseln in den Ohren und einer Einkaufstüte in der Hand, neben ihm eine ältere, aparte Dame aus dem St. Johann, die zum Spazieren ans Kleinbasler Ufer will. Sogar Prominenz ist dabei: Claus Theo Gärtner, bekannt als Matula aus der Serie «Ein Fall für zwei». «Man sieht sich», murmelt er Rémy zum Abschied zu, und wird von den Kindern, die auf die Fähre stürmen, fast überrannt. «Ein guter Freund, der kommt immer wieder», bemerkt der Fährimaa dazu. Wie so viele andere auch.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper