Von Rahel Koerfgen

Lustig turnen sie im Schaufenster herum, die Schimpansen. Halten pinkfarbene Lollis hoch und ziehen an Christbaumkugeln. Daneben dreht sich ein Pandabär im Kreis, kritisch beäugt von einem Löwen. «Weihnachten im Zolli», steht in grossen Lettern am Schaufenster des Globus Basel. Die Dekorateurin rückt die letzten Stofftiere ins rechte Licht und drapiert den Weihnachtsschmuck am Baum. Roger Rittscher sagt mit Blick zu den Stofftieren: «Jetzt sind wir ganz auf die Festtage eingestellt.» Zu früh sei das keineswegs, sagt der Geschäftsführer des Globus Basel: «Unsere Kunden kaufen bereits seit Mitte Oktober Weihnachtsschmuck und -dekoration ein. Im Vergleich zum Vorjahr haben wir davon bis dato dreissig Prozent mehr verkauft.» Und das vergangene Jahr sei kein schlechtes gewesen. Zudem dürfe man nicht vergessen, so Rittscher, dass bereits in zwei Wochen der erste Advent sei.

Das Weihnachtsgeschäft ist für die Händler das wichtigste des Jahres. Von Mitte Oktober bis Ende Dezember wird mehr als ein Drittel des Jahresumsatzes erwirtschaftet. Bei dem frühlingshaften Wetter der vergangenen zwei Wochen ist den Baslern allerdings nicht nach Weihnachtseinkäufen zumute. Rittscher sagt, dass der Monat Oktober überdurchschnittlich gut gelaufen sei, «der warme November hat uns jetzt allerdings einen Strich durch die Rechnung gemacht, wir leiden unter dem Wetter».

Auf der anderen Seite der Rheinbrücke, bei Manor, spricht man von einem verhaltenen November. Sprecherin Elle Steinbrecher sagt. «Die Winterkollektion hängt auf den Bügeln, aber der Winter lässt auf sich warten.» Der Weihnachtsverkauf hat hier offiziell am Freitag begonnen, zwei Wochen später als bei Globus. An der Greifengasse dreht sich, vor dem Hintergrund der Euroschwäche, alles um den Preis: «1000 Geschenkideen für weniger als 100 Franken» lautet das Manor-Motto. Eine erste Bilanz zum Weihnachtsgeschäft zu ziehen, sei noch zu früh, so Steinbrecher.

Auch Urs Meier, Sprecher von Coop City, gibt sich zugeknöpft. Er sagt lediglich, dass sich die Warenhäuser, darunter etwa der Pfauen an der Freien Strasse, «im aktuellen anspruchsvollen Umfeld» gut behaupten würden. Man setze auf «tolle Weihnachtsaktionen mit ausgewählten Geschenkideen».

Globus-Basel-Chef Rittscher wagt derweil eine erste Prognose: «Meine Erwartungen sind positiv. Die Treue unserer Stammkunden ist glücklicherweise gross.» Zudem sei der Zulauf von Touristen derzeit «sehr stark, vor allem von Amerikanern». Rittscher geht deshalb von einem leichten Plus der Weihnachtsverkäufe gegenüber dem Vorjahr aus. Er hat Grund, optimistisch zu sein: «2015 war bis jetzt wider Erwarten kein schlechtes Jahr. Wir liegen beim Umsatz nur knapp unter Vorjahr und damit besser als andere Regionen in der Schweiz. Der Globus Basel hat trotz seiner Nähe zur Grenze nicht stark gelitten.»

Weniger redselig gibt sich Marc Winiger. Er leitet die Parfümerie Hyazinth an der Falknerstrasse und will auf die Frage, wie das Jahr 2015 bis jetzt gelaufen sei, nicht eingehen. Fürs Weihnachtsgeschäft gibt er sich verhalten optimistisch: «Aus heutiger Sicht ist es schwer abzuschätzen. Wir gehen aber davon aus, dass es in ähnlichem Rahmen wie letztes Jahr sein wird.»

Die Aufhebung des Euromindestkurses am 15. Januar 2015 weckte schlimme Befürchtungen bei den Basler Händlern. Gegenüber dem nahen Ausland waren ihre Produkte auf einen Schlag 25 Prozent teurer, sie rechneten mit massiven Umsatzverlusten. Umso erstaunlicher ist jetzt der positive Grundtenor im Hinblick auf das Weihnachtsgeschäft. Rittscher erklärt dazu, die «massive Abwanderung der ersten Wochen nach dem SNB-Entscheid» habe sich bei Globus schnell wieder gelegt. Ein Insider wiederum meint, dass dies nicht überall der Fall gewesen sei. «Bei Manor hat der Abwanderungseffekt bis Ende Sommer angehalten. Jetzt beruhigt sich die Situation langsam wieder. Manor-Kunden sind preissensibler als jene von Globus.»

Rittscher betont, dass auch Globus die Preise angepasst habe. Als Reaktion auf die Euroschwäche habe man zudem vermehrt auf den Verkauf von Nischenprodukten gesetzt, etwa Schmuck von lokalen Designern, der ennet der Grenze nicht erhältlich sei. «Und gerade in der Vorweihnachtszeit bringt man mit besonderen Events die Kunden in den Laden.» So findet im Globus in den kommenden Wochen eine Champagnermesse statt und Styling-Workshops für die Festtage. «Damit können wir uns vom Onlineshopping abheben. Die Kunden wollen das Erlebnis», sagt Rittscher. Für den Stammkunden-Event am vergangenen Dienstag hat er eine Schneemaschine gemietet, die beim Eingang für winterliche Stimmung sorgte – «trotz der fast tropischen Temperaturen».

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