Wer wird der vierte Kandidat der bürgerlichen Allianz von SVP, FDP und CVP für die Baselbieter Regierungsratswahlen? Mit Mike Keller, Monica Gschwind, Dominik Straumann und Caroline Mall haben zwei FDPler und zwei SVPler ihr Interesse angemeldet, zwei Männer und zwei Frauen. Der freisinnige Binninger Gemeindepräsident Mike Keller gilt dabei als parteipolitischer Aussenseiter – und meint gerade deshalb, der ideale Kandidat zu sein.

Herr Keller, weshalb sollen die Parteipräsidenten von SVP, FDP und CVP ausgerechnet Sie zu ihrem vierten Kandidaten küren?
Die drei Parteipräsidenten müssen sich fragen, ob sie einen Kandidaten suchen, der ihnen irgendwie am meisten entspricht, oder einen, der die grössten Chancen bei der Wählerschaft hat. Ich denke, wenn die bürgerliche Allianz mit vier Kandidaten antritt, sollte das Ziel auch sein, dass alle vier gewählt werden.

Aufgrund der Parteienverhältnisse im Parlament drängt sich kein vierter bürgerlicher Regierungsrat auf.
Ausschlaggebend für die Wahl in die Regierung wird nicht allein das Parteibüchlein sein.

Die Regierung soll nicht das Parlament parteipolitisch abbilden?
Nicht zwingend. Es ergibt sich damit vielmehr ein gewisses Gleichgewicht zwischen Regierung und Parlament.

Oder eine gegenseitige Blockade?
Derzeit ist gerade im Kanton Baselland die Parteipolitik sicher stärker ausgeprägt als die Sachpolitik. In Zukunft werden uns jedoch vermehrt Themen beschäftigen, die nicht parteipolitisch gelöst werden können. Da muss eine Regierung Vorschläge erarbeiten, die mehrheitsfähig sind. Da braucht es Sachpolitik und Sachverstand.

Und da sehen Sie sich gefragt. Ihre Kandidatur ist also eine Art überparteiliche Bewerbung?
Das ist so.

Politisch stehen Sie zwischen FDP und CVP. Die SVP wird weit über ihren Schatten springen müssen, um Sie unterstützen zu können.
Wenn man an die vereinbarte bürgerliche Allianz der Parteien glaubt, ...

... dann hat man vor allem einen starken Glauben.
... dann darf diese Hürde aber für die SVP auch nicht so hoch sein. Ich bin mir des erforderlichen Spagats zwischen CVP und SVP bewusst und auch davon überzeugt, diesen als Regierungsrat erbringen zu können. Wir haben ja nicht nur eine bürgerliche Allianz gebildet, um gemeinsam in die Wahlen zu ziehen, sondern um gemeinsam bürgerliche Politik zu betreiben.

Ist das so?
Dem Wähler wird gesagt, es gebe eine geeinte bürgerliche Seite. Das darf nicht nur für die Wahlen gelten, sondern muss auch danach gelebt werden.

Portiert von rechts und gewählt von Mitte-links sind Sie der Kandidat mit den grössten Chancen?
Ich habe mich in der Vergangenheit auf kantonaler Ebene als sachorientierter Politiker mit gesundem Menschenverstand positioniert und meine deshalb, dass ich intakte Chancen habe. Sonst würde ich nicht mitmachen.

Nochmals: Weshalb ein Freisinniger? Weshalb ein Mann?
Freisinnige können den Brückenschlag zwischen CVP und SVP einfacher erbringen als jemand von der SVP oder von der CVP. Und zur Frauenfrage: Wir müssen heute keinen Bonus mehr verteilen. Die Zeiten sind vorbei, dass wir zwischen Mann und Frau differenzieren müssen. Es geht um Qualität und Leistung.

In Ihrer Logik muss auch der künftige bürgerliche Ständeratskandidat ein Freisinniger sein?
Die SVP ist unbestritten die stärkste Kraft, doch leider hat sie immer wieder die Schwierigkeit, geeignete Kandidaten stellen zu können, die nicht nur von SVP-Anhängern gewählt werden. Bei der FDP gibt es derzeit Personen, die das Profil hätten.

Die eigentliche Gretchenfrage lautet: Wie halten Sie es mit der Fusion?
Ich lege ein Nein in die Urne. Nicht weil ich ein Fusionsgegner bin, sondern weil ich die Arbeit, die damit verbunden ist, als verlorene Zeit ansehe. Es ist nicht zeitgemäss, über die Zusammenlegung zweier Halbkantone zu diskutieren. Wir brauchen eine Reorganisation der gesamten Schweiz. Es gibt zu viele Kantone, zu viele Gemeinden. Das wird sich in den nächsten fünfzig Jahren ändern.

Mit diesem Nein erhöhen Sie Ihre Chancen, nominiert zu werden.
Diese Haltung vertrete ich schon lange. Denn eine Fusion bringt der Wirtschaft keine Vorteile, sie bringt für die Bevölkerung keine Änderung und bindet gute Leute, die für den Kanton arbeiten, für viele Jahre. Wir müssen gemeinsame Zukunftspläne schmieden und Kooperationen eingehen. Dann werden sich eines Tages Fusionen von selbst ergeben.

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