Die Ankündigungen klingen beinahe traumhaft. Rund 40 000 Einwohner aus Basel, Allschwil, Hégenheim, Hésingue und Saint-Louis werden in zwölf Gehminuten ein Naherholungsgebiet im Grenzgebiet erreichen können. Der Landschaftspark, der den Projektnamen Parc des Carrières trägt, ist ein Vorhaben der Internationalen Bauausstellung 2020 (IBA).

Wo heute Maisfelder-Monokulturen, Kiesgruben und Familiengärten das Landschaftsbild prägen, soll eine artenreiche Landschaft mit Weihern und Trockenbiotopen entstehen. So kündete es die IBA im Oktober 2013 an. Ein knappes Jahr später präsentierte der Basler Projektentwickler Andreas Courvoisier eine erste Vorstudie, wie der Park aussehen könnte. Doch vieles blieb unklar: Wer finanziert dieses Projekt? Und sind die Landbesitzer, die Kiesabbaufirma Kibag, das Bürgerspital Basel und die Einwohnergemeinde Basel-Stadt überhaupt einverstanden, dass auf ihrem Grundstück ein Park entsteht? Es wäre nicht das erste Mal, dass ein Planer Ideen für ein Grossprojekt auf fremdem Land entwirft, das sich nicht umsetzen lässt. So lehnte das Basler Stimmvolk beispielsweise im September 2013 die Pläne für einen Central Park auf dem Gleisfeld des Bahnhofs Basel ab.

Andreas Courvoisier wehrt sich gegen den Vorwurf, mit dem Parc des Carrières ins Blaue hinaus zu planen. Im Gegensatz zu den SBB, die nie ein Interesse an einem Central Park auf dem Bahnhofsdach hatten, seien die Landbesitzer bei diesem Projekt von Anfang an in den Planungsprozess einbezogen worden. Ausserdem habe das Projekt die Unterstützung der Politik.

Unter der Leitung der IBA hat sich eine IG Landschaftspark gebildet. Mit dabei sind Allschwil, Basel-Stadt, Ville de Saint-Louis, Ville d’Hégenheim und das Bürgerspital Basel als wichtigster Landbesitzer. Sie alle sollen sich mit einer Absichtserklärung zum Projekt bekennen. Einige haben diese Erklärung bereits unterschrieben, bei anderen sei die Unterschrift «auf gutem Weg», sagt die IBA auf Anfrage. Die IG Landschaftspark trägt auch einen Teil der Planungskosten. So hat Allschwil für das laufende Jahr 20 000 Franken budgetiert. Damit ist in etwa ein Sechstel der Kosten für die Planung dieses Jahres gesichert. Ab 2016 sollen dennoch schon die ersten Wege gebaut und artenreiche Flächen entwickelt werden. «Dieser erste Schritt zu einem Parc des Carrières light kostet mehrere Hunderttausend Franken», sagt Courvoisier. Rund 200 000 Franken habe die IBA als Startkapital beisammen. 30 000 Franken steuerte das in diesem Gebiet ansässige Allschwiler Pharmaunternehmen Actelion bei. Das restliche Geld komme unter anderem von der Ernst Göhner Stiftung, der Singenberg Stiftung, der Fondation de Bienfaisance Jeanne Lovioz oder der Stiftung zur Förderung der Lebensqualität Region Basel.

Einen weiteren Schub erhofft sich Courvoisier durch die am vergangenen Wochenende gewonnene Abstimmung über die Umfahrung Allschwil: «Wenn der Kanton allein 180 Millionen in einen Zubringer investiert, würde er die Pläne für den Parc des Carrières in die Planung einbeziehen», ist er überzeugt. Tatsächlich bestätigt Alain Aschwanden, Projektleiter der Umfahrung Allschwil, dass eine Koordination stattfinde: «Das Konzept kann als Grundlage dienen und Anregungen geben, in welche Richtung ökologische Ausgleichsmassnahmen zur Umfahrung gehen könnten.»

Geht es nach den Plänen von Courvoisier, würde gar ein Abzweiger des Allschwiler Dorfbachs in das Naherholungsgebiet geleitet werden. Doch das sei Zukunftsmusik, gesteht selbst Courvoisier ein: «Zuerst müssen wir mit ersten Wegen und ökologischen Korridoren den Grundstein für den Landschaftspark legen.»

Die Finanzierung sieht Courvoisier zwar auf gutem Weg, doch es bleibt die Unsicherheit, ob die Landbesitzer überhaupt einverstanden sind. Vonseiten Basel-Stadt und dem Bürgerspital sind positive Signale zu vernehmen. «Es wäre für uns auch eine Chance, das Land am Rande des Parks zu entwickeln», sagt Werner Rüesch, Leiter Immobilien beim Bürgerspital. Konkret erhofft er sich, dass Frankreich einen Teil des Landes umzont und das Bürgerspital so zu Bauland käme. Zurückhaltender gibt sich die Kibag: «Es müssen erst noch Verhandlungen geführt werden, in welcher Form gegebenenfalls wir dieses Land zur Verfügung stellen könnten», sagt der Kibag-Regionalleiter Hansjürg Zollinger. Dies zeigt, wie wacklig das Projekt ist. Zieht sich ein Landbesitzer zurück, müsste das Projekt wohl beerdigt werden.

Davon lässt Courvoisier sich nicht beirren. Er setzt darauf, dass er schon alle für sein Vorhaben begeistern wird. So fand gestern Samstag auch eine Begehung des Geländes statt, an der verschiedene Politiker aus Basel-Stadt und Allschwil, einzelne Architekten und interessierte Anwohner teilgenommen haben.

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