Im Keller des Basler Hotels Teufelhof finden sich die Überreste zweier alter Stadtmauern. Dieser archäologische Fundort soll nun namengebend für ein neues Bier sein: Diese Woche hat Hotelier Raphael Wyniger den «Stadtmauer Brauer» als Firma eintragen lassen.

Wyniger, im vergangenen Jahr Hotelier des Jahres, bestätigt die Brauabsichten. Ab kommendem Jahr soll das neue Bier ausschankbereit sein. In den historischen Kellerräumlichkeiten werde eine Brau- und Abfüllanlage eingebaut. Über das Investitionsvolumen will Wyniger keine Angaben machen.

Die jüngste Basler Brauerei wird zum Generationenprojekt, da Wynigers Vater als gleichberechtigter Partner in die Firma eingestiegen ist. Sie hätten zusammen seit längerem über dem Konzept gebrütet und erfolgversprechende Brauversuche gemacht, sagt Wyniger. Während in der Projektphase vor allem der Vater operativ tätig sein wird, ist bei einer erfolgreichen Lancierung die Anstellung eines Brauers vorgesehen.

Das Restaurant Fischerstube war in der Region der erste Gastrobetrieb, der 1974 die ursprüngliche Tradition der Hausbrauerei aufnahm. Das «Ueli Bier», das daraufhin in der «Fischerstube» entstand, war ein deklarierter Protest gegen die um sich greifenden Bierkonzerne. Nach der Schliessung der Warteck-Brauerei 1988 war das «Ueli Bier» zeitweise das einzige Basler Bier.

Nach einer neueren Zählung finden sich mittlerweile alleine in Basel 13 und in Baselland weitere 21 Braustätten, wobei die Spanne vom Verein für Hobbybrauer bis zum professionellen Unternehmen reicht. Entsprechend hat das Kantonslabor bei einer Untersuchung auch unterschiedliche Qualitäten entdeckt. Anfang Monat wurde unter Regie von István Akos («Unser Bier») eine Brauereizunft beider Basel gegründet.

Vor zwei Jahren hat nach der «Fischerstube» mit der Krafft-Gruppe (Hotel Krafft) ein zweiter bestehender Gastrobetrieb mit dem Volta Bräu eine Hausbrauerei mit angeschlossenem Restaurant eröffnet.

«Solides» Bier
Wyniger, ebenfalls in der gehobenen Gastronomie beheimatet, meint, mit dem «Stadtmauer Brauer», nicht zu spät dem Trend zu folgen. Klein- und Kleinstbrauereien erzielen in der Schweiz nach Branchenangaben einen Marktanteil von drei bis vier Prozent. In den USA hätten die Mikrobrauereien einen Marktanteil von zwanzig Prozent, meint Wyniger. Gemäss einer Berechnung der US-amerikanischen Brewer Associations liegt er mit dieser Schätzung allerdings zu hoch: Zwölf Prozent des getrunkenen Bieres seien 2015 von kleinen und unabhängigen Produzenten hergestellt worden, schreibt der Verband in einer Mitteilung vom März 2016.

Im ersten Betriebsjahr wollen Vater und Sohn Wyniger zwischen 15 000 und 20 000 Liter Bier herstellen, das in den «Teufelhof»-Restaurants und im «1777», aber auch im freien Verkauf angeboten werde. Zum Produkt sagt Wyniger: Ein «solides» Bier soll es werden.

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